Entscheidung gegen Leck : Finanzamt: Leck ist aus dem Rennen

Husum soll neuer Hauptstandort für das Finanzamt Nordfriesland werden / Die Enttäuschung in Leck ist entsprechend groß

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04. März 2014, 00:00 Uhr

Gerade noch sprach Bürgervorsteher Andreas Deidert von guten Chancen, die er sich für die Gemeinde Leck als zukünftigen Hauptsitz des Finanzamts Nordfrieslands ausmalte. Umso größer ist nun die Bestürzung über die Entscheidung aus Kiel, doch Husum den Vorrang zu lassen. „Mit dieser Entscheidung zeigt sich, wie wenig sachliche Fakten Einfluss auf politische Entscheidungen haben. Hier wird der ländliche Raum entscheidend geschwächt und ein Konversion-Standort noch zusätzlich benachteiligt“, ärgert sich Deidert. „Ein Jahr harte Arbeit hat nichts gebracht.“

Ähnlich sieht dies Lecks Bürgermeister Rüdiger Skule-Langbehn: „Erst will man uns den Flugplatz nicht geben und dann soll auch das Finanzamt abgezogen werden – das können wir so nicht stehen lassen.“ Auch Lecks stellvertretender Bürgermeister Ingo Scholz zeigt sich enttäuscht. „Die Glaubwürdigkeit der Landesregierung ist ein weiteres Mal in Frage gestellt. Die Entscheidung ist ein verheerendes Signal.“ Im Handels- und Gewerbeverband wird die Nachricht aus Kiel ebenfalls als schwere Niederlage gewertet: „Diese Entscheidung muss ich erst einmal verdauen. Ich bin sehr enttäuscht“, sagt Sven Lück, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins. Leck sei schon genug gebeutelt in der Vergangenheit. Gerade in dieser strukturschwachen Region habe das äußerst negative Auswirkungen in den nächsten Jahren. „Die jungen Leute gehen weg, weil sie hier keine Zukunftsperspektiven mehr sehen.“

Auch in den Fraktionen ist die Meldung wie eine Bombe eingeschlagen: „Ich bin schockiert – auch wenn zunächst eine Außenstelle des Finanzamtes in Leck bleiben soll“, empört sich Norbert Thomsen, SSW-Fraktionsvorsitzender. Husum bekomme alles zugeschustert, obwohl in diesem Falle Leck die besseren Karten gehabt habe. „Das Finanzministerium hat eindeutig nicht nach den vorliegenden Fakten gehandelt.“ Enttäuscht sei er ebenfalls von den Regierungsmitgliedern des SSW, betonte Thomsen.

„Das halte ich für eine riesengroße Sauerei“, pflichtet Klaus Schmidt, UWL-Fraktionsvorsitzender, Thomsen bei. „Für diese Entscheidung habe ich kein Verständnis.“ Er bemängelt, dass man eine Arbeitsgruppe eingerichtet hatte, die von vornherein in Richtung Husum tendierte. Weiterhin habe der Fragen-Katalog eindeutig bewiesen: „Leck lag vorn.“ Auch in den Reihen der SPD-Fraktion ist die Enttäuschung spürbar. „Wir haben gekämpft und gute Argumente für Leck vorgebracht. Ich bin enttäuscht, dass die Entscheidung so ausgefallen ist“, sagt Manfred Wiemer, SPD-Fraktionsvorsitzender. Man habe alle Voraussetzung für einen Standort in Leck geschaffen. Seiner Einschätzung nach sei diese Lösung nur eine Hinhaltetaktik.

Die 135 Finanzamt-Mitarbeiter vor Ort müssen nun mit der neuen Standortwahl leben. Eine von ihnen ist Angela Kaminski, die seit 40 Jahren im Lecker Amt arbeitet. „Ich hoffe nun natürlich, dass ich zu den 80 Personen gehöre, die vorerst hierbleiben“, sagt sie. „Andernfalls kann ich meinen Garten in Ladelund grün anmalen, denn für ihn werde ich sonst Dank der Fahrerei nach Husum nicht mehr viel Zeit haben.“ Für die Mitarbeiterin war die Entscheidung der Landespolitiker dennoch keine große Überraschung. „Wer wählt denn schon Leck?“, fragt sich Angela Kaminski fast schon resigniert.

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