Tierische Adoption : Frische Dackelmilch fürs Ferkel

Ferkel Borsti und seine Ziehmutter Jule. Foto: Bülck
1 von 4
Ferkel Borsti und seine Ziehmutter Jule. Foto: Bülck

Weil seine Mutter ihn nicht wollte, brauchte Minipig Borsti Ersatzeltern. Das Rauhaardackel-Pärchen Jule und Ossi von Familie Jensen adoptierte ihn.

Avatar_shz von
08. Juni 2013, 10:27 Uhr

Risum-Lindholm | Trotz seiner kleinen Beinchen ist Borsti flink wie ein Wiesel. Quiekend und grunzend tollt das gerade einmal drei Wochen alte Minischwein mit Dackel Oskar (3), von Frauchen und Herrchen kurz Ossi genannt, über den Rasen. Beide rennen um die Wette den Fußweg entlang, springen durch die Pflanzen und liefern sich eine freundschaftliche Beißerei. Borsti ist der Liebling der Familie Jensen aus Risum-Lindholm im Herrenkoog: Kathrin (33) und Carsten (39) mit ihren Töchtern Gina (8), Pia (6) und Lara (7). Zur Welt gekommen ist das Ferkel in der Nachbarschaft - auf dem Hof von Peter Lewe Rasmussen. Mit einem großen Tierbestand - vom Pony bis hin zu Enten - eigentlich ein ideales Zuhause. Aber der Kleine hatte Pech. Das Mutterschwein hatte mit den zehn Geschwistern genug um die Ohren, fühlte sich wohl überfordert und verstieß ihr elftes Kind.
"Unsere Tochter Gina erfuhr durch die Friesisch-Lehrerin in der Schule von dem Schicksal des Minipigs", erzählt Kathrin Jensen. Als in der Klasse diskutiert wurde, wer denn ein neues Zuhause für das Ferkelchen wüsste, meldete sich die Achtjährige. Als Ersatzmutter bot sich bei den Jensens die sechs Jahre alte Rauhaardackel-Dame Jule geradezu an. Kathrin Jensen: "Sie hat schon im vergangenen Jahr ein Katzenbaby großgezogen." Eigener Nachwuchs war der Hündin Jule nicht gegönnt. Kathrin Jensen: "Es klappt bei ihr einfach nicht." Und lachend fügt sie hinzu: "Aber dafür nimmt Jule alles an Tieren auf, was sie bekommen kann."

Mit Erfolg. Seither hat Borsti ein neues Heim - und totalen Familienanschluss. Dackel-Dame Jule und Partner Oskar teilen sich die Verantwortung. Das Ungewöhnliche: Jule versorgt den Kleinen mit ihrer Milch und putzt ihn sogar. Ossis Aufgabe ist es, das Schweinchen mit Spielen bei Laune zu halten. Und obwohl der Rüde für die Jagd ausgebildet wurde, kann er Freund und Beute gut auseinanderhalten. "Er spielt mit dem Ferkel wie mit einem Hund." Das mit der Muttermilch wäre eigentlich nicht mehr nötig, denn Borsti trinkt auch schon Katzenmilch aus einem Schälchen. Es ist eben nur bequemer - und die Milch ist ständig verfügbar. Essen geht auch schon: Haferflocken mit Milch, ein bisschen Leberwurst oder Reis mit Wasser. "Katzenfutter mag er nicht - warum auch immer."
"Bis es soweit war, haben wir ihn anfangs alle zwei Stunden mit Katzenmilch aus einer Spritze gefüttert", erinnert sich Kathrin Jensen. Viel Schlaf bekam sie in den Nächten natürlich nicht. "Ein bisschen war es wie bei den Kindern." Später wurde Borsti aus einer Nuckelflasche verpflegt. Schon nach fünf Tagen sprang Hündin Jule ein. Wie eine richtige Mutter ist sie um ihr Kind besorgt. Ist Essenszeit, will sie nicht gestört werden - auch von Ossi nicht. Tut er es doch, muss der Rüde damit rechnen, dass nach ihm geschnappt wird.

Viele Hunde-Eigenheiten angeeignet

Borsti hat sich schon einiges von seinen Eltern abgeguckt. "Er kratzt sich wie ein Hund und ruckt sich, genau wie Jule, den Platz auf der Decke zurecht", berichten die Jensens. Einiges hat das Ferkel aber auch instinktiv drauf, beispielsweise mit dem kleinen Schnäuzchen durch das Erdreich zu pflügen. Zum Leidwesen von Kathrin Jensen müssen da nur allzu oft die Blumenbeete herhalten. "Borsti wäre vielleicht ein gutes Trüffelsuchschwein", flaxt sie lachend. Abends kuscheln sich "Mutter und Sohn" eng aneinander auf die Couch. "Doch wenn Borsti seine fünf Minuten hat, dann saust er wie ein Wilder durch das Wohnzimmer."
Auch wenn Borsti, der sich bei den Jensen sauwohl fühlt, ein Minipig ist und deshalb kaum größer als Jule wird, kann die Familie ihn nicht behalten. Sie sucht nun ein liebevolles Zuhause für den Kleinen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen