Orkanwarnung : „Es wird sehr sehr lebhaft“

Heute soll Orkan Christian die Region mit Windböen bis zur Stärke 12 erreichen

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09. Januar 2015, 05:00 Uhr

Als Orkan Christian im Oktober 2013 über Nordeuropa brauste, hinterließ das Nordatlantiktief auch in Südtondern bleibende Spuren. Familie Nissen aus dem Osewoldterkoog in Dagebüll braucht nur aus dem Fenster schauen und hat die Zerstörung des Orkans noch heute vor Augen. „Unsere Nachbarin hat damals beobachtet, wie sich das Dach des Schuppens immer heftiger bewegte – schließlich flog es einfach weg“, erinnert sich Ralf Nissen. Im Anschluss konnte die Familie die Reste des Flug-Schuppens auf den angrenzenden Feldern einsammeln. Jetzt nimmt ein Orkantief mit dem Namen Christian wieder Kurs auf die Region: Die Nissens nehmen diese Orkanwarnung nicht zuletzt wegen ihrem Sturmschaden ernst und sichern Garten und Gebäude so gut es geht.

Dass der Orkan allerdings wieder mit derart brachialer Gewalt über Südtondern hereinbricht wie im Herbst 2013, bezweifelt der Niebüller Hobby-Meteorologe Gerd Müller: „Die Windgeschwindigkeiten von 140 bis 160 Stundenkilometern werden diesmal ziemlich sicher nicht erreicht – es wird dafür trotzdem sehr sehr lebhaft.“ Demnach erreicht heute das zweite von drei Randtiefs die Region. „Elon“ soll tagsüber mit Böen von 10 bis 11 und direkt an der Küste möglicherweise auch mit 12 Windstärken zu spüren sein. Bevor mit Randtief „Felix“ dann am Sonnabend, 10. Januar, das echte „Highlight“ auf Südtondern zukommt, soll es laut Müller in der Nacht eine kleine Verschnaufpause geben. Ab Mittag wird der Wind dann wieder merklich zunehmen: „Das Randtief, das sich auf dem Weg zu südnorwegischen Küste befindet, wird Böen bis zu 12 Windstärken mit sich bringen“, schätzt er. Ungewöhnlich sei dabei, dass Felix intensive Warmluft heranschaufeln werde. So könnte die Temperatur zwischenzeitlich auf 8 bis 10 Grad Celsius steigen. Danach wechselt das Wetter dann schlagartig: „Gegen Abend wird die Temperatur abstürzen und es kann sogar Schneeregen geben – möglicherweise ist der Sonntagmorgen dann kurzzeitig weiss.“ Wie die Sturmflut konkret aussehen werde, lasse sich noch nicht abschätzen, so Müller. „Bei den unterschiedlichen Wetterdiensten blinken aber die roten Leuchten – die Randtiefs sind da nahezu unkalkulierbar.“

Im Osewoldterkoog bleibt die sechsköpfige Familie Nissen derweil gelassen: „Wir werden Zuhause bleiben und abwarten, was passiert“, sagt Ralf Nissen. Der 47-Jährige ist auf dem Hof aufgewachsen und Sturm gewohnt. Vorbei die Zeiten, als die Bewohner des Kooges bei Stürmen die wichtigsten Dokumente bereitlegten, um notfalls flüchten zu können. Auch Stromausfall ist bei diesem Wetter nicht mehr die Regel. „Sachschaden ist ersetzbar“, sagt Nissen mit Blick auf seinen rasierten Schuppen. „Wichtig ist nur, dass niemand zu Schaden kommt.“  

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