Finanzamt Nordfriesland : Es ist dann mal weg?

Lecks Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn beklagt die Informationspolitik des Finanzministeriums

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16. Februar 2013, 09:03 Uhr

Leck | Eine Kampfpose sieht anders aus. Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn verzichtet auf imposante Gesten wie eine geballte Faust, wenn er über den drohenden Abzug des Finanzamts Nordfriesland spricht. Vielmehr betont er immer wieder, dass er keinesfalls in einen Wettstreit mit anderen Gemeinden trete. Er werbe nicht um weitere Arbeitsplätze, sondern lediglich um den Erhalt der bestehenden. Und nein, er werde an die ganze Sache mit Gefühl herangehen, statt mit der Brechstange.

Doch ob der Ort Leck will oder nicht, ein Konkurrenzkampf ist längst entbrannt. Seit das Ministerium sich entschloss, Nordfrieslands Finanzamtsstellen künftig an einem Standort zu bündeln, um Synergieeffekte zu nutzen und Kosten zu sparen (wir berichteten), werden vielerorts schon die Werbetrommeln gerührt. So stellte Husums Bürgermeister bereits klar, dass seine Stadt der ideale Standort sei. Derzeit beherbergt die Stormstadt eine Außenstelle des Finanzamts. Bredstedt wiederum ist aufgrund seiner zentralen Lage in der Mitte des mit seiner Inselwelt weitläufigen Kreises ebenfalls im Gespräch als möglicher neuer Standort.

Da sich nach der jüngsten Ministe r iumsentscheidung aber auch andere Gemeinden bewerben können, findet sich Leck nun in der Reihe der Buhlenden wieder. Mit einem Unterschied: Die anderen Mitstreiter haben nichts zu verlieren. Wer den Zuschlag erhält, gewinnt rundum. Nur für Leck, seit Jahrzehnten Sitz des Finanzamts, steht einiges auf dem Spiel.

Nicht verwunderlich, dass Langbehn kein Verständnis für die Entscheidung des Ministeriums hat, eine Arbeitsgruppe zu gründen, die einen Vorschlag für die dauerhafte Standortlösung erarbeiten soll. Warum überhaupt etwas ändern?, fragt sich der Bürgermeister und versucht, das Argument der Kostenersparnis durch eine Zusammenlegung des Finanzamts zu entkräften. "Wir haben genügend Platz im Ort. Passende Bauflächen für noch mehr Platz in zentraler Lage sind vorhanden", sagt er, ohne konkreter zu werden. Auch das Argument der Bündelung von Kompetenzen lässt Langbehn nicht gelten. Zunehmend werde auf elektronischen Datentransfer gesetzt, sodass in ein paar Jahren niemand mehr direkt zum Finanzamt fahren müsse. "Von daher spielen Distanzen bald keine Rolle mehr. Leck ist ein Luftkurort mit Charme, der alles bietet, was sich Familien wünschen. Wir haben ein gut entwickeltes Schulsystem. Wir liegen in zentraler Lage im nördlichen Mittelfeld", fasst Langbehn seine Argumente zusammen. "Wir erfüllen die Rahmenbedingungen und werden trotzdem alleingelassen."

Er bemängelt die Informationspolitik des Landes und beklagt, dass Leck als bisheriger Standort nicht in der Arbeitsgruppe vertreten ist. "Solche Entscheidungen machen deutlich, dass wir generell nicht die Beachtung finden, die wir verdient hätten. Verständlich, das Land muss sparen. Aber wir gehören ja auch zu denen, die nichts in die Suppe krümeln können."

Seit 2010 ist ein Abzug des Finanzamts aus Leck im Gespräch. Südtonderns Bürgermeister machten sich 2012 mit einer Petition dafür stark, dass Leck als Finanzamtstandort erhalten bleibt. Langbehn ist in Kontakt mit dem Ministerium. Erst kürzlich sprach er mit Finanzministerin Monika Heinold über die avisierte Bündelung der Finanzamtstellen. Eine Gesprächsrunde mit Vertretern verschiedener Bereiche aus dem Amt Südtondern fand Anfang dieser Woche im Lecker Rathaus statt. "Wir tun etwas. Wir organisieren uns. Auch wenn wir letztlich keinen Einfluss darauf haben, welcher Standort es wird." Entscheiden wird sich die beauftragte Arbeitsgruppe Ende 2013. Jede weitere Abwanderung aus Leck sei ein Negativsignal, so Langbehn. Doch aufgeben werde die Gemeinde nicht. Langbehn kämpft mit leisen Tönen. "Ich appelliere einfach an die Vernunft."

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