Franziska zu Reventlow: Ein Leben in Unabhängigkeit

Das Königreich 'Reharere' hatten sich die Reventlow-Kinder im Garten des Schlosses  erschaffen. Dr. Dörte Nicolaisen und Dr. Sven-Hinrich Siemers, Geschäftsführer des Nordsee-Museums, sehen sich Aufzeichnungen an. Foto: hjm
Das Königreich "Reharere" hatten sich die Reventlow-Kinder im Garten des Schlosses erschaffen. Dr. Dörte Nicolaisen und Dr. Sven-Hinrich Siemers, Geschäftsführer des Nordsee-Museums, sehen sich Aufzeichnungen an. Foto: hjm

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25. März 2011, 03:59 Uhr

Husum | Zu den bekannten Persönlichkeiten der Stadt Husum gehört unumstritten Franziska Gräfin zu Reventlow (1871 - 1918). Ihr widmete die Stadt schon vor Jahren eine Straße und erinnert damit dauerhaft an die gebürtige Husumerin. Am kommenden Sonntag, 27. März, wird um 11.30 Uhr im Schloss vor Husum die Sonderausstellung "Alles möchte ich immer" eröffnet. Dabei geht es um das Leben und Wirken der Gräfin. Die umfangreiche Ausstellung, die bereits in Lübeck und Kiel für großes Aufsehen sorgte, ist das Ergebnis fast vierjähriger Forschungsarbeit.

Zum Forschungsteam gehört die Kunsthistorikerin Dr. Dörte Nicolaisen. "Wir haben Kontakt mit den Nachkommen Reventlows in München aufgenommen und konnten auf diesem Weg hochinteressante Dokumente ausleihen. Im übrigen zeigt sich Nicolaisen begeistert über die Gräfin, die damals schon ihrer Zeit weit voraus war. "Sie war eine schillernde Figur, die sich nicht den Konventionen fügte." "Alles möchte ich immer", mit diesem Satz, notiert in ihrem Tagebuch, brachte Franziska zu Reventlow - den Vornamen Fanny änderte sie später - die Gleichzeitigkeit und Unvereinbarkeit ihrer Wünsche an das Leben auf eine prägnante Formel. Unangepasst und willensstark, anmutig, witzig und liebesbegabt, zog die junge Frau und Mutter eines unehelichen Kindes die Zeitgenossen in ihren Bann.

Die Ausstellung ist biografisch ausgerichtet und gliedert sich in die vier wichtigen Lebensstationen Husum, Lübeck, München und Ascona. Die Wanderausstellung veranschaulicht die jeweils prägenden Erfahrungen der Gräfin anhand zahlreicher zum Teil neu entdeckter Quellen. Neben Fotografien, Briefen, amtlichen Dokumenten und gegenständlichen Exponaten werden die literarischen sowie die bildkünstlerischen Arbeiten Reventlows gezeigt. Ergänzt werden diese durch ausgewählte Werke ihrer frühen künstlerischen Vorbilder: ihrer Lehrerin Julie Heine, der Jugendfreundin und späteren Bildhauerin Anna Magnussen-Petersen und der Lübecker Malerin Maria Slavona.

Prägend für Franziska zu Reventlows Kindheit und Jugend war einerseits ihre enge Bindung an die nordfriesische Landschaft, das beschauliche Husum sowie das Schloss mit dem ausgedehnten Landratsgarten, andererseits ihr ambivalentes Verhältnis zu den Eltern, besonders zu der strengen Mutter, einer geborenen Gräfin Rantzau. Der Vater, Graf Ludwig zu Reventlow, war der erste preußische Landrat des Kreises Husum. Eine wichtige Rolle für die heranwachsende Fanny spielte der Dichter Theodor Storm, ein naher Freund der Eltern. Der Philosoph und Soziologe Ferdinand Tönnies aus dem benachbarten Kavaliershaus war ein Vertrauter der fünf Reventlow-Geschwister. Zur Eröffnung reisen Verwandte zu Reventlows an.

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