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Nordfriesland Tageblatt

19. August 2017 | 09:48 Uhr

Erinnerungen an Jugend in Flensburg

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Jan-Uwe Thoms las auf Einladung des Ortskulturrings Ladelund-Bramstedtlund-Karlum-Westre beim Verein Bücher ohne Grenzen

Der Ortskulturring Ladelund-Bramstedtlund-Karlum-Westre veranstaltete im Bücherraum des seit eineinhalb Jahren in Ladelund ansässigen Vereins „Bücher ohne Grenzen (BOG)“ eine öffentliche Lesung, gestaltet von Jan-Uwe Thoms. Der ehemalige Berufsoffizier, Beobachter von Kampfgebieten im diplomatischen Dienst und spätere Organisator von Mobilwagenreisen sowie freiberufliche Mitarbeiter für touristische Periodika beim ADAC und freie Journalist las aus seinem neuesten, beim „Husum Verlag“ als Taschenbuch erschienenen Werk: „Damals in Flensburg (ISBN 987-3-89876-728-6)“.

Die Präsentation seiner persönlichen Erinnerungen an die frühe Nachkriegszeit in Flensburg und Niebüll wurde für den 1944 in Flensburg geborenen und seit 1990 in Ladelund wohnhaften Autor zum „Heimspiel“, das derart viele Zuhörer angelockt hatte, dass noch zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden mussten. Zunächst jedoch hießen die OKR-Vorsitzende Karin Christiansen und Leiterin des BOG, Gyde Köster, die erschienen Gäste willkommen und werteten die erste gemeinsame Aktion beider Einrichtungen als „Win-Win-Situation“, an die man hoffentlich erfolgreich anknüpfen könne. Jan-Uwe Thoms hob einleitend hervor, das, was er in seinem 100 Seiten umfassenden Buch festgehalten habe, seien seine subjektive Erinnerungen und Wahrnehmungen, wie er als Kind und Jugendlicher die Stadt Flensburg, seine Mitmenschen und die eigene Familie erlebt habe. Die kindliche Perspektive der dargestellten Ereignisse, die erkennen ließ, dass er die Welt der Erwachsenen häufig nicht verstand, kam teils sachlich, häufig aber auch sehr humorvoll zum Ausdruck, sodass sie das Publikum selbst dann zum Schmunzeln oder lauten Gelächter veranlasste, wenn die Schilderungen einen ernsten oder gar traurigen Hintergrund aufwiesen. Jan-Uwe Thoms stellte zunächst die Wohnsituation in Flensburg dar, exemplarisch dargestellt an seinem – heute nicht mehr existenten – Elternhaus, einem bescheidenen Mietshaus mit Hinterhof. Dort lebte seine Familie in räumlicher Beengtheit in bescheidenen Verhältnissen, die sich auch in der Ernährung widerspiegelten: Rübenmus, Heringsgerichte und ähnliche Mahlzeiten.

In seinem Bestreben, als Jüngster seine eigenen Interessen durchzusetzen, eckte er häufig mit seinen ihn streng erziehenden Eltern an, was zumeist mit körperlicher Züchtigung durch seinen Vater per Hundepeitsche, Teppichklopfer oder per Arrest im Keller geahndet wurde. Am besten verstanden fühlte er sich von seiner Großmutter. Deshalb verstand er die Welt nicht mehr, als es eines Tages hieß: „Oma muss weg.“ Sie zog um, weil seine Mutter schwanger und Omas Zimmer dringend benötigt wurde. Jan-Uwe Thoms erlebte die Flensburger Straßen und Höfe als Abenteuerspielplatz, auf dem er mit seinem gummibereiften Tretroller durch die Gegend streunte, Bekanntschaften mit englischen, Schokolade spendenden Soldaten machte oder auch – ganz arglos – „schlechte Frauen“ aus dem Oluf-Samsung-Gang kennen lernte, ohne zu ahnen, was die Erwachsenen an ihnen zu bemängeln hatten.

In einer Jugendbande bewährte er sich als „Schmieresteher“. Bei seiner Einschulung ernüchterte ihn die karge Ausbeute seiner Schultüte und die als ernst empfundene Aussage des Schulleiters: „Aus dir wird mal`n richtiger Bandit!“ Die Geburt seiner Schwester brachte neues Leben in den Familienalltag. Ein Zeltausflug mit der „Jungschar“ nach Solitüde endete damit, dass er sich aufgrund zweifelhaften Verhaltens eines Betreuers von dieser entfernte. Anlässlich von Besuchen bei Verwandten in der „Ostzone“ lernte er die „DDR“ kennen, die seine Eltern – für ihn nicht einsehbar – als „großes Gefängnis“ bezeichneten. Erstes Taschengeld verdiente er sich als Verteiler einer Zeitung, Bote eines Schreibwarengeschäftes und Zählers von Fahrzeugen im Straßen- und Schienenverkehr. Bedingt durch die Versetzung des Vaters als Leiter des Arbeitsamtes Niebüll hatte Jan-Uwe Thoms an der Friedrich-Paulsen-Schule weitere Abenteuer zu bestehen.

Lebhafter Beifall der Zuhörer rundete den unterhaltsamen Abend ab.





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erstellt am 24.Okt.2014 | 15:17 Uhr

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