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Nordfriesland Tageblatt

14. Dezember 2017 | 18:55 Uhr

„Frauen verdienen mehr“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Morgen ist Internationaler Frauentag – im Amt Südtondern gibt es deshalb noch bis zum 31. März die Ausstellung „Who cares?“ zu sehen

von
erstellt am 02.Mär.2015 | 16:39 Uhr

Am Sonntag, 8. März, ist der Internationale Frauentag: Als Südtonderns Gleichstellungsbeauftragte weist Sylke von Kamlah-Emmermann gerne auf diesen Tag hin. „Denn den Urmüttern des Internationalen Frauentags war es bereits vor 104 Jahren ein Anliegen, auf die gänzliche Gleichbehandlung von Frauen nicht nur in unserer Gesellschaft, sondern weltweit hinzuweisen und ein Zeichen zu setzen.“ Es sei nach wie vor wichtig, auf soziale Ungerechtigkeit hinzuweisen: „Die Ziele der Frauenbewegung sind heute genauso aktuell, auch wenn wir mit anderen Mitteln und anderen Schwerpunkten gegen aktive Benachteiligung und für die Verbesserung von Lebensverhältnissen kämpfen.“

Symbolisch seien es ursprünglich Brot und Rosen gewesen, die das Dilemma deutlich machen sollten, dem Frauen in ihren Lebens- und Arbeitsbedingungen unterworfen waren – „und es trotz gesellschaftlicher Meilensteine und vieler Umsetzungsprozesse in manchen Bereichen immer noch sind“, erläutert von Kamlah-Emmermann. In Südtondern soll die plakative Ausstellung „Who Cares?“ veranschaulichen, was Frauen im Arbeitsleben leisten. Der Titel dieser Wanderschau des Deutschen Frauenrats ist zweideutig, heißt übersetzt sowohl „Wer kümmert sich, wer trägt Sorge?“ als auch „Wen schert’s, wen kümmert’s?“

Anhand der Ausstellung können sich Besucher während der Öffnungszeiten im Foyer und 1. Obergeschoss des Amtes Südtondern im gesamten Monat März ein eigenes Bild davon machen, wer sich beruflich um andere kümmert: „Es sind nachweislich und auch statistisch erwiesen die Frauen. Wir befinden uns im Zwiespalt zwischen ökonomischen Interessens- und Spannungsfeldern im Hinblick auf gerechte Bezahlung und auch einen angemessenen Status, der sowohl zur persönlichen Anerkennung als auch zur monetären Sicherstellung von Frauenleben beitragen muss, und notwendiger menschlicher Sorge und Fürsorge füreinander“, sagt Südtonderns Gleichstellungsbeauftragte und fügt hinzu: „Frauen verdienen mehr, bekommen aber immer noch weniger als Männer.“ Noch immer spiegele sich eine Schieflage von Frauen- und Männerarbeit wider.

Die Ausstellung „Who Cares?“ stellt an acht Beispielen Vielfalt, Verantwortung und Nöte von Frauen in „Sorgeberufen“ dar – und setzt sich für die Anerkennung und Aufwertung frauentypischer Berufe ein, fordert gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit und ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in allen Berufen.

Hinter dem ungewohnten Begriff Care-Arbeit verbergen sich Berufe in der Gesundheitsfürsorge und Betreuung. Teil der Ausstellung ist etwa die Geschichte der Erzieherin Sürkran Simsek, der die Arbeit mit Kindern viel Freude und Spaß macht, aber sie auch oft als anstrengend empfindet, weil sie bei gleicher Stundenzahl immer mehr zu tun hat. Oder Susanna Rinne-Wolf: Die Hebamme musste mit der Geburtshilfe aufhören, weil sie sich die Berufshaftpflichtprämie nicht mehr leisten konnte. Die Pflegehelferin, die auf 450-Euro-Basis arbeitet, die zahnmedizinische Fachkraft, die im Schichtdienst von 8 bis 21 Uhr arbeitet oder die Reinigungsfachkraft, deren Handy 24 Stunden am Tag erreichbar ist: „Überall benötigen wir Menschen, die sich um uns sorgen und uns versorgen“, sagt von Kamlah-Emmermann.

Die Gleichstellungsbeauftragte regt dazu an, sich die Ausstellung anzuschauen und gern auch mit ihr über die Problematik ins Gespräch zu kommen. Einen Denkanstoß hat sich schon parat: „Die Frauenrechtlerin und Publizistin Hedwig Dohm hat bereits 1874 zur Frauenarbeit in sozialen Berufen etwas sehr Passendes deutlich gemacht, das auch auf das Jahr 2015 übertragen werden kann: ,Ich bin überzeugt, wenn das tägliche Honorar für eine Krankenwärterin zehn Goldstücke betrüge, so würde kein Beruf der Welt weniger für eine Frau geeignet sein als dieser; keiner würde die Schamhaftigkeit mehr verletzen, den Ekel stärker erregen und in gewohnter Huld würde man nimmer mehr der schwächlichen Frau die Last der Krankenpflege aufgebürdet haben.‘“




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