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Besuch in Niebüll : Erinnerung an einen Staatsmann

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Am 29. Juni 1986 besuchte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker Südtondern. Heute findet die Trauerfeier in Berlin statt.

Heute finden in Berlin die Trauerfeierlichkeiten für den früheren Bundespräsidenten (1984 bis 1994) und ehemaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin (1981 bis 1984 ) Richard von Weizsäcker statt. Er war am 31. Januar verstorben.

Viele Einwohner der Gemeinden Südtonderns werden sich an den 29. Juni 1986 erinnern: Richard von Weizsäcker besuchte in Begleitung des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Dr. Uwe Barschel die Region. Sie folgten einer Einladung des mittlerweile verstorbenen Oberdeichgrafen Christian Heinsen sowie des Deich- und Hauptsielverbandes (DHSV). Anlass war die offizielle Einweihung des 1985 fertiggestellten Renaturierungsgebietes Gotteskoog. Von Weizsäcker landete dort mit dem Hubschrauber, wanderte in Richtung „Hügel“, den der Volksmund fortan respektvoll und anerkennend den „Richie-Hügel“ nannte.

Der Rückweg führte den Bundespräsidenten sowie Uwe Barschel, in Begleitung von dessen Ehefrau Freya, nach Niebüll. Empfangen wurden die Politiker von Bürgermeister Heinz Loske und dem Bürgervorsteher Johannes Schwensen. Heinz Loske (77), von 1974 bis 1998 im Amt, erinnert sich gerne an diesen Tag zurück: „Wir haben den Bundespräsidenten im Westersteig empfangen. Und wir Niebüller waren stolz darauf, dass er nach seinem Besuch im Renaturierungsgebiet einen Stopp bei uns eingelegt hat.“ Die Stadt stand zu der Zeit ganz im Zeichen der 550-Jahr-Feier, und die Bevölkerung war auf den Beinen, um auf dem Rathausplatz die seltenen Gäste zu begrüßen. Loske: „Es war ein wunderbarer Tag, und ich habe Richard von Weizsäcker als einen beeindruckenden Staatsmann und eine sehr beeindruckende Persönlichkeit in Erinnerung.“

Im Archiv des Vereins für Niebüller Geschichte befindet sich ein einmaliges Zeitdokument. Eine etwa zehnminütige Videoaufzeichnung zeigt den Empfang auf dem mit zahllosen Menschen gefüllten Niebüller Rathausplatz und den Moment, als sich die Ehrengäste im Sitzungssaal des Rathauses in das „Goldene Buch“ der Stadt eintrugen. Musik und Tanz bei herrlichem Sommerwetter verbreiten Volksfeststimmung, als Richard von Weizsäcker sich nach einer humorvollen Begrüßung durch den Bürgervorsteher Schwensen mit folgenden Worten an die Bevölkerung wendet: „Herzlich danke ich Ihnen für die freundliche Einladung und den warmherzigen Empfang.“ Seebüll bezeichnet der Bundespräsident als eine einzigartige, künstlerische Oase in einer herrlichen Landschaft. „Jeder, der es kennt, weiß, wie schwer es ist, sich von dort zu trennen.“ Und zu Niebüll: „Sie in Niebüll haben ja in Ihrer ganzen Geschichte es immer mit den Elementen zu tun gehabt, um ihnen das Leben abzuringen – diesen Elementen.“ Im Renaturierungsgebiet sei ihm „ein humanes Zusammenleben von den Menschen in der Natur“ vorgeführt worden, „was mich sehr beeindruckt hat, aber was, verzeihen Sie es mir, zu unserer Verspätung beigetragen hat“. Er freue sich, in einer Stadt mit einer „ehrwürdigen Geschichte und höchst lebendigen Gegenwart zu Gast zu sein“.

In seiner Ansprache ging Bürgermeister Heinz Loske damals auf die 7000 Einwohner zählende Stadt ein, berichtete von den abgeschlossenen Sanierungsmaßnahmen in der Innenstadt ein. „Wir werden am 21. August 1986 im Rahmen unserer 550-Jahrfeier das Richard-Haizmann-Museum eröffnen und das Werk von Richard Haizmann der Öffentlichkeit zugänglich machen. Wir haben zu Ihrer Ehre, Herr Bundespräsident, einige Werke des Künstlers als kleinen Vorgriff in dem Sitzungssaal des Rathauses präsentiert und hoffen, damit nach Ihrem Besuch im Nolde-Museum und der für heute Abend vorgesehenen Eröffnung des Schleswig-Holstein Musik Festivals eine kleine Bücke schlagen zu können.“

Heinz Loske ist sich heute, fast dreißig Jahre später, sicher: „Der Besuch war für die Stadt etwas sehr Großes.“

 

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erstellt am 11.Feb.2015 | 08:30 Uhr

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