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Nach Hirninfarkten : „Finn lächelt ganz viel“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Nach mehreren Hirninfarkten ist der zweijährige Finn aus Leck erblindet und auf den Rollstuhl angewiesen. Seine Familie macht sich für ihn stark. Viel ist schon erreicht, aber ohne Hilfe aus der Bevölkerung geht es nicht.

shz.de von
erstellt am 11.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Leck | Finn ist erst zweieinhalb Jahre alt, hat aber schon viel geschafft. Das Wichtigste: Er hat sich ins Leben zurückgekämpft. „Finn ist mit einem Hydrocephalus zur Welt gekommen, auch Wasserkopf genannt“, berichtet seine Mutter Martina Schoof aus Leck. Zur Erklärung: In den natürlichen Hohlräumen des Gehirns wird eine Flüssigkeit erzeugt. Normalerweise fließt dieser „Liquor“ in die äußeren Hirnwasserräume und verteilt sich um das gesamte Rückenmark und das Gehirn, um schließlich wieder vom Blut aufgenommen zu werden. Bei Finn allerdings sind die Hohlräume erweitert, und das Abfluss-System funktioniert nicht selbstständig. Deshalb legten Ärzte eine Drainage von Finns Gehirn in den Bauchraum, auch Shunt genannt.

„Finn hat sich prima entwickelt, war sogar zwei Mal in der Woche in der Krippe“, berichtet seine Mutter. Im Mai dieses Jahres kam jedoch der Schock: Der Shunt funktionierte nicht mehr. „Alle Schutzreflexe haben bei Finn ausgesetzt, er konnt nicht mehr schlucken, nicht mehr husten, hatte mehrere Hirninfarkte“, berichtet die 29-Jährige. Es stand schlecht um Finn: „Er wäre beinahe gestorben. Aber er hat gekämpft – und es geschafft.“ Ende Juli stand fest: Finns Zustand bleibt stabil, er ist über den Berg.

Seit sieben Monaten begleitet Martina Schoof Finns Weg durch verschiedene Krankenhäuser. Derzeit sind beide in Geesthacht im Neurologischen Rehabilitationszentrum. Logopädie, Ergo-, Physio- oder Musik-Therapie: Fünf bis sechs Mal am Tag ist der Zweijährige in unterschiedlichen Reha-Behandlungen. Seine Mutter ist immer an seiner Seite, nur nachts nicht, da schläft sie im Gästehaus der Klinik.

„Wir haben viele Baustellen“, sagt Martina Schoof. Finn ist blind, wird über eine Magensonde ernährt und braucht manchmal Extra-Sauerstoff. Richtig sprechen kann der Zweijährige nicht – „aber er lautiert. Und er kann deutlich zeigen, dass er etwas nicht will“, berichtet seine Mutter. Laute Menschen zum Beispiel kann Finn gar nicht leiden. Musik hingegen mag er sehr, „besonders, wenn Kinder singen. Dann freut er sich richtig. Er lächelt sowieso sehr viel“. Jeder kleine Fortschritt bedeutet für Finns Eltern großes Glück. Martina Schoof ist während der gesamten Behandlung an der Seite des Zweijährigen, Vater Lars, der in der Woche in Kiel arbeitet, kommt am Wochenende in die Klinik nach Geesthacht. Dann ist die kleine Familie für ein paar Stunden komplett. „Wenn alles gut geht, werden wir Weihnachten zu Hause in Leck feiern. Darauf freue ich mich sehr“, sagt Martina Schoof. Sie ist zuversichtlich, dass Finn in absehbarer Zeit entlassen wird.

Aber dann warten neue Herausforderungen auf die Familie: Finn werde nie laufen können und sein Leben lang auf den Rollstuhl angewiesen sein, sagt seine Mutter. „Wir werden zur weiteren Behandlung immer wieder nach Hamburg in eine Spezialklinik fahren müssen.“ Diese Touren mit dem Zug zu bewältigen, sei mit großen Anstrengungen verbunden: „Finn wird immer schwerer, ich kann ihn nicht lange tragen. Außerdem müssen wir immer spezielle Geräte dabei haben.“ Deshalb wäre ein behindertengerechtes Fahrzeug eine große Erleichterung. „Am besten so eine Art Transporter oder Kleinbus, der Platz genug bietet, dass ein Rollstuhl einfach hineingefahren werden kann. Aber das können wir uns nicht mal eben so leisten“, sagt Martina Schoof leise. Eine Bekannte riet der jungen Frau, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen.

Wer der Familie – in welcher Form auch immer – helfen möchte, kann unter der E-Mail-Adresse Kontakt mit der Familie Schoof aufnehmen. „Wir sind dankbar für jede Unterstützung“, sagt Martina Schoof. Die Kontakt-Adresse lautet: Martina.Schoof@gmx.de.

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