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Plattdeutsches Theater : Erbschleicher und andere Katastrophen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Deftige Dialoge, herzhafte Erheiterung: Das Amateurtheater „Die Bühne“ begeisterte mit der Premiere der Komödie „Mein Mann, der fährt zur See“

Knast, Schiffsuntergang und tiefe Trauer. Eine Tragödie also? Mitnichten, weil, wie sich im Verlauf des vermeintlichen Dramas herausstellt, das aus diesen Zutaten gebaute Lügengebilde wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt und sich in herzhafter Erheiterung auflöst.

Das Niebüller Amateurtheater „Die Bühne“, sonst auf dem Boulevard und in Komödie, Krimi und Farce zu Hause, wandte sich erneut dem Volkstheater zu. Dem Knatsch im Treppenhaus folge jetzt in der seit 1978 genau 36. Inszenierung Wilfried Wroosts Komödie „Mein Mann, der fährt zur See“. Am Sonnabend war Premiere. Die freudigen Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Die von Mary Brammer verbreitete Notlüge ging voll in die Hose und mutierte zu einem vollen Lacherfolg.

Doch der Reihe nach. Karl Brammer (Albert Hansen) ehemals Schiffskoch und jetzt Wirt der Hamburger Hafenkneipe „Blauer Peter“, wird wegen Schmuggelns zu drei Monaten Knast verdonnert und soll in „Santa Fu“ einsitzen. Ausgerechnet am Geburtstag seiner Mary (Maike Lützen), zu dem sich Verwandtschaft angekündigt hat, erfolgt die „Einladung“ zum Haftantritt. Damit die Verwandten davon nichts merken, vereinbaren Kuddel und seine Frau, er habe wieder auf einem Schiff angeheuert. Doch, welch Pech, das Schiff geht unter, wie die Zeitung berichtet. Mit Mann und Maus.

Das löst nicht nur tiefe, sondern auch scheinheilige Trauer aus. Die bucklige Verwandtschaft, angemessen maskiert in Schwarz, doch angetrieben von Habgier auf satte Häppchen aus dem Nachlass, stürmt die Kneipe und ist nur an der Frage interessiert: „Was wohl für mich herauskommt?“

In dem Gerangel um die vermeintliche Erbschaft entspinnen sich ebenso feine wie deftige Dialoge und sogar Kampfszenen um Karls Klamotten. Ein gefundenes Fressen für die eingespielte und bühnen-erfahrene Mannschaft und willkommener Anlass, nach Herzenslust die Sau heraus zulassen. Als der Streit ums Erbe von Gipfel zu Gipfel stürmt, taucht schließlich Karl Brammer auf und lässt seine Verwandten virtuell in jene Fettnäpfchen fallen, in die sie erst kurz zuvor getreten sind und auch keines ausgelassen haben.

Dem finalen Crash sind Szenen vorausgegangen, in denen sich Makler Menck (Andree Boysen) und Klamottenhändler Allag (Dennis Keyser) darin übertreffen, die Gunst der „Witwe“ zu erheischen. Eine Liebelei tragen Ex-Stewart Adrian (Henning Lützen) und Kneipen-Mädchen Ulli (Ann-Sophie Mussack) aus, um sich nachher doch noch in die Arme zu fallen. Als wahrer Hammer entpuppt sich ein Baby-Bond, dessen lächerlicher Kaufpreis von zehn Mark nach einer Ziehung zum großen Los für Mary wird und in Form von 50 Riesen Schulden und Sorgen vergessen macht. Die Ehepaare Fiete und Auguste (Peter Krebs/Henny Knies) sowie Amandus und Malwine (Karl-Heinz Knies/Margrit Kreutzfeldt) tragen verbale Gefechte aus. Die eigentliche Story dieser Komödie bekommt durch munter querbeet wuselnde Handlungsstränge jede Menge zusätzlicher Würze, die das Publikum permanent am Kichern hält, das sich immer wieder zu lautstarkem Applaus steigert, besonders dann, wenn Amandus Sötje seine Soli zelebriert, Auguste und Malwine ihre spitze Zunge ausfahren und Fiete Brammer vom Schatten seiner Auguste dominiert wird. Die buckelige Verwandtschaft versteht es meisterhaft, die freudige Erwartung auf die Erbschaft ebenso zu spielen wie das Entsetzen, als Kuddel Brammer „aus den Tiefen der Nordsee“ empor steigt, und mit seiner leibhaftigen Präsenz alle Hoffnungen zunichtemacht.

Die Geschichte um den Kneipenwirt Karl Brammer bleibt trotz deftiger Späße ein herzhafter Jux und niveauvolle Unterhaltung. Alle Rollen der Komödie waren trefflich besetzt – und der Beifall für das Bühne-Ensemble hochverdient.


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erstellt am 16.Mär.2015 | 05:00 Uhr

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