Sanierung für 4 Millionen : „Es besteht kein konkretes Problem“

 Das Klärwerk muss für rund 4 Millionen Euro saniert werden – für die Gebührenzahler bedeutet das, pro Kubikmeter Abwasser 50 Cent mehr bezahlen zu müssen.
Das Klärwerk muss für rund 4 Millionen Euro saniert werden – für die Gebührenzahler bedeutet das, pro Kubikmeter Abwasser 50 Cent mehr bezahlen zu müssen.

„Tickende Zeitbombe“ war gestern – auf der Gemeindevertretersitzung rudern die Politiker in Bezug auf Lecks Klärwerk zurück.

shz.de von
03. August 2018, 06:00 Uhr

Wo müssen wir hin, welche Größe braucht die Gemeinde und welches Modell macht für Leck einen Sinn? Eine Studie zur Optimierung und Erweiterung der Kläranlage sollte Klarheit schaffen und beschäftigte die Gemeindevertreter auf ihrer jüngsten Sitzung. Sie entschieden sich, die Planung für zwei neue Belebungsbecken in runder Form und eine Nachklärung in Auftrag zu geben.

Im Infrastruktur- und Umweltausschuss hatte Martin Woltering vom Husumer Ingenieurbüro Ivers von einer „tickenden Zeitbombe“ gesprochen. Im Fokus seiner Bedenken stand das Belebungsbecken I sowie das in die Jahre gekommene Nachklärbecken. Die Politiker ruderten gegen diese Formulierung. „Es besteht kein konkretes Problem. Das Klärwerk ist nur an seine Kapazitätsgrenze gekommen. Leck wächst, also muss die Anlage erweitert werden“, sagte auch Bürgermeister Andreas Deidert. „Es läuft vermutlich nichts aus, kann auch nicht, weil das Grundwasser von unten gegendrückt!“, erklärte er. Wenn das Becken allerdings leergepumpt werde, treibe es eventuell hoch: „Das kann man nicht kontrollieren und man weiß auch nicht, ob die Bitumenschicht in Ordnung ist“. Auf die Nachfrage, warum jetzt alles so schnell gehen soll, gab es eine klare Antwort: „Wir hatten schon 2013 ein Baugrundgutachten in Auftrag gegeben“.

Einzig und allein die Tatsache, dass Leck wächst, macht eine Erweiterung des Klärwerks notwendig. Momentan ist die Anlage auf 12 500 Einwohnergleichwerten ausgelegt. Das reicht schon nicht für die aktuelle Einwohnerzahl von 8037. In absehbarer Zeit kommen noch Schmutzwassererzeuger aus dem neuen Wohngebiet Mühlenberg II, dem Heidering, vom Toffologelände, dem geplanten Gewerbegebiet auf dem Fliegerhorst, die Fäkalannahme aus dem Amtsgebiet sowie die Erweiterung des Gewerbegebiets Nord hinzu. In der Studie geht die Prognose von 9410 Einwohner bis 2030 aus. Deshalb wird die Erweiterung der Kläranlage auf 23 000 Einwohnergleichwerten als zukunftsfähig gesehen.

Die Studie wies fünf Modelle aus. Die Gemeindevertretung sprach sich für die Variante a 1 mit den günstigsten Herstellungskosten aus: In die konkrete Planung geht der Ausbau von zwei neuen runden Belebungsbecken sowie ein Nachklärbecken. Anschließend kann das Belebungsbecken I außer Betrieb genommen und rückgebaut werden. Das Belebungsbecken II wird weiter betrieben. Die Investition wird um 4 Millionen Euro liegen. Für die Gebührenzahler bedeutet das, pro Kubikmeter Abwasser 50 Cent mehr bezahlen zu müssen.



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