„Fall Böse“ lässt Charlottenhof erbeben

arndt_prenzel
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Von Jungspund bis Rentner: Mit ihrem Rock’n’Roll-Blues-Punk-Mix brachte die Hamburger Band ihr Publikum in Klanxbüll zum Tanzen

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30. Juli 2015, 11:20 Uhr

Wenn die Hamburger Tanzband „Der Fall Böse“ mit ihrem Rock’n’Roll-Blues-Punk-Mix naht, ist der Charlottenhof ausverkauft. „Ist ein Selbstgänger“, kommentierte die Ehrenamt-Crew trocken am Eingang angesichts des Andrangs am Mittwochabend. Viele Feriengäste, Fans aus Hamburg, junge Spontan-Besucher, Stammgäste aus Südtondern und Sylter Musikkenner standen gut gelaunt in der Schlange.

Ein ungewöhnliches Publikum, alt und jung aus allen nur denkbaren Landesteilen, mit höchst unterschiedlichem Outfit, teils vom Leben gezeichnet, teils vom Urlaub gebräunt. Einig waren sich alle im Bedürfnis, die Musik, die Band und auch sich selbst zu feiern. Mit nicht nachlassendem Elan wurde eine Tanzparty der besonderen Art gefeiert. Ein Revival: Denn man kannte sich natürlich von vergangenen Auftritten. Der Handwerker aus Niebüll rockte in erster Reihe neben der wild tätowierten Freundin des Gitarristen, der fröhliche Rentner aus Niebüll fand seinen jungen Tanzpartner mit Onkel-T-Shirt.

Sänger Burns brüllte sein „Klaaaaanxbüll, schön wieder hier zu sein!“, ehe das Rennen losging. Mit dabei, wie auch beim letzten Konzert, die kleine Tochter des Schlagzeugers Faust, der von Föhr rübergekommen war. „Ich bin halber Insulaner, wir machen gerade Urlaub!“ Entspannt saß die Kleine hinten in Blickweite zum trommelnden Papa auf der Bühne. Sie fand den Auftritt genauso klasse wie die Damen-Gang aus Risum-Lindholm, die diesmal mehr im Hintergrund stand. Vorn waren die Senioren in Überzahl, währen die Jüngeren im Mittelfeld des Tanzbodens ihre Chance suchten.

Geboten wurde die beliebte, mitreißende Mixtur aus Hiphop und Soul, Punk und Rock. Mitsingen gehört zum Programm; mit Wettbewerb Damen gegen Herren. Die Frauen waren im Vorteil – eindeutig. „Du bist so lecker, ich bin hier der Checker – du bist hier die Beute, ich bin das Alphatier!“ wurde ironiefrei zelebriert. Zwei neue Songs belegten die Kontinuität der Gruppe, die bewusst ihrem Stil treu bleibt: „Öffnet die Tore“ und „Mathilda“. „Ist heute Nacht um drei Uhr erst fertig geworden!“ behauptete Burns, der sich mit Keyboarder Lesley immer wieder Scherz- und Gesangsduelle lieferte. Nicht alles durfte man ihm glauben. Die Äußerung „Ich trinke nicht mehr“ bezog sich eindeutig nur auf die Menge des Alkohols.

Bedenken über die Gesundheit der Akteure musste man nicht haben; diese musizierten nicht nur in Topform an den Instrumenten, sondern sprangen auch beim letzten Song wie die sporterprobten Zehnkämpfer dem Ruf des Hiphop folgend synchron in die Höhe – und das Publikum gleich hinterher.

Am Ende des Abends lagen die Musiker folgerichtig erschöpft auf dem Boden der Bühne, während die Besucher schweißnass nach den Getränken griffen oder mit der Liebsten das Weite suchten. Zeit zum Knutschen wie in der Pause war nun nicht mehr. Die Band, die ganze Arbeit geleistet hatte, stand auf, widmete sich den Fans und erledigte noch souverän den Plattenverkauf.

„Nächstes Jahr sind wir wieder dabei“, diese Nachricht wurde am Ende des Abends mit jubelnder Begeisterung als Verpflichtung für 2016 in die Herzen aufgenommen.


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