SHMF in Niebüll : Fiddlemusik mit Gute-Laune-Garantie

Das Ensemble bot Musik aus England, Schottland, Finnland, Schweden, aus den USA und von der kanadischen Kap-Breton-Insel.
Foto:
1 von 2
Das Ensemble bot Musik aus England, Schottland, Finnland, Schweden, aus den USA und von der kanadischen Kap-Breton-Insel.

Standing Ovations gab es im Rahmen des Schleswig-Holstein Musikfestivals für „Harald Haugaard & Friends“ in der Christuskirche.

shz.de von
31. Juli 2015, 07:00 Uhr

Fiddlemusik erfreut sich auch in Nordfriesland größter Beliebtheit – das beweist die Tatsache, dass das Konzert des internationalen Ensembles „Harald Haugaard & Friends“ in der Christus-Kirche restlos ausverkauft war und von Musikfreunden aller Altersgruppen wahrgenommen wurde. Die Musiker begeisterten – und wurden dafür vom Publikum belohnt.

Leider bekamen die Konzertgänger die Namen der Mitwirkenden und die Titel der dargebotenen Beiträge nicht schriftlich an die Hand, sodass sich die Zuhörer ganz auf die in deutscher, englischer und dänischer Sprache erfolgten Ansagen konzentrieren mussten. So war zu entnehmen, dass es sich bei den fröhlich und äußerst engagiert musizierenden, zum Teil auch improvisierenden „Fiddle Masters“ nicht um ein festes Ensemble, sondern um das Dozentenkollegium eines von Harald Haugaard 2011 in Breklum ins Leben gerufenen Projektes handelt. Die Gruppe gab in Niebüll ihr erstes öffentliches Konzert. Es wurde von insgesamt neun Musikern bestritten: dem dänischen Folkmusik-Star Harald Haugaard (Fiddle, Leitung und Moderation), seiner als „Folkprinzessin“ bekannten Ehefrau Helene Blum (Gesang, Fiddle und Klavier), den Fiddle-Virtuosen Dawn Beaton, Lykke Søndergaard, Pete Cooper, Kevin Henderson und Hanneke Cassel-Block sowie dem Gitarristen Anti Järvelä (Gitarre) und dem Cellisten Leo Svensson.

Bevor der erste Ton erklang, hieß Pastor Dr. Winter die Musiker und deren Publikum im Namen der gastgebenden Kirchengemeinde willkommen und trug drei Zitate bedeutender Persönlichkeiten zum Wesen der Musik vor, darunter: „In der Musik hat Gott die Erinnerung an das verlorene Paradies hinterlassen“ (Hildegard von Bingen). Wie richtig die Aussage der mittelalterlichen Mystikerin ist, zeigte die Schönheit der Konzertbeiträge, die überwiegend vor guter Laune nur so strotzten, zum Teil aber auch nachdenklich stimmten und nahezu sakrale Züge aufwiesen. Die meisten „Lieder“ begannen mit einem Fiddle-Solo oder -Duo, dem sich nach und nach die übrigen Instrumente anschlossen und die Besetzung bis zum „Tutti“ erweiterten. Für die Freunde klassischer Musik war es interessant zu erleben, auf wie verschiedene Weise man die Violine – fast ohne jegliches Vibrato – spielen kann, welch ungewöhnliche Bogentechnik angewandt wird und wie spielerisch leicht sich die Interpretation der Tunes und Turns gestaltet. Auffällig waren auch die abrupten Wechsel der Tempi und Rhythmen: vom ruhigen, andächtigen Vortrag zum rasanten, vom Stampfen der Füße und diversen Percussions unterstützten Tanz. Die „Savage Hornpipe“ erklang im Kontrast zu Tänzen wie „Jig“, „Reel“, Polka, „Waltz“ oder „Polonaise“.

Als Hommage an den berühmten Komponisten Carl Nielsen erinnerten an diesen in musikalisch besonders anspruchsvoller Weise Helene Blum, ihr Mann und der beide – nach Art eines Basso continuo – begleitende Cellist Leo Svensson. Helene Blum und Harald Haugaard erzählten durch anrührenden Gesang, der von der Fiddle und dem Klavier begleitet wurde, und einfühlsame Fiddle-Begleitung ein zu Herzen gehendes Märchen von Hans-Christian Andersen. Mit viel Ruhe und Andacht trugen Hanneke Cassel-Block, der Gitarrist Antti Järvelä und der Cellist Leo Svensson den sakral anmutenden, choralähnlichen Satz „Lukas’ Tune“ und die hochsensible Fantasie „Walden Pound“ vor. Mit einer stürmischen „Rummelquadrille“ brachte das gesamte Team sein Publikum schließlich dermaßen in Stimmung, dass sich dieses per „Standing Ovations“ noch zwei Zugaben erklatschte.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen