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„Hans-Momsen-Haus“-Stein : Fahretoft: Schrift in Steinplatte gibt Rätsel auf

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Besondere Entdeckung: Archäologe begutachtet die Rückseite des gerade erst enthüllten „Hans-Momsen-Haus“-Steins.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2015 | 05:00 Uhr

Fahretoft | Ein Stein, der am 11. Juli dieses Jahres auf der Fahretofter Gabrielswarft enthüllt wurde und den Namen „Hans-Momsen-Haus“ trägt, erzählt ein Stück Dorf- und Deichgeschichte. Hans-Werner Paulsen, Initiator des Projekts Momsen-Haus und Vorsitzender der Hans-Momsen-Gesellschaft, enthüllte die Steinplatte zusammen mit der Verlegerwitwe Friede Springer und Dr. Helmut Sydow, ehemals Referent für das Museumswesen in der Kieler Staatskanzlei (wir berichteten).

Kurz zuvor entdeckte Paulsen auf der Rückseite der Steinplatte aber auch eingemeißelte Strukturen in Form von Schriftzeichen und figürlichen Darstellungen. Die Steinplatte wurde daraufhin umgekippt und gereinigt, sodass die Darstellungen etwas deutlicher zu erkennen sind. Jetzt soll Prof. Dr. Jürgen Newig, Vorsitzender der Archäologischen Gesellschaft Schleswig-Holstein, auf Bitte der Hans-Momsen-Gesellschaft versuchen zu klären, was die in den Stein gemeißelten Zeichen bedeuten.

Hans Werner Paulsen hat vorab schon mal recherchiert, was es mit diesem stummen Zeugen auf sich haben könnte und fand eine Reihe von Daten, Fakten und Zahlen aus der Geschichte Fahretofts und der Nahregion heraus. Seinen Vermutungen nach soll der Stein aus einer katholischen Kirche stammen, die holländische Deichbauer auf dem Marien- und heutigen Holländerdeich errichtet hatten.

Am Bau des Bottschlotter Werks (1632-1648) waren 5500 holländische Arbeiter beschäftigt. Die Obrigkeit erlaubte ihnen, 1634 eine eigene katholische Kirche zu bauen. Den Interessenten wurde durch königlichen Erlass Religionsfreiheit gewährt, um den in Holland üblichen kirchlichen Bräuchen nachgehen zu können. Nach einem „Wetter Gottes“, bei dem die evangelische Kirche abbrannte, zog der dänische König die Erlaubnis zurück und ordnete 1642 die Schließung der katholischen Kirche an. Die Kapelle diente bis 1678 als Lagerhaus des Gutes Bottschlott und wurde dann abgebrochen. Auf dem Platz wurde das Herrenhaus des Gutes Bottschlott errichtet – und zwar hinter der Sparkasse wo jetzt zwei Wohngebäude stehen und vorher ein 1953 abgebrannter Kaufmannsladen.

Vom Abbruch der katholischen Kapelle gibt es stumme Zeugen. Unter anderen sind es einige mit Ornamenten verzierte Balken und Dachsparren, die zum Bau eines Hauses in Fahretoft verwendet wurden. Außerdem gehören drei Steinplatten dazu, die nach Vermutung Paulsens zum Altar der Kirche gehörten. Die Platte am Momsen-Haus wurde 1974 zur Hans-Momsen-Schule gebracht. Eine weitere Platte (mit Inschrift) brachte eine Fahretofter zum Friedhof und stellte sie an den Glockenturm, von wo sie jedoch entwendet wurde. Auf der dritten Platte befand sich nichts. Die Steinplatte am Hans-Momsen-Haus wollen Heimatverein und Momsen-Gesellschaft jetzt auf einen Sockel stellen, sodass beide Seiten zu sehen sein werden.

Was Hans Werner Paulsen herausfand, ist auch in Otto Fischers Abhandlung „Landgewinnung und Landerhaltung in Schleswig-Holstein“ nachzulesen. Darin steht beschrieben, dass zu dem aufwendigen Bottschlotter Werk um möglichst viele Partizipanten geworben wurde, um die Finanzierung zu sichern. Auch war in den Aufzeichnungen die Erwähnung der katholischen Kirche vergessen worden. Außerdem wurde im Zusammenhang mit dem Kirchenbau auf dem Mariendeich (Holländerdeich) erwähnt, dass sich die Partizipanten die Religionsfreiheit wiederholt bestätigen ließen. Man darf gespannt sein, was Professor Newig noch herausfindet. Während der Bauarbeiten im Momsen-Haus sei ihm, wie Hans-Werner Paulsen berichtet, in der Kirche auch der Sockelstein unter der Kanzel aufgefallen. Er habe erkannt, dass dieser Stein von der ersten Fahretofter Kirche stamme, die 1362 unterging. Und das wäre eine noch ältere Geschichte, die ein Stein erzählt. Hans-Werner Paulsen: „Wir finden immer wieder etwas Neues.“

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