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Nordfriesland Tageblatt

21. Oktober 2017 | 15:19 Uhr

Faszinierend – und fast vergessen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

shz.de von
erstellt am 15.Jan.2014 | 18:17 Uhr

Zwar war die russische Malerin Marianne von Werefkin eine der zentralen Gestalten der Künstlervereinigung „Blaue Reiter“, die eine führende Bedeutung für den Expressionismus hat. Der Bekanntheitsgrad dieser faszinierenden Künstlerin (1860 bis 1938) ist heute jedoch nur von bescheidenem Ausmaß. Sie wurde daher in die Gruppe der „Vergessenen Malerinnen“ eingereiht, die von der Kulturstation „Zollhäuser“ mit einer Vortragsreihe gewürdigt werden.

Ellen Ellrodt-Schmähl stellte die Malerin zusammen mit ihrem Mann, dem emeritierten Professor der Wirtschaftswissenschaften Winfried Schmähl vor. Die Lehrerin aus Berlin lebt noch nicht lange in Niebüll. Der Zufall führte sie mit den beiden Leiterinnen der Kulturstation, Barbara Schmidt-Tychsen und Ellen Nord, zusammen.

Die Zuhörer erfuhren viel über Marianne von Werefkin, die einer alten, sehr wohlhabenden, russischen Adelsfamilie entstammte. Am 11. September 1860 erblickte sie als Marianna Wladimirowna Werefkina in Tula das Licht der Welt. Ihr malerisches Talent wurde schon früh erkannt und gefördert. Kein Geringerer als Ilja Repin lehrte sie die Kunst des Zeichnens und Malens. Ihre Biografie weist sie als eine sehr selbstbewusste, sehr geistreiche Frau aus, die mit dem von ihr protegierten und zu Ruhm gelangten Maler Alexej Jawlensky schicksalhaft verbunden war.


Expressionistisches Sammelbecken


Männer der damaligen Zeit gestanden Frauen kein Schöpfertum zu. Marianne von Werefkin gab ihre Malerei womöglich deshalb zeitweise auf, um Jawlensky zu unterrichten. Sie hasste ihn, sie liebte ihn, er aber nicht sie. Geheiratet hat der als Frauenverführer bekannte verarmte Adelige, nachdem Werefkina ihr Vermögen verloren hatte, das gemeinsame Zimmermädchen, mit dem er bereits vor der Ehe einen Sohn gezeugt hatte.

1896 gehen die beiden Künstler nach München. Dort unterhält die Russin einen Salon, der als expressionistisches Sammelbecken der fortschrittlichen künstlerischen Kräfte mit engster internationaler Verflechtung von sich reden macht. Hier treffen sich Künstler und Intellektuelle wie unter anderem Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Franz Marc, Wladimir von Bechtejeff und Heinrich Campendonk. Es entsteht ein neues Kunstverständnis, das als Synthese des äußeren und inneren Bildes verstanden wird. Sie zeichnet auch das Lebenswerk von Marianne von Werefkin aus. Die Vision einer Einheit von Mensch, Natur und Schöpfung wurde durch die 1911 in München gegründete Künstlergruppe „Blaue Reiter“ zur Grundlage der modernen Kunst, die, wie kunstbeflissene Zeitgenossen gern behaupten, „allein imstande ist, mit ihrer Haltung gegenüber der Realität der äußeren Natur eine märchenhafte Pracht hervorzubringen“.

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