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Markt, Milch, Meinung : Experte: Milchwirtschaft wird wachsen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Kieler Agrarökonom sagt starkes Wachstum des Milchexports voraus

von
erstellt am 09.Okt.2015 | 05:00 Uhr

Der Blick auf den eigenen Kontoauszug bereitet vielen Milchbauern derzeit schlaflose Nächte. Der Grund: Der Preis für ihr Produkt ist im Keller. Im September bekamen die Landwirte von den Meiereien nur rund 25 Cent (netto) pro Kilo Milch ausgezahlt. Und damit deutlich zu wenig, um die laufenden Kosten ihrer Betriebe zu decken, so die Sorge der betroffenen Milchviehbauern.

Dass es in dieser Situation aber auch Grund für Optimismus gibt, bewies am Mittwoch der Wissenschaftler Dr. Torsten Hemme in der Niebüller Stadthalle. Über 300 Gäste waren der Einladung der VR Bank Niebüll gefolgt und bekamen einen informativen Abend rund um globale Milchpreisbildung, zukünftige Absatzmärkte und ehrliche Worte zu den Chancen der Milchviehhaltung in Schleswig-Holstein geboten. „Was Sie momentan erleiden, das erleiden andere auch – und sind dabei schlechter dran“, sagte Referent Torsten Hemme, Direktor des IFCN Dairy Research Network, zur Milchpreis- und Kostenentwicklung mit Blick auf die Situation von Milchviehbetrieben im weltweiten Vergleich. Ob in China, Neuseeland oder Deutschland – überall müssten sich die Milchproduzenten den Schwankungen der Milch- und Futterpreise stellen. Hier wie dort gelte: „Immer wenn sich der Milchpreis dem Futterpreis nähert, dann haben wir ein Problem“, analysierte der Agrarökonom aus Kiel die aktuellen Margen.

Der aktuellen Preiskrise zum Trotz habe Schleswig-Holstein im weltweiten Gefüge der Milchwirtschaft keinen schlechten Stand. Die umfangreiche Datensammlung des IFCN Dairy Research Network beweist dies: „Norddeutschland ist in den letzten Jahren immer wettbewerbsfähiger geworden.“ Hemme wagte die Prognose, dass die EU bis zum Jahr 2025 mehr Milch exportieren werde als der bisherige Milchexportweltmeister Neuseeland. An diesem Wachstum werde auch der Norden Deutschlands seinen Anteil haben. Die aktuelle Krise sei daher nicht strukturell, sondern konjunkturell bedingt.

Neben der Unsicherheit durch geringe Margen bedrückt die Bauern auch der Wegfall der Milchquote, die 31 Jahre für Preisstabilität sorgen sollte. Während einer anschließenden Podiumsdiskussion mit Experten und Praktikern gab es hierzu deutliche Worte: „Die Milchquote hat dem Markt geschadet – sie war ein süßes Gift“, waren Gregor Veauthier, Chefredakteur „Elite“, VR Bank-Vorstand Torsten Jensen und Nicolai Wree vom Bauernverband SH einer Meinung. „Die Quote war wie ein Beamtenstatus in der Milchviehhaltung, der nötige Investitionen verhindert hat“, spitzte Journalist Veauthier zu. Thies Paulsen, Milchviehhalter aus Drelsdorf, sah eine Existenz ohne Quote erst einmal gelassen: „Noch spüre ich das nicht. Für viele Kollegen gilt sicher auch ,Augen zu und durch‘.“

Weiteres Sorgenkind neben Milchpreis und Quotenwegfall sei die Landwirtschaft in den Medien, zählte VR Bank-Moderator Steffen Rothe auf. „Die Milchwirtschaft ist kommunikativ in der Defensive – das ist selbstverschuldet“, konstatierte Torsten Hemme. Diese Einschätzung stützte auch der Milchviehhalter Thies Paulsen: „Wenn wir Tag der offenen Tür haben, dann kommen 90 Prozent Landwirte.“
 

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