Erste Sperrungen für Sylt-Verkehr

Schleichwege zur Autoverladung sollen für Anlieger frei gehalten werden / Bahn will zusätzliche Wartespur bauen

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14. Juni 2018, 18:25 Uhr

„Die Zeit des Redens muss vorbei sein.“ So lautet das Fazit von Niebülls Bürgermeister Wilfried Bockholt mit Blick auf das Verkehrschaos am Pfingstsonnabend rund um die Autoverladung nach Sylt. Und nach einer Runde, zu der er in dieser Woche unter anderem Vertreter der beiden Autozug-Anbieter DB und RDC, des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr, der Kreisverkehrsbehörde, der Straßenmeisterei und der Polizei eingeladen hatte, steht fest: Noch in diesem Monat wird gehandelt. „Am letzten Sonnabend im Juni, zur ersten großen Anfahrt der Sommerferiengäste, wird es erstmals an einigen Stellen Sperrungen geben“, kündigt Wilfried Bockholt an.

Ziel dieses Versuchs ist es, den Sylt-Verkehr aus den Schleichwegen heraus zu bekommen, an erster Stelle aus dem Peter-Schmidts-Weg. Auf der B 5 wird von Süden kommend den Autofahrern auf einer Signaltafel frühzeitig angezeigt, dass es keinen Sinn macht, über den Peter-Schmidts-Weg zu fahren. Diejenigen, die es trotzdem versuchen, sich also von hinten an den Kreisverkehr zur Autoverladung heran schleichen wollen, werden durch eine Sperrung im Kreisel wieder zurück auf die B 5 geleitet. „Es ist wie beim Monopoly, gehe zurück auf Null, Schleichweg lohnt sich nicht“, sagt der Bürgermeister. Die Hoffnung ist, dass dadurch diese Abkürzung bei den Sylt-Fahrern unattraktiv wird und die Anlieger über den Peter-Schmidts-Weg dann eine flüssige Zufahrt ins Gewerbegebiet-Ost und in die Innenstadt haben. Über den Ostring soll noch eine weitere Zufahrt in das Gewerbegebiet frei gehalten werden.

Ob es gelingt, den Sylt-Verkehr auf der B 5 zu halten und sich dadurch die Stauproblematik entschärfen lässt, wird die Auswertung der ersten Sperrung ergeben, für die es eine Verkehrsanordnung des Kreises geben wird. Nähere Informationen über die ersten Verbauungen wird es – vor allem für die Anlieger – demnächst in einer Mitteilung des Amtes geben.

Vereinbart wurde in der Runde zudem eine neue Kooperation zwischen den beiden Autozug-Anbietern und der Polizei. Denn die Schienenunternehmen haben in ihrer Jahresplanung die Tage markiert, in denen ein besonders hoher Andrang an der Autoverladung erwartet wird. „Sind diese der Polizei rechtzeitig bekannt, kann auch dort versucht werden, ausreichend Personal vorzuhalten, zusätzliche Einsatzkräfte wird es aber nicht geben können“, sagt Wilfried Bockholt. Verbessert werden soll zudem die Übermittlung der tatsächlichen Stausituation an den Verkehrsfunk.

Auf dem Gelände der Autoverladung will die Deutsche Bahn zudem eine weitere Wartespur einrichten. Mehr ist nicht drin, da die Stadt auf den angrenzenden Flächen Wohnbebauung plant. „Und man gibt keine Grundstücke her, die man selbst braucht“, sagt Wilfried Bockholt.

Der Bau eines Bypasses, der sicher stellt, dass die abgeladenen Autos auch zügig abfahren können und den Kreisel nicht zusätzlich verstopfen, ist eine weitere Option. Hilfreich wäre zudem eine baldige Umstellung des Anbieters RDC auf Doppelstockwagen, an sich angekündigt für die Saison 2020/2021. Damit könnten pro Zug 600 Meter Autoschlange zusätzlich transportiert werden.

Bis zu sieben Stunden mussten Urlauber, die auf die Insel wollten, am Pfingstsonnabend bei großer Hitze in ihren Wagen warten, bis sie auf einen Autozug rollen konnten – viele mit kleinen Kindern und Hunden. Nicht nur auf der B 5 bis Risum-Lindholm kam der Verkehr zum Erliegen, sondern auch auf den kleineren Zufahrtsstraßen und in weiten Teilen des Niebüller Stadtgebietes. Im Notfall wären selbst Rettungsfahrzeuge an manchen Stellen nicht mehr durchgekommen. „Die Polizei stand selbst schon am Vormittag im Stau“, sagt Wilfried Bockholt. Wie auch der Bürgermeister selbst.

Das lange Wochenende, Bombenwetter, der Trend zum Deutschland-Urlaub, erstmals Pfingstferien in Nordrhein-Westfalen und dann noch eine kaputte Lok – „diese Kombination hat zu diesem besonders großen Chaos geführt“, sagt Bockholt. Verantwortlich könne dafür niemand gemacht werden. Dennoch müsse gehandelt werden, um die Belastung der Anlieger und Anreisenden an Spitzentagen spürbar zu senken.

Ganz vermeiden lassen würden sich Beeinträchtigungen durch den Sylt-Verkehr aber nicht. „Es macht keinen Sinn, einen Riesenparkplatz für zehn Tage im Jahr zu bauen“, meint Bockholt, der bei seinen Anliegern auch für Verständnis für die Sylt-Urlauber wirbt. „Es ist eben eine wunderbare Insel mit einer immensen touristischen Wirtschaftskraft, auf der auch Tausende Menschen aus der Region Niebüll arbeiten“, begründet der Bürgermeister.

Für einige Niebüller haben sich die Stoßtage zu einer guten Einnahmequelle entwickelt. Für 30 bis 40 Euro schleusen sie Auswärtige über Schleichwege, auch die Gather Landstraße, zur Autoverladung. „Das ist sehr ärgerlich, aber leider nicht verboten“, sagt Wilfried Bockholt.

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