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Finissage im Haizmann-Museum: Schüttbilder und zerrissene Hemden

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Museumsdirektor Dr. Uwe Haupenthal lud am Sonntagnachmittag zur spontanen Finissage ins Richard Haizmann-Museum. Wer nun einen Abgesang auf die Ausstellung erwartet hatte, sah sich getäuscht. Es wurde ein Lobpreisung des ausstellenden Künstlers Günter Zachariasen. Und das durchaus zu Recht. Denn der Sylter Künstler, der schon ewig in Südtondern wohnt, ist unterbewertet.

Spät, aber nicht zu spät, wurden jetzt zu Lebzeiten seine Frühwerke vorgestellt. Uwe Haupenthal erläuterte wortreich die Arbeitsweise des ehemaligen Bankers; führte aus, wie dieser über Schütt- und Collagentechnik zu seinen Monsterbildern gekommen ist. Der Künstler nahm die Würdigung gelassen entgegen, er freute sich über die Komplimente hinsichtlich seiner Malkunst. Günter Zachariasen ist ein Könner. Seine Arbeiten haben das Thema Natur auf eigene Weise verfremdet, zeigen Heimat im engeren Sinne. Das erschließt sich nicht sofort. So sieht man eine Erdansicht aus dem Jahre 1968/69, die wie eine Mondflugfotografie anmutet. Aber, weit gefehlt: Es handelt sich um einen Seeigel, den der Künstler am Ellenbogen fand. Ein Sylter Werk, mit Eitempera realisiert. „Eine kosmische Balance zwischen Fläche, Kugel und Raum“, wie Uwe Haupenthal manifestierte. Doch Kunst ist nicht so leicht: In vielen Arbeitsgängen sind seine frühen Monotypien entstanden. Danach die collagierten Monotypien. Dafür wurden Hemden zerrissen, man sieht textile Elemente im Werk. „Doch, da habe ich mit dem Pinsel eingegriffen“, gestand Günter Zachariasen. „Das ist kein reines Schüttbild.“ Die vergossene Farbe wurde strukturiert, absichtlich. Der Direktor zeigte sich begeistert:„Brillanz und Sicherheit, die sprachlos machen“, sagte Uwe Haupenthal – der Künstler lächelte und ging in den nächsten Raum, der die Weiterentwicklung dokumentiert. Hier kommt die Farbe als neues Element ins Spiel; die Nähe zur Wirklichkeit. Und doch bleibt der Zufall ein wichtiger Faktor. „Denn Zufälligkeit gibt es nicht“ sagte der Kunstexperte bei der Bildanalyse. Und: „Auch Max Ernst hätte seine Freude gehabt.“ Ein Exkurs in die Romantik wird ebenso gestattet, wie Zwischenfragen; der Künstler nahm alles mit Humor und Gelassenheit. So erklärt sich auf profane Weise die Entstehung seiner Monsterbilder, die Uwe Haupetnhal wiederum ausführlich deutete und erläuterte. „Ich war in einer Umbruchphase“, so Günter Zachariasen. „Ich wollte weg von Sylt und raus aus der Ehe.“ In dem im Buchhandel zu erwerbenden Katalog gibt es noch weitere Erläuterungen zum Werk des nordfriesischen Künstlers, der deutschlandweit gefragt ist.



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