Niebüller Bauingenieur in Afrika : Entwicklungshilfe in Sachen Beton

Am Tag nach seiner Ankunft unterrichtete Ulrich Laaser, wie man Beton herstellt.
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Am Tag nach seiner Ankunft unterrichtete Ulrich Laaser, wie man Beton herstellt.

Im Unruhestand: Ulrich Laaser war als Senior Expert in Ruanda tätig.

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26. März 2019, 16:44 Uhr

Sie sind Rentner oder Pensionäre. Haben eigentlich mit ihrem Berufsleben abgeschlossen und genießen den Ruhestand. Doch oftmals ist es eher ein Unruhestand, und sie engagieren sich weiterhin – meist ehrenamtlich. Man findet sie in Vereinen, karitativen Einrichtungen oder in einer der Organisationen, die es sich zu Aufgabe gemacht haben, über Landesgrenzen hinaus zu helfen.

Eine solche ist der Senior Experten Service (SES) mit Sitz in Bonn, die größte deutsche Entsendeorganisation für ehrenamtliche Fach- und Führungskräfte. Dort hatte sich auch der Niebüller Ulrich Laaser bereits vor Jahren beworben. „Manchmal dauert es. Und ich dachte schon, die haben nichts, was ich machen könnte. Doch dann, im letzten Jahr, kam die Anfrage“, erzählt der Diplom-Ingenieur für Bautechnik und pensionierte Berufsschullehrer.


6500 Kilometer von zu Hause entfernt

Zwei Wochen Ruanda, um Lehr- und Prüfungspläne zu optimieren, die in der Ausbildung von zukünftigen Kleinunternehmern im Baugewerbe eingesetzt werden sollten. Eine spannende Aufgabe für den 71-Jährigen, in einem Land, das rund 6.500 Kilometer Luftlinie entfernt liegt.

Doch für Laaser keine vollkommen neue Erfahrung, war er doch früher in Sambia, Thailand und Botswana unterwegs, gab dort sein Fachwissen weiter, bevor er als Berufsschullehrer in Husum tätig war.

So kam der Tag der Abreise in das ostafrikanische Binnenland. „Ich war gespannt, was mich erwartet“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Denn: „Gleich am Montag ging es richtig los. Der Unterricht wurde bilingual durchgeführt, also in Landessprache und Englisch, und die Frage an mich – das Thema des Tages: Wie wird Beton hergestellt? Kein langes Geplänkel, zumal ich auch nur zwei Wochen vor Ort war und Zeit hatte, meine Aufgabe zu erledigen.“


Aus der Praxis, für die Praxis

Sicherlich, hierzulande normaler Alltag eines jeden Auszubildenden im Maurerhandwerk, doch für die Schüler in Ruanda von großer Bedeutung. „Sie hatten tolle Ideen, zeigten mir auch einen neuen Betonmischer, aber für deren Einsatz ungeeignet. Man muss ja bedenken, dass diese jungen Menschen so eine Maschine wahrscheinlich nie oder nur im Ausnahmefall, besitzen werden“, erzählt er und zeigt dabei ein paar Bilder. So war es dann auch sein erklärtes Ziel, den Schülern die Technik zu zeigen, die sie zur Verfügung haben. „Es bringt nichts, wenn man Techniken lehrt, die vor Ort gar nicht angewendet werden können. Was ich und die anderen Senior Experts machen, ist angewandte Entwicklungshilfe. Aus der Praxis, für die Praxis“, so Ulrich Laaser. „Natürlich hilft es, und ist auch Voraussetzung, dass ich die Qualifikation als Berufsschullehrer mitbringe.“ Trotzdem müsse man sich von dem Gedanken freimachen, dass man den jungen Menschen dort, die im Schnitt um die 25 Jahre alt sind, deutsche Vorstellungen vermittle. „Es geht immer und einzig darum, ihre landestypischen und örtlichen Möglichkeiten und Ressourcen entsprechend einzusetzen.“

So vergingen die Tage wie im Flug, und während die Schüler in Vollzeit acht Stunden täglich lernten und im Internat wohnten, passte Ulrich Laaser die Unterlagen nach staatlichen Vorgaben an. „Man muss auch wissen, dass dort nach jedem Lehrjahr Schluss sein kann, es keine Wiederholung gibt. Die Schüler also hoch motiviert sind, um zu bestehen“, erzählt Laaser. Für ihn hieß es dann jedoch, Abschied nehmen. Zurück in Deutschland, erstellte er weitere Unterlagen, schloss von seinem heimischen Büro aus seine Arbeit ab.

Auf die Frage, ob er es wieder machen würde, gibt es ein klares Ja, aber: „Ich würde es wieder machen, wenn es meine Gesundheit zulässt, aber dann zusammen mit meiner Frau. Sie ist gelernte Motopädin, in der Frühförderung ausgebildet und auch jahrelang tätig gewesen. Wenn es also ein passendes Angebot gibt, dann gehen wir als Ehepaar.“


Ehrenamtlich auch in der Fahrradwerkstatt

Jeden Mittwoch und Donnerstag trifft man ihn in der Fahrradwerkstatt des Diakonischen Werks Südtondern in Niebüll. „Auch hier kann ich mein Wissen gut weitergeben. Kann helfen und bekomme den Lohn in Form glücklicher und zufriedener Menschen, die mit ihrem Fahrrad und einem Leuchten in den Augen von dannen ziehen.“ Die Fahrradwerkstatt stehe sowohl sozial schwachen Menschen, als auch den neuen Mitbürgern offen.
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