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Fahrprüfung in Südtondern : „Es kommen mehr arabische Fahranfänger zu uns“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

In Südtondern nutzen fast alle Fahrschüler aus dem fremden Kulturkreis die in ihrer Sprache verfassten Prüfungsbögen.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2017 | 11:36 Uhr

Für Menschen aus dem entsprechenden Kulturkreis, die ihre praktische und theoretische Führerscheinprüfung bestehen müssen, gibt es mittlerweile Unterrichtsmaterial sowie Prüfungsbögen auf Hocharabisch. Laut des TÜV Nord wurden im vergangenen Jahr in der Nord-Ostsee-Region 1400 Fahrprüfungen in einer Fremdsprache abgenommen, 700 davon auf hocharabisch. Für Südtondern hatte der TÜV keine Zahlen vorliegen.

Aber: „Gefühlt nehmen fast hundert Prozent der arabisch sprechenden Fahrschüler das neue Angebot an“, gibt der Pressesprecher vom Kreis Nordfriesland, Hans-Martin Slopianka, die Beobachtung der zuständigen Behörde weiter. Auch wenn diese bereits in ihrer alten Heimat einen Führerschein hatten, fangen sie hier von vorne an. Denn eine Fahr-Lizenz aus einem Nicht-EU-Land muss binnen eines halbes Jahres umgeschrieben werden. Fahrstunden sind dafür nicht nötig, aber die theoretische und praktische Prüfung.

Die ansteigende Zahl der arabisch sprechenden Schüler wird von den Fahrschulen in Südtondern ganz unterschiedlich wahrgenommen. So hat Heiner Hansen aus Niebüll beobachtet: „Ein leichter Anstieg ist zu merken, aber es hält sich bei mir noch alles in Grenzen.“

Tom Gonnsen von der Fahrschule Höpner erzählt hingegen: „Seit einem Jahr kommen deutlich häufiger arabische Fahranfänger zu uns.“ Viele Syrer seien unter ihnen. Dadurch werde der Unterricht viel umfangreicher, die sprachlichen Barrieren seien deutlich zu spüren. „Gerade im Straßenverkehr werden Begriffe benutzt, die normal nicht sprachgebräuchlich sind“, sagt der Fahrschulleiter. Hinzu käme das unterschiedliche Verkehrsverständnis: „In Syrien gilt oft das Recht des Stärkeren. Rote Ampeln sind eher Empfehlungen und selbst ,rechts vor links‘ ist neu für die Schüler.“ Generell fehle oft das Verständnis dafür, warum überhaupt ein Führerschein gemacht werden muss.

Den Schülern die Theorie auf Arabisch zu vermitteln, davon hält er nichts. „Sie müssen sich später auch auf Deutsch im Straßenverkehr verständigen.“ Für den Notfall hat Gonnsen aber eine Bürokraft, die arabisch spricht. Es seien Flüchtlinge da, die ihren Führerschein umschreiben lassen beziehungsweise machen wollen, hat auch Mike Sommer beobachtet. „Der Andrang ist aber nicht so groß, dass ich einen neuen Fahrlehrer einstellen müsste“, sagt der Betreiber der Fahrschule Cordsen. Seitdem die Fahrprüfung auch auf Hocharabisch abgelegt werden kann, hätten etwa zehn Schüler das Angebot angenommen. Die anderen werden auf Deutsch oder Englisch geprüft.

„Das sind Fahrschüler wie alle anderen auch“, ist Sommer überzeugt. In den Herkunftsländern sei das Verkehrssystem ganz anders. „Also müssen wir ihnen unseres erklären“, so der Fahrlehrer. „Wir nehmen die neuen Fahrschüler gerne auf. Es ist dennoch bemerkbar, dass der Theorie-Unterricht stockender vorangeht“, hat Stephan Schubert beobachtet. Aufgrund der sprachlichen Differenzen trennt seine Schule in Leck die Fahranfänger nun nach Sprachkenntnissen. Und auch die Fahrstunden finden in Gruppen von zwei bis drei Schülern statt. Die Vermittlung von Theorie und Praxis dauert vielleicht etwas länger.

Die späteren Autofahrer unterscheiden sich aber nicht von anderssprachigen, betont Gonnsen. „Und das Endprodukt zählt: sicher fahrende Verkehrsteilnehmer.“

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