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Private Initiative : Flüchtlinge im Dorf nur Frage der Zeit

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Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das Amt Südtondern rechnet mit Unterbringung von Asylsuchenden auch abseits der Zentralorte. Monatlich müssen derzeit 50 Menschen untergebracht werden.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2015 | 07:45 Uhr

Täglich erreichen etwa 400 flüchtende Menschen Schleswig-Holstein, am Ende des Jahres könnten es 60  000 sein. Während die Landesregierung mit dem Bau fester Winterunterkünfte auf die steigenden Zahlen reagiert, bleibt den Ämtern vorerst nur, weiteren Wohnraum für die Unterbringung der ihnen zugewiesenen Asylsuchenden anzumieten (wir berichteten).

Doch auch im Amt Südtondern müssen die Zahlen jetzt nach oben korrigiert werden: Aufgrund der Verteilquote sei bis zum Jahresende mit einer Unterbringung von etwa 50 Personen pro Monat innerhalb des Amtsbereiches zu rechnen, sagt Pressesprecherin Judith Horn. Noch im Jahr 2013 waren es insgesamt nur 44 Menschen gewesen, die dem Amt zugewiesen wurden. Schon mit der alten Schätzung vom August, die für 2016 mit nur 300 neuen Asylsuchenden rechnete, waren Probleme bei der Wohnungssuche absehbar: Bereits damals sprach Amtsdirektor Otto Wilke vor dem Haupt- und Finanzausschuss davon, dass es zunehmend schwieriger werde, alle Asylsuchenden in den Zentralorten unterzubringen. Ein Ausweichen auf Wohnungsangebote aus ländlicheren Kommunen sei daher über kurz oder lang unumgänglich.

Wann dieser Zeitpunkt erreicht ist, an dem die Nachfrage das Angebot an zentralem Wohnraum übersteigt, sei noch nicht abzusehen, heißt es offiziell aus dem Amt. „Selbstverständlich gibt es nach wie vor Wohnungsangebote in zentraler Lage. Diese stehen jedoch leider nicht immer zur sofortigen Nutzung zur Verfügung“, sagt Sprecherin Horn. In der Praxis werden die privaten Wohnungsangebote von Sachbearbeitern eingehend geprüft. Dabei werde besonders auf eine „möglichst gute Versorgung“ geachtet. Damit stehen die zentralen Orte Leck, Niebüll und Süderlügum ganz oben auf der Wunschliste. Daneben kommen auch Orte mit einer entsprechenden Infrastruktur wie zum Beispiel Risum-Lindholm, Ladelund oder einer guten Anbindung an den ÖPNV wie Klixbüll in Frage.


Private Initiative: Kleines Hilfsangebot aus Karlum


Aber auch in der ländlichen Peripherie des Amtes gibt es schon jetzt interessante Optionen. So bereitet in Karlum eine private Initiative ein Angebot für Zeiten möglicher Wohnungsengpässe vor: Im alten Pastorat des 200-Seelen-Ortes wohnt seit zehn Jahren Antoni Carlsen mit Frau und Tochter. Nun hatte er die Idee, den selten genutzten Gemeindetrakt des um 1900 errichteten Gebäudes so herzurichten, dass dort eine vierköpfige Familie untergebracht werden kann. „Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, geflohene Menschen zu kasernieren“, sagt der 55-jährige Erzieher. Gerne würde Carlsen den Flüchtlingen bei Amtsgängen und anderen Alltagsprobleme unter die Arme greifen. „Wir haben in der Familie darüber gesprochen und sind uns einig, dass wir helfen wollen.“ Auch Gemeindepastor Hans-Joachim Stuck gefällt die Idee. „Bereits nach dem 2. Weltkrieg haben hier Flüchtlinge gewohnt. Die Umstände sind heute nicht viel anders.“ Mieter Antoni Carlsen spürt die Dankbarkeit der Notleidenden, die vor 70 Jahren im Pastorat Schutz fanden, bis heute. „Regelmäßig kommen ältere Menschen auf das Gelände und berichten mir, dass sie damals hier untergekommen sind.“

Unterstützung bekommt die Idee auch von der prominenten Karlumerin Astrid Damerow: „Es ist völlig klar, dass wir auf Dauer auch Flüchtlinge in ländliche Regionen bringen müssen“, so die CDU-Landtagsabgeordnete. „Dass die nordelbische Kirche Wohnraum für diese Menschen anbietet, halte ich für sehr richtig.“

Noch müssten einige handwerkliche Arbeiten verrichtet werden – aber dann könnte das über 115 Jahre alte Gebäude wieder zum Schutzraum für vertriebene Menschen werden. Dass es beim anhaltenden Flüchtlingsstrom in absehbarer Zeit dazu kommt, scheint sehr wahrscheinlich.

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