Freiwillige vor - Nordfriesland vorn!

Stellvertretend für 120 Engagierte im Land wurde dieser Gruppe gedankt. Landrat Dieter Harrsen (r.) freut sich mit ihnen.  Foto: juk.
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Stellvertretend für 120 Engagierte im Land wurde dieser Gruppe gedankt. Landrat Dieter Harrsen (r.) freut sich mit ihnen. Foto: juk.

Landesweiter Abschluss des dreijährigen Projekts "Freiwilligendienste aller Generationen" in Husum

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05. November 2011, 08:05 Uhr

Nordfriesland | Der Kreis kann sich sehen lassen. Das ehrenamtliche Engagement seiner Bürger ist ungebrochen. Nordfriesland liegt dabei im landesweiten Ranking an fünfter Stelle, wie Landrat Dieter Harrsen gestern äußerte. Er eröffnete den Abschlussreigen des Bundesprogramms "Freiwilligendienste aller Generationen" im Husumer Nordsee-Congress-Centrum. Doch nicht nur deshalb kann sich der Kreis sehen lassen. Der "Vater" des Förderprogramms des Bundes, Dieter Hackler vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, lobte die Umsetzung an der Westküste über den grünen Klee: "Dieser Landkreis führt die Championsleague des ehrenamtlichen Engagements an." Zum Gelingen trügen die Projektträger und Verbände, das Land, die Kommunen und der Kreis Nordfriesland bei. An ihnen sei es, die Beteiligung an der Mitverantwortung der Menschen mit konkreten und passenden Aufgaben einzufordern. Den Projektkoordinatoren und -beteiligten attestierte er: "Sie haben mitgewirkt am Miteinander der Generationen vor Ort." Auch die Zusammenarbeit mit dem Bildungsanbieter Volkshochschule hat den Rheinländer beeindruckt. "Das hat in Nordfriesland vorbildlich geklappt." Ganz ohne Hinweis auf die Bibel konnte der ausgebildete Theologe nicht auskommen. Die Erschaffung Evas als Frau Adams legte er anders als volkstümlich üblich aus. Sie sei für den ersten Mann auf der Welt das Gegenüber gewesen, dabei stehe der soziale Aspekt im Vordergrund, nicht unbedingt der weibliche. Sein Schluss daraus: "Nichts erhält uns besser am Leben, als soziale Bindungen." Der Verwendung des Projektkonzepts beschied er rosige Aussichten.

Staatssekretärin Dr. Bettina Bonde, Ministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit in Kiel, unterschied zwischen dem sogenannten Wutbürger und dem Ehrenamtler, der sich in der Nachbarschaft oder der Gemeinde direkt engagiert. Ohne ihn sähe die Gesellschaft anders aus. Der Kreis habe außerordentlich erfolgreiche Beispiele für gute Netzwerkarbeit: "Nordfriesland bildet die Vielfalt des Engagements in Schleswig-Holstein beispielhaft ab."

Der Wissenschaftler Michael Bolk, Institut für Gerontologie (Wissenschaft des Alterns) der Universität Heidelberg, spann den Bogen von den Anfängen freiheitlichen und gemeinschaftlichen Denkens nach Emanuel Kant (1724-1804) und Jean-Jaques Rousseau (1712-1778) bis in das heutige Nordfriesland. So fand er in den Bedingungen des Programms "Freiwilligendienste aller Generationen", die eine feste Vereinbarung zwischen Träger und Ehrenamtler vorsehen, Gedanken von Rousseau wieder. Der sagt: Die gesellschaftliche Ordnung sei geheiligtes Recht, das auf Verträgen beruhe. Die Aussage Kants, dass, wenn der Mensch selbstständig und im Sinne der Gemeinschaft denke, er würdig zu behandeln sei, fand er ebenso in den Bedingungen im Kreis wieder: Die "Freiwilligendienste aller Generationen" seien ein wichtiger Baustein zur Vorbereitung einer Bürgergesellschaft. "Glückwunsch zu diesen Gedanken", lobte der Fachmann.

In einer Gesprächsrunde tauschten Dr. Gabriele Lamers, Leiterin des Fachbereichs Jugend, Soziales, Arbeit beim Kreis NF, Annika Poppenborg vom Mobilen Kompetenzteam im Land, Dr. Nicole Schmidt, "Mittenmang" Schleswig, und Juleka Schulte-Ostermann, "Bürgerkraftwerk" Lübeck, ihre Erfahrungen auf dem Podium aus. Vor dem Großen Saal des NCC informierten zahlreiche Ehrenamtler auf dem "Markt der Möglichkeiten" über ihre Projekte und deren Trägereinrichtungen. Die Feuerwehr Nordfriesland hatte sogar ein Fahrzeug in das Gebäude gefahren und schon dadurch auf sich aufmerksam gemacht. Kreisfeuerwehr-Chef Christian Albertsen war dann auch unter denen, die am Ende der mehrstündigen Veranstaltung von Dr. Bernhard Rosendahl, Referatsleiter im Sozialministerium Kiel, geehrt wurden. Einen Dank erhielt auch der Husumer Produzent Martin Tiefensee, der einen Film über das Projekt gemacht hatte.

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