Flüchtlingshilfe als Großaufgabe

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Runder Tisch im Niebüller Rathaus: Verwaltung, Politik und Ehrenamtler wollen die Hilfe für Asylsuchende weiter verbessern

shz.de von
20. Januar 2015, 10:46 Uhr

Die Kriege in Syrien und Afghanistan, Krisen in Osteuropa und Konflikte auf dem afrikanischen Kontinent treiben immer mehr Menschen nach Deutschland. Rund 400 Asylsuchende wurden 2014 an den Kreis und davon etwa 75 an das Amt Südtondern überwiesen. Diese Menschen stellen Amt und Kommunen vor komplexe Aufgaben – den oft traumatisierten Menschen muss auf vielfältige Weise geholfen werden. Um die Kompetenzen für diese Hilfeleistungen im Amtsgebiet zu bündeln, hatte Niebülls Bürgermeister Wilfried Bockholt am Montag zum ersten Treffen des „Runden Tisches zur Integration von Migrantinnen und Migranten für Niebüll und das westliche Südtondern“ geladen. Rund 50 Teilnehmer aus Politik, Verwaltung, Kirche und sozialen Einrichtungen waren seiner Einladung in das Niebüller Rathaus gefolgt, sodass sogar der runde Tisch des Ratssaales für die Helfer nicht genug Platz bot.

„Es wird grundsätzlich viel über Migranten gesprochen, aber nur sehr wenig mit Migranten“, führte Peter Martensen, beim Kreis Nordfriesland zuständig für Integration, in das Thema ein. Auf Kreisebene seien bereits vier Arbeitsgruppen eingesetzt worden, die sich mit der Umsetzung und Verbesserung von Integration beschäftigten. In der Folge habe der Kreis nun Mittel bereitgestellt, um die Moderation von runden Tischen wie in Niebüll für sechs Monate zu finanzieren. „In Leck, Westerland und Husum hat es diese Treffen schon gegeben“, sagte Martensen. Für das Netzwerktreffen in Niebüll übernimmt Almuth Fritzsche künftig die geförderte Koordination und dient auch als Ansprechpartnerin für Interessierte und Ehrenamtliche aus den Gemeinden. „Wir wollen hier das Konzept einer kommunalen Willkommenskultur erarbeiten und es dann gemeinsam mit Leben füllen“, sagte Fritzsche.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssten aus Sicht von Bürgermeister Hauke Christiansen aber erst grundlegende Hindernisse ausgeräumt werden: „Wir bekommen als Gemeinde Risum-Lindholm keine Angaben darüber, wie viele Asylsuchende kommen und wann sie kommen.“ So habe man mit Verweis auf den Datenschutz auch vor Weihnachten von der Verwaltung keine Angaben darüber erhalten, ob auch Kinder in der Gemeinde untergebracht seien – gerne hätte man sie sonst mit Geschenken versorgt, sagte Christiansen. Daraufhin versprach Udo Schmäschke vom Amt Südtondern, „dass wir im Hinblick auf den Datenschutz in solchen Fällen künftig einen pragmatischen Weg finden werden“.

Im Anschluss wurde über die Hilfe-Themen Wohnen, Bildung, Sprache, Hilfe im Alltag und Gesundheit gesprochen. Für diese Arbeitsfelder sollen sich in den kommenden Wochen unterschiedliche Arbeitsgruppen zusammenfinden, die sich größtenteils aus Teilnehmern des runden Tisches zusammensetzen werden. Über diese Foren soll der Erfahrungsaustausch und die praktische Hilfe für Asylsuchende verbessert werden. Um die Arbeit der Fachdienste und Ehrenamtler in Zukunft weiter zu stärken, steht den Verantwortlichen für 2015 eine Summe von rund 30  000 Euro zur Verfügung. Das Geld stammt aus Zuweisungen, die pro Asylsuchenden gezahlt werden. Die Mittel könnten künftig in Form von Ehrenamtspauschalen zum Beispiel für Sprachlehrer eingesetzt werden. Es sei aber auch die Finanzierung einer Stelle für die Koordination der Hilfe im Amt denkbar, zeigte Wilfried Bockholt auf.

Nach zwei Stunden waren sich die Teilnehmer des runden Tisches einig, die Hilfe für Flüchtlinge durch bessere Vernetzung untereinander künftig noch effektiver zu gestalten.

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