Flammschutzmittel sorgt für Unmut

Die Kügelchen finden sich in der Umgebung rund um die Lecker Grundschule.
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Die Kügelchen finden sich in der Umgebung rund um die Lecker Grundschule.

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05. Juli 2015, 18:17 Uhr

Die blauen Kügelchen sind klein, nur drei bis fünf Millimeter im Durchmesser. Groß ist jedoch das Ärgernis, das sie verursachen, denn Anwohner haben sich bereits mehrfach über die Plastikkugeln rund um die Lecker Grundschule an der Linde beschwert. Für Unmut sorgt dabei das, was in dem Granulat, das zur energetischen Sanierung von Gebäuden in Hohlräume geblasen wird, steckt. Denn derartige Wärmedämmstoffe auf der Grundlage von Styropor enthalten das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD). Ein Stoff, der in der Europäischen Chemikalienverordnung REACH als „besonders besorgniserregend“ eingestuft und nur noch bis August 2015 in Deutschland uneingeschränkt verwendet werden darf.

Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen der Schule sind die Kügelchen jedoch teilweise in die Umgebung gelangt. Durch den Wind weit verteilt, lagern sie mittlerweile in den Ecken des Pausenhofes sowie in den Beeten der dicht an der Schule gelegenen Einfamilienhäuser. Ein Anblick, der einige Hausbesitzer besorgt, denn laut Umwelt Bundesamt ist HBCD langlebig. Der Stoff kann in der Umwelt kaum abgebaut werden und reichert sich in den Lebewesen nach und nach an. In Fischen, Meeressäugern und Raubvögeln arktischer Regionen lässt sich heute schon HBCD nachweisen. In Tierversuchen wurde gezeigt, dass HBCD die Embryonal- und Säuglingsentwicklung stören kann. Bei Menschen ließ sich der Stoff bisher nur in geringen Spuren finden – unter anderem, weil es noch an Langzeitstudien mangelt.

Auswirkungen vom HBCD, die aber bei sachgemäßem Umgang mit dem Dämmgranulat nicht für Probleme sorgen könnten, betonen jedoch Experten der Baubranche. HBCD sei vollständig in Kunststoff eingebettet und daher ungefährlich. Laut Herstellerfirma der in Leck verwendeten Einblaßdämmung sei in „zahlreichen Untersuchungen belegt, dass HBCD aus Polystyrolhartschaum weder ausgegast noch ausgewaschen wird. So gehe von den Styroporkügelchen kein Risiko für den Mensch und die Umwelt aus. Was aber ist, wenn die Teilchen nicht sachgemäß lagern? Sie also nicht in Gebäudehohlräumen ruhen, sondern Wind und Sonnenlicht ausgesetzt sind? Eine Frage, die sich einige Bürger rund um die Schule stellen. Und eine Antwort bleibt aus, denn noch mangelt es an aktuellen Studien.

„Unabhängig davon, ob der Stoff nun schädlich ist oder nicht, muss er trotzdem beseitigt werden“, versichert Fachbereichsleiter Udo Schmäschke vom Bauamt im Amt Südtondern. Und verantwortlich dafür sei die Gemeinde Leck als Bauherr. So seien bereits mehrere Versuche unternommen worden, das umliegende Gelände zu reinigen. Aufgrund der geringen Größe sowie der Leichtigkeit des Styropors könnten die Kügelchen jedoch nur schwer aufgenommen werden. Schmäschke: „Deshalb werden noch Nachsäuberungen stattfinden müssen. Grundsätzlich gilt aber: Wer eine Schädigung verursacht, muss diese auch beseitigen.“

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