zur Navigation springen

Unterfinanzierung : Friedhöfe leiden unter Kostendruck

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Grund für die finanzielle Schieflage vieler Friedhöfe ist eine sich verändernde Bestattungskultur / Stedesand will Förderkreis ins Leben rufen

Friedhöfe sind öffentliche Orte der Trauer und der Einkehr. Auch Südtonderns Begräbnisplätze erfüllen diesen kulturellen Auftrag – doch das kostet Geld. Geld für Personal und die Pflege von Grünflächen, das im Notfall auch aus dem Budget der Gemeinden fließt. So sieht es das Bestattungsrecht in Schleswig-Holstein vor. Während der vergangenen zehn Jahre ist diese finanzielle Schützenhilfe, die die kommunalen Haushalte für ihre Friedhöfe aufbringen müssen, immer häufiger nötig. „Der Grund dafür ist, dass die laufenden Kosten gleich bleiben, die Einnahmen aber sinken“, weiß Stedesands Bürgermeister Stephan Koth. Seine Gemeinde ist betroffen – auch in Stedesand decken die Einnahmen des Friedhofs die Ausgaben nicht mehr.

Kommunalpolitiker und Kirchengemeinderat haben daher nach einem Konzept gesucht, um die Kosten für den Unterhalt des Dorffriedhofs künftig aufzufangen: Am Freitag, 20. Februar, um 19.30 Uhr hat der Bürgermeister die Einwohner nun in das Kirchengemeindehaus geladen, um eine mögliche Lösung vorzustellen – auf der Tagesordnung steht die Gründung eines Friedhof-Förderkreises. Schon mit einem geringen Jahresbeitrag wäre dem Friedhofshaushalt, den die Gemeinde auch im vergangenen Jahr mit rund 2000 Euro stützen musste, geholfen. „Wir sind uns bewusst, dass wir den Friedhof so nicht ganz aus den roten Zahlen bekommen werden, aber es ist ein Anfang“, so Koth. Langfristiges Ziel sei es, den etwa 7000 Quadratmeter großen Friedhof in seiner jetzigen Form zu erhalten und weiter gestalten zu können.

Grund für die finanzielle Schieflage vieler Friedhöfe ist eine sich verändernde Bestattungskultur. Vor rund zwanzig Jahren waren in Südtondern etwa 80 Prozent Erdbestattungen und 20 Prozent Urnenbestattungen üblich. Heute entscheiden sich dagegen nur noch rund 60 Prozent für die traditionelle Erdbestattung, meldet der Kirchenkreis Nordfriesland (wir berichteten). Damit sinken auch die Einnahmen für den Friedhof, da für eine Urnenbestattung in der Regel weniger Gebühren anfallen.

„Es gibt einen Trend zur pflegearmen Grabstätte“, sagt Stedesands Pastor Thomas Reimers, der die Entwicklung auf dem Friedhof mit etwa 700 Grabstellen aus nächster Nähe beobachtet. Für viele Angehörige spielten die Kosten eine Rolle, aber auch Seebestattungen ohne festes Grab seien immer beliebter. „Aus diesem Grund haben wir hier auch Leerstände.“ Dass der Verzicht auf eine Erdbestattung, die inklusive Sarg rund 7000 Euro kostet, aber immer deutlich günstiger sein muss, kann Bestattungsunternehmer Rainer Carstensen nicht bestätigen: „Preislich muss es zu anderen Bestattungsformen keinen großen Unterschied geben.“

Auf ein Umdenken und eine damit verbunden Trendumkehr in der Bestattungskultur will man in Stedesand nicht warten und geht mit der Gründung des Fördervereins lieber in die Offensive. „Wir hoffen natürlich auf große Resonanz“, sagt Hardy Hansen aus dem Stedesander Kirchenrat. „Wir wollen die Menschen auf das Problem aufmerksam machen.“ Ein Umdenken wünscht sich auch Gemeindepastor Thomas Reimers: „Ein Friedhof ist mehr als eine Grabansammlung, sondern auch ein Kommunikationsort, der als fester Ort der Trauer weiterhin sehr wichtig ist.“

zur Startseite

von
erstellt am 13.Feb.2015 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen