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Nordfriesland Tageblatt

23. Oktober 2017 | 16:21 Uhr

Landwirtschaft : Freilandhaltung bevorzugt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Tiere von Familie Johannsen aus Sprakebüll und Familie Steensen aus Lexgaard stehen auch im Winter draußen

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2015 | 05:00 Uhr

Artgerechte Tierhaltung und trotzdem faire Preise für den Landwirt – dass das funktionieren kann, zeigen zwei Höfe in Südtondern: Der Ravenshof in Lexgaard und Johannsens aus Sprakebüll setzen bei ihren Schweinen und Rindern auf Freilandhaltung.

Solveig Steensen führt gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Landwirt Karl-Martin, den Betrieb und ist von der Freilandhaltung überzeugt. „Mein Mann kommt aus der konventionellen Schweinemast und wir kennen den Unterschied“, berichtet sie. Vor allem, dass die Tiere auf beiden Höfen mehr Zeit für die Mast bekommen, bildet einen deutlichen Unterschied. Während Schweine in der konventionellen Mast ihr Endgewicht schon nach drei bis vier Monaten erreicht haben müssen, kommen sie bei Johannsens und Steensens erst mit zwölf bis 14 Monaten zum Schlachter.

Das macht sich nicht nur in der Qualität des Fleisches bemerkbar, sondern auch bei den Tieren selber: Wie wohl sich Schweine fühlen, die sich ihrem Naturell entsprechend in Wasserkuhlen suhlen können und frisches Obst und Gemüse zu fressen bekommen, ist deutlich zu sehen. Er gehe lieber die Schweine draußen füttern, als in den Schweinemaststall, den er als Lohnmäster derzeit noch bewirtschaftet, sagt Karl-Martin Steensen.

Nicht nur in den Sommermonaten, sondern auch im Winter stehen die Tiere draußen. Dass man sich damit nicht nur Freunde macht, weiß Finn Johannsen aus Sprakebüll zu berichten. Der Landwirt hat sich auf die Zucht und Mast von Shorthorns spezialisiert, einer ehemals weit verbreiteten Rinderrasse, die mittlerweile auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere steht. „Die Shorthorns sind Rinder, die ohne Probleme das ganze Jahr über draußen stehen können, weshalb wir sie immer so lange wie möglich auf der Weide lassen“, sagt Finn Johannsen. Und fügt an, dass ihm das aber auch schon mal einen Besuch von besorgten Bürgern eingebracht hat. „Die Menschen sind gar nicht mehr daran gewöhnt, Rinder im Winter draußen zu sehen und denken, man würde seine Tiere vernachlässigen.“ Wer den Landwirt mit seinen Rindern erlebt, merkt schnell, dass sie für ihn keine Ware, sondern geschätzte Lebewesen sind. Neben der Tatsache, dass die Tiere nahezu hornlos auf die Welt kommen, haben sie noch weitere Vorteile für den Landwirt: „Es sind tolle Muttertiere und ruhige, genügsame Rinder.“

Dass viele Menschen gar nicht mehr zu wissen scheinen, wie Fleisch und Milchprodukte in den Supermarkt gelangen, überrascht Finn Johannsen: „Was ich teilweise für Fragen bei den Landwirtschaftsausstellungen, die ich mit meinen Rindern besuche, gestellt bekomme, dass glaubt man gar nicht.“ Er fände es gut, wenn mehr Schulklassen und Kindergärten landwirtschaftliche Betriebe besuchen würden. Gemeinsam mit Ehefrau Kristina bietet er Interessierten gerne eine Hofführung an, auch für Gruppen. Auch Familie Steensen heißt interessierte auf ihrem Hof willkommen und zeigt gerne, dass sich die Schweine auf dem Ravenshof im wahrsten Sinne des Wortes „sauwohl“ fühlen.

Aber nicht nur das Wohlbefinden macht den Unterschied bei einer artgerechten Tierhaltung aus, sondern auch die Gesundheit. Außer den vorgeschriebenen Wurmkuren bekommen die Schweine auf dem Ravenshof keine Medikamente. Beide Betriebe sehen es nicht als Nachteil an, dass die Freilandhaltung mehr Arbeit mit sich bringt. „Natürlich dauert es im Sommer länger, alle Weiden abzufahren und nach jedem einzelnen Tier zu gucken“, berichtet Finn Johannsen, „aber eine Mutterkuh muss einfach draußen gehalten werden, alles andere macht keinen Sinn.“

Neben den Shorthorns hat sich die Johannsen Agrar UG auf die Haltung zwei weiterer, vom Aussterben bedrohter Rassen spezialisiert: Wollschwein und Angler Sattelschwein. Beide Rassen liefern hervorragendes Fleisch, ebenso wie die das „Bunte Bentheimer“ und das „Berkshire“ – die Rassen, die auf dem Ravenshof gehalten werden. „Wir freuen uns natürlich, dass viele Spitzen-Gastronomiebetriebe unser Fleisch gerne bestellen, aber zu unseren Stammkunden zählen genauso normale Familienhaushalte aus der Region“, erzählt Solveig Steensen.

„Wir denken, dass wir auf jeden Fall die richtige Entscheidung getroffen haben“, resümiert Kristina Johannsen. „Durch faire Preise für Kunden und Erzeuger können wir eine faire Haltung für die Tiere gewährleisten.“ Auch Familie Steensen steht voll und ganz hinter der fairen Tierhaltung. Beide Höfe verkaufen ihr Fleisch im Direktvertrieb.



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