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Deezbüll : Erste Wohngruppe für das Haus-Komet

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Hilfe zur Selbsthilfe für Menschen mit Behinderungen: Drei junge Frauen gründen eine Wohngemeinschaft im Niebüller Osterweg

Mehrfach schwerstbehinderte Menschen bekommen im nächsten Jahr eine feste Bleibe. Die örtliche Haus Komet-gGmbH plant am Ulmenweg im Ortsteil Deezbüll den Bau des „Förder- und Fortbildungszentrums Haus Komet“. Die Pläne stehen bereits, die Anträge sind unterwegs. Weil es noch ein wenig dauert, bis das Bauvorhaben bezugsfertig ist, ist die Trägerin des Projekts der Zeit vorausgeeilt und hat für einige ihrer Klienten eine Wohngemeinschaft (WG) gegründet.

Menschen mit cerebral bedingten sensorischen und motorischen Mehrfachbehinderungen werden, wie es in der Fachsprache heißt, konduktiv gefördert. Aus dem lateinischen Verb „conducere“ (= zusammenführen) abgeleitet, beschreibt der Begriff eine intensive und gezielte Förderung für eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die fachliche Betreuung liegt in Händen der Diplom-Psychologin und Akademischen Mehrfachtherapie-Konduktorin Rebecca Albers.

Der Begriff „Komet“ ist das Kürzel für „konduktive Mehrfachtherapie“. Was im späteren Zentrum seinen künftigen Bewohnern an konduktiver Förderung zuteil wird, geschieht auch in der Wohngemeinschaft am Osterweg. Die Leitung der WG wurde Chantal Rehnke übertragen, die auch im Bürodienst der Haus-Komet-gGmbH tätig ist. Über die zielgerichtete Aufgabe hinaus ist die WG auch eine Entlastung für die Familien der Klienten.


Umrüstung des Hauses


Das Haus im Osterweg wurde Anfang September gefunden. Nach Zustimmung der Eltern der drei jungen Klientinnen wurde es vom Verein Komet angemietet – und an die drei Bewohnerinnen untervermietet. Vor dem Einzug wurde es den Erfordernissen entsprechend umgerüstet. Dabei halfen der Erlös einer Verlosung bei der jüngsten Niebüll-Messe und Eigenleistungen der Eltern. Unter anderem wurden vor dem Haus eine Rampe errichtet und in den Fluren Handläufe angebracht sowie Malerarbeiten erledigt.

Eingezogen sind Jenifer (29), Svenja (24) und Vivien (23), die tagsüber in der Sylter Werkstatt und im TSBW Husum beschäftigt sind oder eine Tagesbetreuung in Niebüll erhalten. Nach Feierabend sind sie „zu Hause“ in der WG. Die drei Frauen teilen sich ein Zwei- und ein Einbettzimmer.

In der WG ist für die jungen Frauen so gut es geht Selbsthilfe angesagt: beim Aufstehen, der Toilette, beim Anziehen sowie Frühstück und Abendbrot. Das Mittagessen wird am Arbeitsort eingenommen oder im Falle Jenifers von einem Service geliefert. Zwischen Feierabend und Schlafengehen entwickeln die Bewohnerinnen Eigenaktivitäten: sie trainieren Selbsthilfe, gehen in die Stadt und bewegen sich im öffentlichen Raum, mit dem Ziel, irgendwann womöglich unabhängig zu sein.

Die drei Bewohnerinnen werden von zwei Mitarbeiterinnen des Hauses mit unterschiedlichen Qualifikationen betreut. Für externe Kräfte besteht die Möglichkeit, sich zu qualifizieren, fortzubilden oder Praktika abzuleisten. Die WG am Osterweg kann vier Bewohner aufnehmen. Außerdem besteht in kleinerem Umfang die Möglichkeit der Tagespflege. Die Bewohner der WG finanzieren Pflege, Betreuung und hauswirtschaftlichen Part aus ihrem persönlichen Budget.

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erstellt am 12.Dez.2016 | 11:25 Uhr

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