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Bürgerbusse in Südtondern : Fahrerteam sucht Verstärkung

Die Bürgerbusse in Ladelund sind in acht Gemeinden unverzichtbar geworden – ehrenamtliche Chauffeure gesucht.


von  Dorte Arendt

Der Bürgerbus in Ladelund bleibt ein echtes Erfolgsmodell: „Wir steuern rasant auf den 50  000. Fahrgast zu“, sagt Heike Prechel, Vorsitzende des Bürgerbus-Vereins Ladelund. Viele Fahrgäste (rund 80 pro Tag) sind das eine – ein großer Pool von ehrenamtlichen Fahrern das andere. Und generell hat Heike Prechel durchaus noch die eine oder andere Schicht hinter dem Lenkrad anzubieten. „Krankheits- und urlaubsbedingt wird es manchmal ein wenig schwierig, den Einsatzplan zu füllen“, sagt die Vorsitzende und schiebt sofort hinterher: „Es gelingt zwar immer, weil unser Fahrerteam sehr bereitwillig im Notfall auch zusätzliche Einsatzzeiten übernimmt. Aber wir möchten das auf Dauer nicht zu sehr beanspruchen.“

Neue Fahrer sind also jederzeit willkommen: „Wer schon immer gerne Busfahrer werden wollte, hat bei uns die Gelegenheit dazu und das kostenlos – ein Busführerschein ist sehr teuer“, wirbt Heike Prechel für einen ehrenamtlichen Einsatz. Und die Dankbarkeit der Fahrgäste sei ein schöne Dreingabe zur guten Tat. Das werde in vielen Äußerungen oder sogar Briefen deutlich: „Ein herzliches Dankeschön den Busfahrern und -fahrerinnen, die ein wenig Lebensglück schenken“, stand etwa in einem Gruß an den Verein geschrieben.

Derzeit lenken 23 Fahrer und 12 Fahrerinnen den Bürgerbus – oder besser einen der Bürgerbusse. Denn inzwischen sind täglich drei Fahrzeuge im Einsatz; zwei Busse mit jeweils acht Sitzplätzen, darunter je ein Platz für Rollstuhlfahrer, zum Fuhrpark gehört zudem der „Mini-Bürgerbus“. Mit diesem E-Mobil werden Fahrgäste aus kleinen Nachbargemeinden abgeholt (und dorthin wieder zurückgebracht) sowie auf wenig nachgefragten Strecken als Anrufbus die Bürgerbusse ersetzt. „Um Fahrer im Bürgerbus zu werden, braucht man zunächst einen Führerschein und mindestens zwei Stunden Zeit pro Woche oder alle 14 Tage“, erläutert die Vereinsvorsitzende weiter. Eine Altersbegrenzung gibt es nicht, zum Team im gehören Ehrenamtliche im Alter zwischen 37 und 76 Jahren – die Jüngste ist 37 Jahre und der Älteste 76 Jahre alt.

Notwendig ist ein Personenbeförderungsschein, dafür müssen die Freiwillgen bereits zwei Jahre einen Führerschein haben und sich einer Gesundheitsüberprüfung unterziehen. „Die Erlaubnis ist fünf Jahre gültig, alle Kosten übernimmt der Bürgerbus-Verein. Dafür wird mindestens ein Jahr Fahrdienst erwartet“, so Prechel. Gefahren wird von Montag bis Freitag, vormittags von 6.40 Uhr bis zirka 11 Uhr und nachmittags von zirka 14 Uhr bis 17.30 Uhr.

„Jeder entscheidet selbst über seine Einsatzzeiten“, betont Heike Prechel. Im Abstand von meistens sechs Wochen gebe es Fahrertreffen zum Besprechen der Dienstpläne – „wer nicht kommen kann, gibt seine Wunschtermine vorher durch.“ Neulinge hinter dem Bürgerbus-Steuer erhalten eine sorgfältige Einarbeitung, lernen Fahrzeug, Haltestellen und Fahrstrecken ausührlich kennen, erhalten eine Tarifschulung „und alles, was sonst noch dazu gehört.“ Start- und Endpunkt des Linienverkehrs ist Ladelund, Anfahrtskosten zu den Einsatzzeiten werden erstattet mit 30 Cent pro Entfernungskilometer.

Unter dem Motto „Bürger fahren für Bürger“ sind seit Juli 2014 freiwillige Fahrer im Einsatz. Der Bürgerbus fährt im Auftrag der Autokraft und nennt sich selbst nicht ohne Stolz – „richtig ein kleines Verkehrsunternehmen“. Denn der Bürgerbus macht vieles für die Einwohner der ländlichen Gemeinden um Ladelund Gemeinden möglich, indem er sie verbindet.

Er bringt Kinder zum Spielen zu Freunden, Auszubildende zur Arbeit, Schüler früher nach Hause, Senioren selbstbestimmt zum Einkaufen, alle Altersgruppen zum Arzt, zu Behörden oder zur Freizeitgestaltung – und macht die Nutzer auch ohne ein eigenes Auto mobil. „In Leck am ZOB ist immer sehr zeitnah ein Umsteigen in die Schnellbusse nach Niebüll und Flensburg möglich.“ Die Vereinsvorsitzende lobt zudem die „sehr bereitwillige Unterstützung“ durch Werbepartner aus unserer Region und die beteiligten acht Gemeinden Achtrup, Bramstedtlund, Karlum, Ladelund, Leck, Sprakebüll, Süderlügum und Westre.

Heike Prechel: „Das Allerwichtigste und somit die Grundvoraussetzung für einen BürgerBus sind allerdings Menschen, die bereit sind, ein wenig Zeit am Steuer des Bürgerbusses zu verbringen. Wer etwas für andere tun möchten, gerne das Gefühl hätte, wirklich gebraucht zu werden – der oder die ist bei uns richtig.“ Mehr Infos gibt es unter Telefon 04666/989742 (von 6.30 bis 18 Uhr täglich erreichbar) oder per E-Mail an info@buergerbus-ladelund.de.





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