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Nordfriesland Tageblatt

13. Dezember 2017 | 14:42 Uhr

Landwirtschaft : Erfolgreiche Kartoffelvermehrung

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Bauern rund um Niebüll ernteten in diesem Jahr etwa 4000 Tonnen Erdäpfel. Die Saatkartoffel geht in deutsche und europäische (zum Beispiel spanische) Anbaugebiete, zu Zeiten von Kim Jong il sogar nach Nordkorea.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2013 | 06:30 Uhr

Wer den heimischen Kartoffelbauern in diesen Tagen über die Schultern schaute, kam vermutlich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Im Wettlauf mit Zeit und Wetter hatten sie kaum Muße für einen Schnack. Ihr Augenmerk galt einzig und allein der Kartoffelernte, die jetzt im Großen und Ganzen beendet ist – außer bei Carsten Nommensen, der noch ein, zwei Tage zu tun hat. Im näheren Umland Niebülls sind es Jens Oldsen im Kleiseer- und Rickert Nissen im Marienkoog, die auf einer Fläche von zusammen 135 Hektar Kartoffeln anbauen und etwa 4000 Tonnen ernten.

Bei ihrem Erntegut handelt es sich um Saatkartoffeln in einer Vielzahl von Sorten, von denen es weltweit mehrere Tausend geben soll. Die Saatkartoffel geht in deutsche und europäische (zum Beispiel spanische) Anbaugebiete – teils aber auch an Adressen weltweit. Eines der Empfängerländer Carsten Nommensens war Nordkorea zur Zeit von Kim Jong il, erinnert sich der Landwirt.

Die Vermehrung von Kartoffeln in der küstennahen nordfriesischen Marsch begann Anfang der 1990er Jahre. Der gesunde und weitgehend unbelastete Marschboden garantiert eine hohe Qualität der Kartoffel, wie gestrenge Tests ergaben. Gleichwohl musste der anbauende Landwirt eine gehörige Portion Mut, unternehmerischen Weitblick und vor allem eiserne Nerven aufbringen. Während der Züchter, der die Sorten vorgibt und die Ernte zum weiteren Vertrieb entgegen nimmt und vornehmlich auf Gewinnmaximierung aus ist, fallen alle anderen Risiken dem Bauern zu. Größter Unsicherheitsfaktor im hoch sensiblen Kartoffelanbau ist das Klima und dessen Wetterlagen, in denen es weder zu trocken noch zu nass sein darf.

Die Kartoffel wird im April/Mai gepflanzt und nach drei, vier Monaten geerntet. Große Vermehrer haben den Ernteablauf weitgehend mechanisiert und straff organisiert. Auf dem Feld kommen sogenannte Roder zum Einsatz, gezogen von einem Traktor und besetzt von zwei bis vier Verlesern, die missratene Knollen aussortieren. Der Roder nimmt in der Regel zwei gehäufelte Reihen auf. Die aufgenommenen Kartoffeln gelangen entweder in einen Bunker an Bord des Roders, oder werden in einen nebenher fahrenden Sammelwagen (Anhänger) geworfen.

Auf dem Hof wird die Kartoffel vom Anhänger auf ein Förderband abgeladen, läuft über ein Sieb und gelangt in eine Lagerbox, aus der sie später in unterschiedlichen Gebinden in den Vertrieb geht.

Bei Carsten Nommensen dauerte die Erntekampagne etwa zwei Wochen, während der Traktor – und Roderfahrer, Verleser und Einlagerer – zusammen etwa acht, neun Kräfte, vollauf zu tun hatten, oft bis in die späten Abendstunden hinein.

Das Vermehrungsgeschäft läuft, was Maschineneinsatz, Beratung und Vermarktung angeht, in einer Art genossenschaftlichem Verbund. Dieser bietet sich vor allem für die Maschinen an, zumal ein Kartoffelroder etwa 150 000 Euro kostet. Die drei Landwirte aus der Marsch sind dem Verbund „Saatkartoffel NF“ angeschlossen. Ein Koordinator stimmt den Einsatz der Maschinen ab.

Die Kartoffel stammt aus Südamerika, wurde im 16. Jahrhundert von den Spaniern nach Europa gebracht, 1756 vom „Alten Fritz“ zwangsweise in den Anbau gebracht und ist heute das viertwichtigste Nahrungsmittel. Weltweit werden jährlich 300 Millionen Tonnen Erdäpfel geerntet und kommen in einer Vielzahl von Variationen auf die Speisekarte.

In Südtondern freut sich der Kreisbauernverband über einen noch jungen alternativen Betriebszweig – und über mutige und clevere Berufskollegen in der Marsch und auf der Geest, die es mit der Saatkartoffel wissen wollten. Und das recht erfolgreich.

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