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„Es darf nicht sein, dass Frauen jetzt zu Hause bleiben“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2016 | 00:36 Uhr

Südtonderns Gleichstellungsbeauftragte Sylke von Kamlah-Emmermann ist bestürzt über die Sex-Angriffe in deutschen Großstädten in der Silvesternacht.

Was haben Sie als Gleichstellungsbeauftragte gedacht, als Sie von den Massen-Übergriffen gehört haben?

Ich war völlig konsterniert, geschockt. Ein solches Verhalten ist vehement zurückzuweisen. Ich bin bestürzt; mit Blick darauf, was wir an Standards für Frauen und Männer im vergangenen Jahrhundert erreicht haben, sind diese Übergriffe ein dramatischer Rückschritt. Umso wichtiger erscheinen in diesem Licht die Maßnahmenkataloge für Menschen mit Migrationshintergrund in Bezug auf Kultur, Religion und Standards, die wir landesweit vor Weihnachten entwickelt haben und die zum Beispiel in Ersthilfeeinrichtungen vermittelt werden müssen.

Welche Konsequenzen sollten gezogen werden?

Für Frauen wie Männer gilt das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Das ist nicht verhandelbar. Körperliche Übergriffe müssen geächtet werden. Ich bin auch der Auffassung, dass bei belastbaren Beweisen für diese Taten das Bleiberecht verwirkt werden kann. Auch Menschen, die als Flüchtlinge hier Hilfe suchen, unterliegen dem deutschen Strafrecht. Es darf nicht die Konsequenz sein, dass Frauen jetzt zu Hause bleiben. Und es darf auch nicht sein, dass es Männer gibt, die sagen: „Jetzt kriegen sie gezeigt, wo es langgeht.“

Verhaltensregeln für Frauen wie die vieldiskutierte Armlänge Abstand – was halten Sie davon?

Grundsätzlich gibt es keine Veranlassung, unser Verhalten zu verändern. Die Armlänge Abstand halten wir eigentlich automatisch ein, wenn wir Menschen nicht näher kennen. Wenn ein Mann das wissentlich verletzt, will er Macht demonstrieren.

Glauben Sie, dass die Übergriffe Vorurteile schüren, zum Beispiel mit Blick auf die geplante Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Leck?

Schon jetzt habe ich Stimmen gehört, die Angst und Unbehagen bekundeten, abends allein in Leck unterwegs zu sein. Vorhandene Vorurteile könnten verstärkt werden, es kann zu einer Vermischung von Angst vor dem Fremden und Unsicherheit kommen. Dabei gibt es gute Ansätze in Familien mit gelungener Integration. Allerdings ist nun auch das Massenphänomen nicht von der Hand zu weisen – junge Männer voller Testosteron, die sich zusammenfinden und sagen: „Heute testen wir mal unsere Grenzen aus.“

Was sollte hier in Südtondern geschehen?

In Elmshorn gibt es eine junge Frau, die auf schlecht beleuchtete „Angstorte“ aufmerksam macht, darauf hat die Politik teilweise reagiert und die Beleuchtung verbessert. Das wünsche ich mir auch für Südtondern: mehr Licht für die Hauptwege und besonders schummrige Orte. Wer sich unsicher fühlt, sollte einen Selbstbehauptungskursus machen, Eltern ihre Kinder dafür anmelden. Wir dürfen unser Selbstbewusstsein nicht verlieren, Zurückweichen ist der falsche Weg.

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