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Nordfriesland Tageblatt

20. Oktober 2017 | 05:30 Uhr

Erkenntnis durch Unschärfe

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Bilder der Künstler Römer+Römer sind ab jetzt im Richard-Haizmann-Museum zu sehen / Künstlerpaar eröffnete die Bilderschau persönlich

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2014 | 13:14 Uhr

Auf den Reisen rund um den Globus ist die Kamera ständiger Begleiter des Künstlerpaares „Römer + Römer“. Nicht als Touristen sind der 1968 in Aachen geborene Torsten Römer und seine 1978 in Moskau geborene Frau Nina unterwegs, sondern in eigener Sache, im Auftrag ihrer Kunst. Sie halten mit dem Fotoapparat fest, was sie später in ihrem Berliner Atelier malerisch umsetzen. Studiert haben beide Malerei an der Düsseldorfer Kunstakademie, waren Meisterschüler von Professor A.R. Penck. Ihr bisheriger Weg führte sie in fast alle Länder der Erde – und jetzt nach Niebüll ins Richard-Haizmann-Museum.

Der Kunstverein mit seiner Vorsitzenden Erika Spaude hat dafür gesorgt, dass Niebüll und die Weltstädte in einem Atemzug genannt werden, dass die kleine Stadt im hohen Norden der Republik als Ausstellungsort auf dem Weg der beiden Künstler in die globalisierte Welt liegt. „Darauf sind wir stolz“, bekannte Spaude zu Beginn der Vernissage vor zahlreichen Kunstfreunden im Beisein der beiden Künstler.

„Römer + Römer“ sind im naturalistischen Impressionismus beziehungsweise in der zeitraubenden Technik des Pointillismus (Punkt-um-Punkt-Malerei), einer Stilrichtung des späten 19. Jahrhunderts, anzusiedeln – mit fotografischer Attitüde, die das Malerische in seine Schranken verweist. Als durch die Erfindung der Fotografie im 19. Jahrhundert in der Bildenden Kunst die Funktion des Abbildlichen hinterfragt und im Realismus wie im Naturalismus Gegenmodelle entworfen wurden, dachte niemand daran, welche künstlerischen Möglichkeiten sich durch die Vermengung der Malerei mit der Fotografie auftaten – erst recht mit der digitalen Fotografie. „Die Malerei wehrt sich so gut sie kann“, erklärte Laudator Dr. Uwe Haupenthal. „Sie nimmt der fotografischen Ausgangslage das Übermaß an Schärfe.“

Die wirklichkeitsnahen Arbeiten von Nina und Torsten Römer in ihrer lebendigen leuchtenden Farbigkeit basieren also auf Resultaten ihrer Fotografie. Sie bearbeiten ihre digital erzeugten fotografischen Vorlagen am Computer und setzen sie dann auf der Leinwand künstlerisch um, indem sie kleine Farbstellen punktuell mit dickflüssiger Ölfarbe aneinander reihen. Die Bilder werden sozusagen verpixelt. Es entsteht eine grobe Punktrasterung, die die Realität wie eine Fotoreportage widergespiegelt. Ein Glitzern liegt auf den Arbeiten. Zwecks Aufklärung beschwört das eine Annäherung an das Objekt geradezu herauf, um feststellen zu können, dass keine glitzernden Farbpartikel verwendet wurden, sondern sich das Licht in den Ölfarbtupfern bricht. Der Betrachter gewinnt allerdings aufgrund der Farb- und Oberflächenstrukturen erst aus der Distanz einen Überblick über das gesamte Bild. Die Schärfe der Details ist nur aus einer bestimmten Entfernung zu erkennen.


Die Arbeiten von „Römer+Römer“ bleiben bis zum 9. März in Niebüll und sind während der Öffnungszeiten des Kunstmuseums täglich außer Montag von 15 bis 18 Uhr zu sehen.


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