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Nolde-Museum : „Friesenfreundlich“ als Strategie

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mit Aktionen und Serviceangeboten will die Nolde-Stiftung Seebüll auch in der neuen Saison mehr Nordfriesen in das Museum locken.

von
erstellt am 28.Feb.2017 | 14:15 Uhr

Vom Café mit regionalen Speisen bis zum Spielplatz für die Kinder: Das Nolde-Museum soll nicht nur familienfreundlicher, sondern auch noch friesenfreundlicher werden. Denn wie Direktor Dr. Christian Ring bemängelt, „sind viele Einheimische bestenfalls einmal im Leben in Seebüll gewesen. Sie wissen aber gar nicht, dass sich die Ausstellung jedes Jahr komplett ändert.“

Während seit Jahren schon Touristen aus ganz Deutschland busweise in den hohen Norden kommen, um die Werke des Künstlers Emil Nolde zu sehen, habe sich laut Christian Ring die Museumsfreude der Einheimischen zwar gebessert, sie sei aber weiterhin noch ausbaufähig. Beim gestrigen Pressegespräch zur neuen Ausstellungseröffnung (siehe auch Kultur-Seite) konnte der Direktor der Nolde Stiftung Seebüll diesbezüglich dennoch erfreuliche Zahlen verkünden. Entgegen dem bundesweiten Trend, bei dem sich länger schon eine Besucherträgheit zeigt, ist in Seebüll die Zahl der Jahresgäste gestiegen. Mit insgesamt 63  828 Besuchern kamen 1400 Gästen mehr als im Vorjahr. Und darunter seien – davon ist Dr. Christian Ring überzeugt – deutlich mehr Nordfriesen.

So scheint das neue Museumskonzept bereits zu fruchten. Die Stiftung kooperiert verstärkt mit hiesigen Unternehmen – beispielsweise bei einer Produkt-Aktion, die im letzten Jahr erstmals in der Region startete. Ein Brot namens „Noldes Liebling“ wurde in den Filialen der „Niebüller Backstube“ mit einer von der Stiftung selbstgestalteten Brottüte angeboten, auf der sich ein 2-für-1-Eintrittsgutschein fürs Museum fand. Eine Marketingstrategie, die Interessierte auf den Geschmack für einen Ausstellungsbesuch bringen sollte. „Und das hat gut funktioniert. Noch Wochen nach der Aktion kamen Einheimische mit den Gutscheinen zu uns.“ Aus diesem Grund wird die Aktion auch in dieser Saison wiederholt.

Ebenso gut funktioniert habe auch die Kooperation mit örtlichen Firmen bei der Herstellung von Artikeln für den Museumsshop: Eine Töpferei repliziert einen von Nolde kreierten Blumentopf. Ein hiesiger Goldschmied fertigt jene Brosche an, die einst der Künstler für seine Frau Ada schuf. Mitarbeiter der Mürwiker Werkstätten wiederum nähen Artikel aus Stoff, die so bunt sind wie die Aquarelle des Malers. Kuratorin Caroline Dieterich kann für den Verkauf der Produkte eine positive Bilanz ziehen: „Während in anderen Museumsshops insgesamt meist ein Umsatz von rund zwei Euro pro Kopf erwirtschaftet wird, waren es bei uns etwa sieben Euro.“

Wie schon in den Monaten zuvor richtet sich das Museum darüber hinaus auch 2017 verstärkt auf Familien aus – in Zeiten, in denen die „Generation Deutschstunde“ ausstirbt. Und wer erst einmal nach Seebüll kommt, soll dort auch länger bleiben. Dr. Christian Ring hält dafür an seinem „Erlebnisbesuch“ als Grundkonzept fest. Dafür sei auch eine ansprechende Gastronomie wichtig. Zwei Jahre lang hat die Stiftung selbst das Café Seebüll betrieben. „Man kann sagen, unsere Kernkompetenz lag nicht in der Gastronomie“, gesteht Ring scherzhaft ein. „Aus diesem Grund geben wir sie nun in professionelle Hände.“ Die Niebüller Backstube hat den Betrieb des Cafés übernommen – als eine Filiale. Ab heute bis zum 30. November wird es geöffnet sein. Ring: „Wir hoffen, dass auch Einheimische nach einem Spaziergang kurz vorbeikommen, um hier ein Stück Kuchen zu essen oder morgens bei uns zu frühstücken.“

Weil Kinder „die Stammbesucher von morgen sind“, wie es Kuratorin Caroline Dieterich formuliert, bezieht das Museum zudem die jungen Gäste mehr ein. Mittlerweile führt die Dogge „Baldur“ als Maskottchen sie mit Infotexten durch die Ausstellung. Länger schon steht für die jungen Besucher auch ein Extra-Verkaufstisch im Museumsshop sowie eine Spielecke bereit. Die Jüngsten können eine Schnitzeljagd durch das Areal machen oder an Malkursen teilnehmen. In Planung ist zudem ein aufwendiger Spielplatz, der bis zum Sommer im Garten entstehen soll. Dieterich: „Und selbst bei den Spielgeräten soll der Geist von Emil Nolde deutlich zu sehen sein.“

Vater, Mutter, Kind und vielleicht noch die Oma – für jeden soll im Nolde-Museum etwas dabei sein. „Die Zeiten sind vorbei, in der Bilder an der Wand genügten, um Kunstfreunde zufriedenzustellen.“ Das weiß auch Dr. Christian Ring.

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