Bürgermeisterserie : „Es geht nicht ohne Ehrenamt“

Karl-Richard Nissen vor dem Sprakebüller Dörpsmobil, auch privat sind die Nissens schon auf ein E-Auto umgestiegen.
1 von 2
Karl-Richard Nissen vor dem Sprakebüller Dörpsmobil, auch privat sind die Nissens schon auf ein E-Auto umgestiegen.

In einer Interviewserie stellen wir alle 30 Gemeinden Südtonderns vor heute: Der Bürgermeister von Sprakebüll, Karl-Richard Nissen.

shz.de von
29. Dezember 2017, 03:11 Uhr

Sprakebüll | Herr Nissen, was macht Ihre Gemeinde so besonders? Warum sollte jeder nach Sprakebüll ziehen?

Wir möchten gerne so klein und beschaulich bleiben, wie wir sind. Sind aber offen für junge Leute, die hierher ziehen möchten. Unserer Gemeinde hat es sehr gut getan, dass wir immer mal wieder ein kleines Baugebiet ausgewiesen haben. Immer nur sechs bis sieben Grundstücken, passend zur Größe unseres Dorfes. Alles in Maßen. Unser neues Baugebiet mit zehn Grundstücken ist für die nächsten zehn Jahre angedacht. Das hat den Vorteil, dass die Leute sich dann viel besser in die Gemeinde integrieren. Fast alle, die hierher gezogen sind, sind in die Feuerwehr eingetreten und sie engagieren sich am Dorfleben. Die Feuerwehr organisiert das kulturelle Leben in der Gemeinde, beispielsweise das Sommerfest, Theateraufführungen, Radringstechen und vieles mehr.

Und wenn Sie sich nun festlegen müssten auf diese eine Besonderheit, die Sprakebüll ausmacht?

Dann ist das unsere sehr gute Dorfgemeinschaft. Wirklich alle beteiligen sich am Dorfleben, auch die jungen Leute. Zum Beispiel fand der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr, im Wiesengrund statt, dem letzten Baugebiet, das fertig geworden ist. Das sind jetzt die Jüngsten, die haben sich der Sache angenommen und in ihrer Straße den Weihnachtsmarkt ausgerichtet. Und da kommen dann alle dazu. Das ist ganz toll zu sehen.

Was muss unbedingt verändert oder auf den Weg gebracht werden?

Es gibt immer wieder neue Dinge. Wir sind ja jetzt dabei, den Kindergarten in Achtrup zu erneuern an den Kosten sind wir auch beteiligt.Ohnehin sind wir mit Achtrup eng verbandelt durch Kindergarten, Schule, Vereine und den gemeinsamen Dorfentwicklungsplan. Zum Beispiel planen wir einen Fahrradweg von Achtrup-Bahnhof bis zur Schule. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu Achtrup.

Wichtig, nicht nur für unsere Gemeinde, sondern die ganze Region, ist, dass das auf dem Lecker Flugplatz geplante Gewerbegebiet entsteht. Das wären wichtige Arbeitsplätze für die Region.

Wie ist die Altersstruktur in Sprakebüll und gibt es genügend Angebote und Möglichkeiten für die jeweiligen Altersgruppen?

Wir sind eine überdurchschnittlich junge Gemeinde, demografischer Wandel ist bei uns überhaupt kein Thema. Aber auch ältere Menschen leben hier gut, was man daran sieht, dass sie hier bleiben wollen. Wir profitieren da sehr stark vom Bürgerbus, der fährt zwei oder drei Mal am Tag über Sprakebüll. Das ist sehr toll für uns. Die Verbindung nach Leck ist sehr wichtig für uns. Naja, und dann haben wir jetzt ja unser Dörpsmobil, unser Elektroauto, was jeder nutzen kann.

Und wird das schon viel genutzt?

Ja, es fängt an. Wir sind ja erst am Beginn. Das Auto kann seit diesem Sommer genutzt werden. Das muss sich noch etablieren. Wir haben einen Verein gegründet, da muss man Mitglied sein und dann kann man das Auto buchen. Die Mitgliedschaft kostet 25 Euro einmalig und dann kostest die Stunde 2,50 Euro. Und wenn man dann noch Mitfahrer hat, dann kann man sich diese Kosten ja noch teilen. Aber es wird schon recht gut genutzt zum Beispiel zum Einkaufen.

Einen Moment oder eine Situation, bei der Sie denken: Darum bin ich Bürgermeister geworden.

Ich habe so ein bestimmtes Pflichtgefühl in mir. Es müssen sich Leute um die Sachen kümmern, wenn es weiter gehen soll. Mir liegt ganz stark am Herzen, dass unsere Gemeindestrukturen so erhalten bleiben, wie sie jetzt sind. Das war echt mal in Gefahr. Der SSW hatte ja mal vorgeschlagen, hier Großkommunen zu bilden. Da bin ich total dagegen, weil dann das ganze dörfliche ehrenamtliche System zusammenbricht. Es muss Leute geben, die sich kümmern, es geht nicht ohne Ehrenamt.

Wir hatten ja vor zehn Jahren die Ämterzusammenlegung – davor hatte ich erst ein wenig Angst, doch das klappt jetzt ganz hervorragend. Wir als kleine Gemeinde finden uns in der Verwaltung wieder. Die Zusammenarbeit funktioniert ganz hervorragend.

Sie machen das schon so lang, was motiviert Sie?

Ich bin so unglaublich dankbar, dass ich zu einer Generation zähle, der der Krieg erspart geblieben ist. Und ich habe das Gefühl, dass ich etwas zurückgeben muss. Das ist mein Bauchgefühl, mein Grundgefühl. Wir haben es so gut, da muss man auch was tun, das entsteht nicht von allein. Das Ehrenamt hat sowieso viel mit Dankbarkeit zu tun, das hat man ja auch bei der Flüchtlingskrise gesehen. Wie viele haben sich da ehrenamtlich engagiert und geholfen, das war so toll zu sehen.

Ich werde auch nochmal antreten, weil ich dieses Amt so spannend finde und es mir wirklich Spaß macht.

Was nervt Sie an der Kommunalpolitik am meisten?

Naja, das sind durchaus schon die längeren Wege, aber wir sind gerade dabei diese zu verkürzen, indem wir selbst anpacken.

Längere Wege heißt Bürokratie?

Ja, Bürokratie, Förderanträge auf den Weg bringen. Aber ansonsten nervt mich eigentlich nichts. Wir haben so viel auf den Weg gebracht. Und das alles relativ unkompliziert hinbekommen. Das Zusammenspiel mit der Verwaltung funktioniert gut. Wenn man ordentlich, ehrlich und offen miteinander umgeht, dann gibt das in der Regel keine Schwierigkeiten. Man gewöhnt sich auch mit der Zeit daran, dass alles ein wenig langsamer läuft als in der freien Wirtschaft.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen