Orkan Christian II : Faszination Sturm

Wind und Wetter verhelfen Dagebüll auch überregional zu Popularität

shz.de von
10. Januar 2015, 05:00 Uhr

Kaum, dass heftiger Sturm angesagt ist, rücken sie wieder an: Kamerateams und Fotografen aus ganz Deutschland versuchen auf der Dagebüller Mole, das Getobe in Bildern und kurzen Filmsequenzen für die Presseagenturen und Nachrichtensender festzuhalten. Denn dass es an der Nordsee meist besonders heftig weht, ist bekannt. Und der Weg zum guten Foto ist dort recht bequem, mit dem Pressewagen geht es direkt rauf auf die Hafenmole, mittenrein in den Sturm.

Aber auch bei sogenannten Spottern genießt die kleine Gemeinde bei ungewöhnlichem Wetter einen guten Ruf. „Dagebüll kennt man natürlich wegen der Berichterstattung und aus Fotogruppen aus dem Internet. Der Wellenschlag gegen den Fähranlager ist hier einmalig“, sagt Hobbyfotograf Patrick Leube. Er und Kollege Michael Jochimsen sind gestern beispielsweise aus Flensburg gekommen, um den Sturm zu fokussieren. 300 Fotos haben sie in rund anderthalb Stunden geschossen. „Irgendein gutes Motiv wird schon dabei sein“, sagt Leube, der die Bilder dann im Internet präsentiert.

Die Naturgewalten faszinieren auch die 20 amerikanischen Studenten, die allesamt zum ersten Mal in Deutschland sind und in Dagebüll geradezu heftig begrüßt wurden. „Ich habe noch nie so einen Sturm erlebt“, gibt der angehende Soziologe Aaron Busch nach einem kurzen Deichspaziergang zu. Und auch Kommilitonin Mona Maiteng (20) hat der Orkan überrascht: „Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten.“ Während ihrer dreiwöchigen Rundreise, die die Studenten des Luther College in Iowa in den nächsten Tagen auch noch nach Oslo führen wird, wollen sich die Amerikaner über nachhaltige Energiegewinnung informieren. Für Professor Craig R. Mosher ist die Region Südtondern deswegen besonders lehrreich: „Hier können wir lernen, wie ganze Kommunen von Energiegewinnung durch Windkraft profitieren – das gibt es nur sehr selten.“ Gestern verewigten die Studenten ihre Erfahrungen an der Sturmfront schließlich noch mit der Künstlerin Ingrid Steding mit Tusche auf Papier. „Die Studenten haben sich im Vorfeld auch mit dem Schimmelreiter beschäftigt, um zu erfahren, wie die Landschaft durch den Deichbau zusammengewachsen ist“, sagt Steding. Der Sturmtag und die Literatur flössen damit zusammen. Fazit des stürmischen Zwischenstopps in Dagebüll: „Wir kennen zwar Tornados in Iowa, aber das hier ist schon etwas Besonderes“, so Professor Craig R. Mosher.  

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