Musik in Leck : Entdeckungsreise durch Amerika

Das Ensemble „Twobiano“ faszinierte 120 Gäste im Rathaussaal Leck mit temperamentvoller Darbietung

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22. Januar 2015, 05:00 Uhr

„PanAmericana – ein musikalischer Roadtrip durch Nord- und Südamerika“ – so lautete das Thema des ersten Konzertes im neuen Jahr. Organisiert hatte es der Verein der „Musikfreunde in Leck und Umgebung“, gestaltet wurde es von dem bereits häufig ausgezeichneten Ensemble „Twobiano“ aus der Bundesauswahl junger Künstler des Deutschen Musikrates: Rubén Durá de Lamo (Tuba), Constantin Hartwig (Tuba) und Christine Rahn (Klavier).

Die Vorsitzende des gastgebenden Vereins, Heidi Specht-Christel, kündigte in ihrer Begrüßungsansprache den knapp 120 Gästen „ein besonderes klangliches Ereignis bei einer musikalischen Entdeckungsreise durch Amerika“ an. Dieses Versprechen wurde zu einhundert Prozent eingehalten, da die seltene Instrumental-Besetzung des extrem virtuos aufspielenden Trios selbst ausgebuffte Freunde der Kammermusik verblüffte und weil Komponisten sowohl aus Nord- wie auch aus Südamerika musikalisch zu Worte kamen. Da die Tuba – als Bass-Instrument der Familie der Bügelhörner – erst 1835 (nach der Erfindung der Ventiltechnik) erfunden wurde, müssen die Tubisten bei ihren Auftritten häufig auf Bearbeitungen bekannter Kompositionen zurückgreifen. Neben Rubén Durá de Lamo und Constandtin Hartwig, die den ganzen Abend hindurch sehr spielfreudig mit musikalischen und spieltechnischen Höchstleistungen aufwarteten, hatte auch die Pianistin Christine Rahn ein hartes Stück „Arbeit“ zu vollbringen. Sie tat dies aber mit einer erstaunlichen Leichtigkeit sowie stilistischen Sicherheit, dass sie teils als Begleiterin, zumeist jedoch als musikalische Partnerin, mit den Bläsern auf Augenhöhe agierte.

Durch das Programm führte in humorvoller Weise Rubén Durá de Lamo. Zum Auftakt erklang in voller Besetzung der temperamentvolle, durch Percussions unterstütze Satz „America“ aus dem Musical „West Side Story“ von Leonard Bernstein. Der „Waltz for Mippy III“ vom selben Komponisten, gewidmet dem Hund dessen Bruders, gab Konstantin Hartwig Gelegenheit, die Tuba als Instrument mit einem enormen Tonumfang vorzustellen und dabei zugleich sein eigenes Können überzeugend zu präsentieren. Anschließend spielten er und Christine Rahn eine besonders klangschöne „Aria“ aus den – sich formal an die Suiten von Johann Sebastian Bach anlehnenden – „Bachianas Brasileiras“ von Heitor Villa-Lobos. Beim Vortrag der „Encounters II for Tuba solo“ von William Kraft, der eine geradezu zirzensische Perfektion der Beherrschung des Instrumentes erforderte, führte Rubén Durá de Lamo die erst um 1966 erfundene Spieltechnik der „Multiphonie“ vor, indem er während des Blasens zugleich singend seine Stimme einsetzte.

Danach durfte sich Christiane Hartwig mit „3 Preludes“ von George Gershwin, die verschiedene Stile des Jazz enthielten, als souveräne Klaviersolistin präsentieren, bevor sie – zusammen mit dem Tuba-Virtuosen de Lamo – eine dreisätzige Sonate von Bruce Broughton – sehr einfühlsam interpretierte. Constantin Hartwig und Christine Rahn warteten sodann mit einem der aktuellen Paradestücke bedeutender – von Pianisten begleiteter – Tubisten auf: den „Drei Miniaturen für Tuba und Klavier“ von Antony Plog. Dabei ließ der Bläser die Tuba mal schmettern, mal zart singen, dann wieder tollkühne Tonsprünge vollziehen oder Tonleitern mit einer Rasanz und Leichtigkeit durchlaufen, als halte er eine Blockflöte in seinen Händen. Christine Rahn erzeugte derweil am Klavier die Klangfülle eines ganzen Orchesters.

Am Ende des Programms kam der Tango zu seinem Recht, wenn auch in einer Form, die nicht zum Tanzen, sondern allein zum Zuhören anregte. So spielte de Lamo die „Tango-Etüde Nr. 3“, das Ensemble insgesamt die Suite „Histoire du Tango“ beide verfasst von Astor Piazolla. Das rundum begeisterte Publikum erklatschte sich noch eine Zugabe.

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