Stimmen in Südtondern : Finanzkrise lässt keinen kalt

'Uns sind die Hände gebunden', stellen Marga und Ralf Ketelsen aus Fulda (früher Leck) fest. Foto: jok
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"Uns sind die Hände gebunden", stellen Marga und Ralf Ketelsen aus Fulda (früher Leck) fest. Foto: jok

Die Regierung verbürgt sich für die Sicherheit der Sparkonten - doch das kollektive Aufatmen ist nicht zu hören. Wir fragten Passanten in Leck und Niebüll, ob sie sich betroffen fühlen und wie sie auf die weltweite Finanzkrise reagieren. Ihr Rat: Besonnenheit.

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08. Oktober 2008, 07:01 Uhr

Südtondern | Zur Bank rennen und das Guthaben dem Sparstumpf anvertrauen, ist für kaum einen der Befragten eine Alternative. Zumal die negativen Folgen eines solchen Handelns unabsehbar wären, wie mehrere der Befragten zu bedenken gaben.
Marga und Ralf Ketelsen, 69 und 71 Jahre alt, glauben zwar an die Sicherheit des Gesparten, bangen aber dennoch um ihr Geld. Das Ehepaar aus Fulda, früher wohnhaft in Leck, fühlt sich von der Bankenkrise ganz persönlich betroffen. Reagieren können die Ketelsens nicht, auch wenn sie es wollten: "Uns sind die Hände gebunden. Unser Geld ist fest angelegt."
"Indirekt betrifft es alle"

Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die Sparer beruhigt, erstaunt Maren Brauer (49) aus Riesbriek und Marlies Schäfer (64) aus Süderlügum nicht: "Sie muss ja Mut machen und darf keine Panik schüren!" Spontan vergleicht Marlies Schäfer Merkels Aussage mit dem Versprechen ihres Vor-Vorgängers Helmut Kohl: "Nach dem Mauerfall 1989 hatte er ,blühende Gärten für alle in Aussicht gestellt. Darauf warten wir noch heute." Indirekt seien alle Menschen von der Finanzkrise betroffen, meint sie weiter: "Die Wirtschaft kommt ins Schleudern und das fällt natürlich wieder auf die kleinen Leute zurück."

"Abwarten, nichts überstürzen!" Maren Brauer will andere vor panischen Reaktionen bewahren. Man müsse überlegen, vielleicht investieren, Immobilien kaufen...
"...dann trifft es wieder die kleinen Leute"

"Im Moment ist unser Geld noch sicher", sagt Maike Voss aus Leck. Die 43-Jährige warnt davor, die Bankkonten leer zu räumen: "Dann haben wir ein echtes Problem!" Sich nicht "wild" machen zu lassen hielt auch Uwe Stenzeleit (64) für wichtig. "Ich glaube, das Geld ist bei den Banken sicher. Man soll das nicht so eng sehen." Der Lecker will aber dennoch aufpassen und die Entwicklung verfolgen. Eine andere Meinung vertritt Susan Duschek: "Wer gibt uns die Garantie, dass unser Erspartes bei den Banken sicher ist?" Die 30-jährige Mutter aus Leck überlegt derzeit stark, das Guthaben vom Konto einzulösen und empört sich: "Wenn hier etwas schief geht, trifft es mal wieder die kleinen Leute, die ihr hart erarbeitetes Geld mühevoll gespart haben!"

Günther Sothmann (67) lässt sich von der Panik an der Börse nicht aus der Ruhe bringen. Er hat volles Vertrauen in seine Bank. Sein Geld hat er angelegt. "Ich bin sicher, dass es auch sicher ist." Thea Paulsen (56) macht sich schon so ihre Gedanken: "Ich will hoffen, dass das bisschen, das ich habe, sicher bleibt. Sie will sich bei ihrer Bank erkundigen, wie sie sich verhalten soll.
"Was da oben gelaufen ist, hat mich entsetzt"

"Wie kann es angehen, was die Bankmanager angerichtet haben?" fragt Hans Heinrich Kruse und bei dieser Frage schwingt eine gehörige Portion Unverständnis mit. "Ich will hoffen, dass mein Geld davon unberührt bleibt. Der Politik traue ich nicht", meint der 68-Jährige.

"Als Mittelständler kann ich nur dazu raten, Ruhe zu bewahren", meint Christian Andresen (50). "Ich bin allerdings fassungslos über das, was im Finanzwesen passiert ist. Vor Ort vertraue ich aber meiner Bank." Klaus Moritzen (65) hat sein Geld "breit gestreut angelegt"."Als ehemaliger Banker habe ich volles Vertrauen in mein örtliches Geldinstitut. Was da oben gelaufen ist, hat mich allerdings entsetzt."

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