Arbeitsplätze in Gefahr : Finanzamt Leck: Geballte Wut über „Wortbruch“

Demonstration und Diskussion: Lecks Bürger machen sich für den Verbleib des Finanzamts stark.
Demonstration und Diskussion: Lecks Bürger machen sich für den Verbleib des Finanzamts stark.

Mehr als 300 Teilnehmer demonstrieren für das Finanzamt in Leck. Morgen findet die nächste Kundgebung in Tönning statt. Anfang März kam die Entscheidung aus dem Finanzministerium, den Hauptsitz von Leck in die nordfriesische Kreisstadt Husum zu verlegen.

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24. März 2014, 07:00 Uhr

Leck | Ohne Krawatte kam Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn: „Mein Hals ist sooo dick, die passte nicht mehr!“ Einen „dicken Hals“ hatten auch die mehr als 300 Demonstranten, die mit ihrem Kommen Solidarität bekundeten gegen die Entscheidung des Finanzministeriums, Husum zum Hauptstandort für das Finanzamt zu machen und in Leck abzuziehen.

„Wortbruch“ prangte es in großen Lettern auf den hochgehaltenen Schildern und brachte genau das auf den Punkt, was Demonstranten wie Redner der Landesregierung ankreiden: Absichtserklärungen, Kommunen, die zugleich Konversionsstandorte sind, und betroffene Regionen nicht mit der Schließung oder Verkleinerung von Landesbehörden zu belasten, werden nicht eingehalten. Im Gegenteil: Anfang März kam die Entscheidung aus dem Finanzministerium, den Hauptsitz von Leck in die nordfriesische Kreisstadt zu verlegen, wo sich derzeit die Außenstelle befindet. Nicht vor 2019 sollen 35 der momentanen 135 Arbeitsplätze nach Husum verlagert werden, danach bleiben etwa 80 Beschäftigte in Leck. Wie lange noch, ist unklar.

Die Geschichte des Finanzamtes in Leck hatte Bürgervorsteher Andreas Deidert eigentlich optimistisch gestimmt: „Es sah für Leck gut aus!“ Das blieb auch nach dem einjährigen Einsatz der Arbeitsgruppe so: „In aller Bescheidenheit kann man sagen, dass unsere Pläne um rund zwei Millionen Euro günstiger als die Husumer Modelle waren!“ Unverständnis galt der Entscheidung. „Sachlichkeit, Transparenz, Stärkung des ländlichen Raumes, Berücksichtigung der Bundeswehrreform – nichts wurde gehalten!“, legte der Bürgervorsteher nach. „Sie sind wortbrüchig geworden, stoppen Sie diese Farce“, warf er den Verantwortlichen in Kiel vor und forderte: „Reißen Sie das Ruder rum, noch ist Zeit!“

In seiner leidenschaftlichen Rede ließ ebenfalls Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn keinen Zweifel daran, dass man auf jeden Fall weiter für den Ort und die Region kämpfen werde. „Wir fühlen uns wie an einem Nasenring durch unser Dorf und durch Südtondern geführt. Man hat uns verschaukelt. Alles, wofür man gestritten, was man gewichtet und abgewogen habe, sei „für die Katz’ gewesen“.

Mit Beispielen führte Langbehn vor Augen, wie „gebeutelt“ Leck bereits sei und jetzt erneut von „Mutter Land“ bestraft werde mit einer Entscheidung, die nicht nachvollziehbar sei und die die gesamte Region betreffe. „Die Landesregierung verspricht nur, tut aber nichts gegen Arbeitslosigkeit und Verarmung?“, fragte sich der Bürgermeister. Man verfalle im Unterzentrum Leck immer mehr in ein soziales Ungleichgewicht, listete er die Einwohner-Struktur auf. Es gelte, der Abwanderung junger Menschen mit hohem Entwicklungspotential entgegenzusteuern.

Ansonsten bewege sich die Spirale dauerhaft nach unten, die Zunahme der Armut in Leck und Südtondern werde ohne neue Arbeitsplätze und ohne Menschen weiter beschleunigt. „Wir fordern den Ministerpräsidenten und die Landesregierung auf, mit uns den fairen Dialog für eine Zukunft zu führen! Wir fordern eine gerechte Bewertung und Revision in der Entscheidung!“, appellierte Langbehn.

„Es tut mir unheimlich weh, wie die Vertreter der Gemeinde Leck nach einem langen Kampf die Prügel einstecken und sich unterwerfen müssen, was von oben von vornherein geplant war“, rief Amtsvorsteher Peter Ewaldsen in die Menge. Bissig merkte er an, dass die neue Regierung nach Erfolgen trachtet nach dem Motto: Schnell, zackig und falsch. Das sei ihr gelungen. „Die Region Südtondern kann sich nicht gefallen lassen, sich so in die Knochen treten zu lassen.“

Gegenwind blies dem SSW-Landesvorsitzenden, Lars Harms, in Gesicht. Seine Erklärungsversuche wurden teilweise mit lauten Buh-Rufen und Pfiffen kommentiert. Seinen Ausführungen zum Verbleib von 90 Arbeitsplätzen nach 2019 sahen die Zuhörer als unglaubwürdig an, wofür er sich dann auch laute Schelte einhandelte.

Ihren Unmut äußerte auch CDU-Landtagsabgeordnete Astrid Damerow: „Was hat man mit der Region vor? Soll das ein umzäuntes Naturschutzgebiet werden, in dem wir uns dreimal täglich füttern lassen können?“ Die von der Landesregierung versprochene Transparenz und Berücksichtigung der kommunalen Belange in der Entscheidungsfindung sei nicht erfolgt – eben weil die Entscheidung von Anfang an festgestanden habe. Als Sprecher der in Leck Beschäftigten gab Birger Schmidt zu bedenken: „Eine Konzentration am Standort Leck ist die sparsamste, weil angesichts der Pensionierungswelle und des geplanten Personalabbaus auf zirka 180 Finanzamts-Mitarbeiter eine Unterbringung im Rathaus und dem bisherigen Hauptgebäude des Finanzamtes ohne Anbau oder Neubau möglich ist.“

Am morgigen Dienstag, 25. März, werden die Bürger der Region aufgerufen, an einer weiteren Demo vor dem Wattforum in Tönning teilzunehmen, weil dort das Landeskabinett tagt. Für die kostenlose Busfahrt werden Anmeldungen unter Telefon 04662/8181 bis heute, 11 Uhr, angenommen.

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