zur Navigation springen

Integration : „Fair geht vor“ – in allen Bereichen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ehrungen, Lob für ein gelungenes Fest zum 125-Jährigen und langwierige Wahlen: Beim Jahrestreffen des MTV Leck gab es Licht und Schatten

shz.de von
erstellt am 20.Mär.2015 | 05:00 Uhr

Diese Jahresversammlung sei anders als die vielen Versammlungen vorher – „sie findet im Jahr eins nach dem 125-jährigen Jubiläum des MTV Leck von 1889 statt“, sagte Hans Peter Feddersen, seit 31 Jahren Vorsitzender des größten Vereins. Dennoch wird an einer Tradition nicht gerüttelt: Die Ehrungen finden stets am Anfang des Jahrestreffens statt.„Das ist einer der schönsten Punkte, hier können wir Dank sagen an Sportler und Menschen im Hintergrund, die sich für den Verein einsetzen“, so Feddersen.

Die silberne Ehrennadel des Vereins erhielten Peter Friedrichsen und Inge Brandts, die auch noch als Sportlerin des Jahres ausgezeichnet wurde. Die Leichtathletin sei in ihrer Altersklasse im 100-Kilometer-Lauf Deutsche Meisterin geworden: „Das schaffe ich ja nicht mal mit dem Fahrrad, großes Kompliment“, lobte der Vereinsvorsitzende. Obendrein bekam die Sportlerin noch die Bestennadel des Deutschen Leichtathletikverbands an das Revers geheftet.

Die Ehrennadel in Gold erhielten Regina Heinrich, die seit 20 Jahren den Fußballnachwuchs der G-Jugend betreut, und Rainer Ohlhöft, der als Kassenwart der Fußballsparte Hervorragendes geleistet habe, führte Feddersen aus. Die Mannschaft des Jahres wurden die „Lecker Deerns“, erfolgreiche Thriathletinnen. Die Sportler-Familie des Jahres bilden Kerstin, Dirk und Finn Seemann, einen Extra-Blumen-Gruß des Vorsitzenden gab es für Dietlinde Gutbrodt.

Im Rückblick des Vereinsvorsitzenden standen klar die Jubiläumsfeierlichkeiten mit dem offiziellen Festkommers im Mittelpunkt: „Alles war positiv, war gelungen und verdient große Anerkennung und Respekt. Danke für den Einsatz und die Hilfe für den MTV Leck, unsere Heimat des Sports in Leck – ihr wart Spitze“, sagte Feddersen und lobte auch besonders die Jubiläumsausstellung.

Negative Anklänge gab es jedoch ebenfalls: Ein Verein wie der MTV Leck könne nur gemeinsam geleitet werden. „Selbstverständlich gehören auch Streit und unterschiedliche Bewertungen zum Vereinsleben – aber bei aller Auseinandersetzung muss es am Ende das Ziel sein, nicht persönliche Wünsche zu befriedigen, sondern schlicht und einfach dem Gemeinwohl zu dienen“, sagte Feddersen, ohne Namen zu nennen und erinnerte an die Botschaft „Fair geht vor“.

Lobende Worte fand der Vorsitzende wiederum für die 2014 gegründete Spielgemeinschaft Jugendhandball von TSV Süderlügum und Umgebung, Frisia 03 Risum-Lindholm und MTV Leck, vor allem mit Blick auf den demografischen Wandel auf den Dörfern. Ebenfalls gern dachte der Vorsitzende an das Projekt unter Leitung von Dietlinde und Karl-Heinz Gutbrodt zurück, mehr als 20 Menschen mit Mehrfachbehinderungen zum Deutschen Sportabzeichen verholfen zu haben. Der MTV wurde dafür bei einem Wettbewerb mit dem 3. Preis ausgezeichnet.

Neben Inklusion ist auch Integration Vereins-Thema. Mit der Zuweisung von Flüchtlingen nach Leck und Umgebung kämen neue Aufgaben auf den Verein zu. Diese wolle man gerne annehmen, stoße aber an personelle und finanzielle Grenzen. „Sport im Verein ist der größte Integrationshelfer, wir wissen das und stellen uns auch der Aufgabe trotz allergrößter finanzieller Probleme für den Verein.“

Auf die Finanzen ging Kassenwart Joachim Wiebeke näher ein: Der schon in den Vorjahren festgestellte Mitgliederrückgang habe sich 2014 fortgesetzt. „Während wir 2004 noch einen Bestand von zirka 1900 Mitgliedern aufweisen konnten, ist dieser innerhalb von zehn Jahren um rund 500 Mitglieder gefallen.“ Dieser stetige Rückgang habe sich auch negativ auf die finanzielle Situation des Vereins ausgewirkt.

In Zahlen ausgedrückt: Am Ende des Kassenberichts steht ein Minus von 7802 Euro. Der Fehlbetrag sei insbesondere auf in den fehlenden Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen sowie dem fehlenden Erlös aus der Hallenbewirtschaftung zu begründen. Es würden noch Gespräche mit der Gemeinde Leck auf Übernahme des Fehlbetrags geführt, erläuterte Wiebeke.

Langwierig gestaltete sich der Prozess der Wahlen; abstimmen musste die Versammlung zunächst über zwei gleichberechtigte stellvertretende Vorsitzende. Zur Wahl stellten sich die beiden bisherigen Amtsinhaber Harald Eis und Jörg Hollmer sowie überraschend Gerd Lange als dritter Kandidat. Nach zeitaufwendigen Diskussionen über das richtige Abstimm-Verfahren waren am Ende die meisten Wahlberechtigten für Jörg Hollmer und Gerd Lange, der laut eigener Aussage als Erzieher auch Erfahrungen mit Menschen mit Behinderung sowie „Integration und Inklusion“ hat, was ja genau das Ziel des Vereins sei.

Diskussionsbedarf gab es auch bei der Wahl zum Hauptsportwart – dieser Posten ist seit Langem unbesetzt. Der frisch aus dem Vorstand geschiedene Harald Eis, der auch Leiter der Schachsparte ist, erklärte sich bereit, einzuspringen. Allerdings wurden daraufhin Bedenken aus der Versammlung geäußert, dass ein Spartenleiter nicht gleichzeitig Hauptsportwart sein solle. Andere sprachen sich wiederum dafür aus, den Posten endlich wieder zu besetzen und sahen keinen Interessenskonflikt.

Ein Stimmungsbild per Handzeichen der Versammlung ergab, dass eine knappe Mehrheit keine Probleme damit hat, wenn ein Hauptsportwart gleichzeitig eine Sparte leitet. Hans Peter Feddersen versprach, das Thema im Ältestenrat zu besprechen, es gebe die Möglichkeit, den Hauptsportwart dann nachträglich zu berufen. Der Posten des Jugendwarts blieb ebenfalls bis auf weiteres unbesetzt, weil sich niemand zur Wahl stellte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen