Freude auf ein großes Fußballfest

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Sportvereine und Gemeinden verzichten aus Kostengründen auf Public Viewing zur WM/ Fußball-Vorfreude in Südtondern wächst

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04. Juni 2014, 05:30 Uhr

Wenn am Donnerstag, 12. Juni, um 17 Uhr Ortszeit in der Arena de São Paulo die Nationalmannschaften von Brasilien gegen Kroatien zum Eröffnungsspiel antreten, dann werden in erster Linie Erwachsene auf dem heimischen Sofa Platz nehmen. Der Grund: Durch die Zeitverschiebung wird der WM-Auftakt in Deutschland erst um 22 Uhr übertragen. Viele Spiele werden nur zu später Stunde – zwischen 21 und 3 Uhr morgens– ausgestrahlt. Für kleine Fußballfans wird die Weltmeisterschaft damit im besten Fall ein Turnier im Schlafanzug. Live-Euphorie, wie 2006 in Deutschland, werden die Kinder in diesem WM-Jahr daher nicht oft spüren. „Das bremst die Vorfreude natürlich aus“, sagt Wolfgang Siegfried, Fußball-Leiter des TSV Rot Weiß Niebüll. Auch wenn der Fußballnachwuchs erst am Morgen nach dem Spiel erfahren wird, wie Deutschland gespielt hat, seien die Kleinen schon aufgeregt: „Die Fußballkinder tragen bereits die Trikots ihrer Vorbilder wie Götze und Özil – die WM ist natürlich ein wichtiges Thema“, weiß Trainer Siegfried.

Auch deswegen hat man sich vorgenommen, mindestens ein Spiel der Nationalmannschaft in großer Runde zu sehen: „Am 21. werden wir erst ein Spiel- und Spaßturnier für unsere 300 Kinder veranstalten, dann grillen und schließlich Deutschland gegen Ghana auf dem Beamer schauen.“ Aber auch hier würden nicht alle mitfiebern können, sagt Siegfried, „das Spiel wird erst um 21 Uhr übertragen“.

Ebenfalls beim SV Frisia 03 und MTV Leck löst das nahende Fußballfest schon jetzt Freude aus: „Nachdem unsere Nationalmannschaft nun die ersten Freundschaftsspiele hatte, wächst die Vorfreude bei den Kleinen“, berichtet der Fußballobmann aus Leck, Sven Bergstädt. „Die wissen Bescheid, wer in den Kader gehört – da wachsen kleine Experten heran.“ Genau wie bei den Kollegen aus Leck planen auch Fußballer aus Risum-Lindholm in diesem Jahr keinen eigenes Event zur WM: „Bisher hatten wir immer eigenes Public Viewing“, sagt Hans Overlander, Fußballobmann bei SV Frisia 03, „ diesmal wird es das dann in der Friesenhalle in Lindholm geben“. Natürlich treffe man sich aber im privaten Kreis zu gemeinsamen WM-Abenden, stimmen die Fußball-Obleute in ihrer Planung überein.

Ähnlich wie in den Vereinen müssen sich die Fußballfans für die brasilianische Weltmeisterschaft selbst organisieren, denn Public Viewing auf öffentlichen Plätzen in Südtondern soll es bisher nicht geben. „Die Kosten für eine solche Veranstaltung in Niebüll sind einfach zu hoch“, bedauert Stadtmanager Holger Heinke. Wer die WM -Spiele nicht in den eigenen Vier Wänden und in Gesellschaft verfolgen wolle, der könne auf mehrere Lokale und Kneipen der Stadt ausweichen, wo die Begegnungen gezeigt werden. Eine kleine Hoffnung, dass Niebüll doch noch eine Public-Viewing-Leinwand bekommt, gibt es allerdings noch: „Wir nehmen an einem Gewinnspiel des NDR teil“, so der Stadtmanager, „da kann man die Übertragung eines Matches gewinnen“.

Öffentliche Liveübertragungen wird es auch in Leck nicht geben. „Wenn ich im Rathaus einen Fernseher aufstelle, dann müssten wir GEMA-Gebühren zahlen. Hohe Kosten kämen auf uns zu, die Leck gar nicht wuppen könnte“, bedauert Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn. Deshalb tut er zur WM das, wofür sich die meisten Bürger auch entscheiden: „Ich gucke zu Hause Fußball.“

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