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Erinnerungen aus der Zeit des Nationalsozialismus

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

von
erstellt am 20.Mär.2015 | 10:45 Uhr

Die Vorsitzende des Niebüller Geschichtsvereins, Beate Jandt, und ihr Ehemann Wolfgang Jandt haben jetzt das Buch „Lebensbilder aus der Zeit des Nationalsozialismus“ vorgestellt. Zeitzeugen berichten dort über Selbsterlebtes, schildern ihr Schicksal und geben persönliche Eindrücke wieder. Das Buch ist allen gewidmet, die im Krieg gelitten und Schaden an Leib und Seele genommen haben, steht zu Beginn des Werkes. Gelitten und Schaden genommen hatten viele schon vorher, seit Beginn der NS-Diktatur 1933. So wie der im Buch erwähnte jüdische Mitbürger aus dem Katasteramt, der eines Tages nicht mehr zum Dienst kam. Oder Sattler Markau, der denunziert und abgeholt wurde. Oder der junge Paul Andresen, der vor den Gestapo-Schergen auf den Dachboden versteckt wurde. Die psychischen Folgeschäden von Diktatur und Krieg reichen bis in die heutige Zeit.

Der schmale Band ist eine bemerkenswerte Sammlung von Dokumenten. Wilhelm Kuhs, ein unbeirrbarer Niebüller Bürgermeister mit Zivilcourage (1926-38, 1946-48), erfährt eine späte Würdigung. Dramatisch sind die Umstände, die das Überleben eines jungen Niebüllers mit Behinderung sichern. Aufschlussreich die Erinnerungen von Annelie Hartz, erschütternd ihre Berichte über das Sterben der Kinder im Kreiskrankenhaus. Guido Tödt gibt Einblicke in die Judenverfolgung, Uwe Sönnichsen berichtet freimütig über den Aufstieg und Fall eines Hitlerjungen. Er fotografierte schon als Junge die Aufmärsche in seiner Heimatstadt, glaubte bis zuletzt an den Endsieg. Schockierend liest sich der Bericht über das Lager Broweg und den Tod eines Häftlings. Maria Schöder schildert ausführlich, wie sie der Bund deutscher Mädchen verlockte, dort mitzumachen; sie dokumentiert, was sie dort erlebte.

Die Flucht in den Westen von Eva Jandt ist an Dramatik und Tragik kaum zu überbieten. Die Befragung des Anton Christiansen durch die Enkeltochter und Erna Prenzels Erinnerungen einer zum Zeitpunkt der Machtergreifung Dreizehnjährigen runden das Buch ab. Es ist ein bewegendes Dokument deutscher Geschichte, dicht verwoben mit Niebüller Ereignissen.


„Lebensbilder aus der Zeit des Nationalsozialismus“ ist in den Niebüller Buchläden sowie in der Lecker Buchhandlung Brendel erhältlich.

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