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Majestätische Greifvögel : Experten rätseln über Langenberger Seeadler

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Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Experten geben Seeadler im Langenberger Forst Rätsel auf. Größte Gefahren für die Tiere sind Windräder und bleihaltige Munition. Nach Schätzungen von Experten gibt es im Kreis Nordfriesland fünf Seeadlerpärchen.

In der Försterei Langenberg gibt ein Seeadlerpärchen den örtlichen Fachleuten derzeit Rätsel auf. Obwohl die majestätischen Tiere regelmäßig dabei beobachtet werden, wie sie ihre weiten Runden über dem Waldstück ziehen, ist  nicht bekannt, ob die Vögel sich hier auch bereits häuslich eingerichtet haben –  bisher konnten weder Förster noch Ornithologen den Horst der Seeadler entdecken. „Sicher ist, dass die Tiere kontinuierlich da sind“, berichtet Förster Jörn-Hinrich Frank.  Er ist sich auch  sicher, dass das Pärchen noch nicht gebrütet hat. „Ansonsten hätte man beobachtet, dass sie  Reisig oder Knüppel zusammentragen. Ein Einfamilienhaus lässt sich ja auch nicht an einem Tag bauen.“

Dass die Greifvögel  aber langfristig im Langenberger Forst heimisch werden und sich vor allen Dingen fortpflanzen, darauf hofft auch der Ornithologe und Naturkundler Dr. Walther Petersen-Andresen: „Momentan gibt es in Nordfriesland vier brütende Pärchen. Mit dem Duo aus Langenberg wären es dann fünf.“ Die Seeadler verteilen sich dabei auf  Gotteskoogsee, Drelsdorf, Katinger Watt und Friedrichstadt. „Die Zahl von fünf Vogel-Pärchen mag gering klingen“, räumt  Ingo Ludwichowski, Geschäftsführer des Naturschutzbund Schleswig-Holstein, ein. Er erinnert aber auch daran, dass „der Nachkriegsbestand an Seeadlern teilweise ganz weg war“. Mittlerweile sei die Population stabil, was auch zu einer Herabstufung der Gefährdung der Vögel geführt habe, so Ludwichowski. Trotzdem bleibt der Seeadler gefährdet: „Im Laufe der Evolution haben die Tiere gelernt, dass der Luftraum ihnen gehört. Auf Windkraftanlagen konnten sie sich nicht einstellen.“ Es sei daher gut, dass in einem Drei-Kilometer-Radius keine Windräder errichtet werden dürften,  findet  der Nabu-Geschäftsführer.

Das größte Problem für die geschützten Greifvögel sind  dabei nicht die rotierenden  Windfänger – am gefährlichsten st  für Seeadler bleihaltige Munition: „Die Haupttodesursache ist die Bleivergiftung“, weiß Biologe Walther Petersen-Andresen.  Angeschossenes Wild, das später von den Adlern gerissen werde, übertrage das giftige Metall auf die Tiere. „Die Vögel haben eine starke Magensäure, die das Blei schnell zersetzt.“ Kurze Zeit später komme es dann zu der tödlichen Vergiftung.  Und auch hier sind bereits Gegenmaßnahmen getroffen worden. So darf in Landesforsten gar keine bleihaltige Munition mehr verschossen werden.

Damit die Seeadler, die zu den größten Greifvögeln Mitteleuropas gehören, auch weiterhin über Südtondern kreisen können, empfehlen die Fachleute besonders eines: Ruhe. „Am besten man lässt  die Tiere einfach in Frieden und verursacht ihnen keinen Stress. Besonders wenn sie im Frühjahr brüten.“

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erstellt am 31.Jan.2014 | 05:00 Uhr

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