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Nordfriesland Tageblatt

22. Oktober 2017 | 00:21 Uhr

Energiewende ohne Wind vom Meer?

vom

Offshore-Konferenz zu Kosten und Erfolgsmodellen

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Husum | Zukunftsweisende Technologie oder Kostentreiber? Die Errichtung von Windparks auf offener See wird von Diskussionen begleitet, die nach Ansicht von Martin Schmidt, Projektleiter der Netzwerkagentur "windcomm schleswig-holstein", nicht immer gerechtfertigt sind.

"Wenn man hört, dass der Offshore erzeugte Strom mit 19 Cent pro Kilowattstunde vergütet wird, hört sich das erst einmal viel an. Aber dieser Betrag wird nur in den ersten acht Jahren gezahlt, anschließend sinkt die Vergütung auf 3,5 Cent pro Kilowattstunde. Auf 20 Jahre gerechnet, sind das im Durchschnitt nur 10 Cent pro Kilowattstunde." An der umstrittenen Erneuerbare-Energien-Umlage habe die Vergütung der Offshore-Windenergie derzeit nur einen Anteil von knapp zwei Prozent. "Wir brauchen die Stromerzeugung auf See, damit wir die Energiewende in Deutschland realisieren und 80 Prozent des Bruttostrombedarfs bis zum Jahr 2050 aus erneuerbaren Energien decken können", betont Martin Schmidt und ergänzt: "An Land laufen die Windenergieanlagen an guten Standorten 3000 Stunden im Jahr unter Volllast, auf See sind es rund 4500 Stunden. Damit stärkt Offshore-Windkraft die Versorgungssicherheit."

Vier Windpark-Projekte in der schleswig-holsteinischen Nordsee werden zurzeit gebaut oder der Baugrund wird vorbereitet: "Amrumbank West", "Meerwind" und "Nordsee Ost" nördlich von Helgoland sowie "DanTysk" westlich von Sylt. Helgoland profitiert bereits von den Bauarbeiten, mehrere Offshore-Firmen haben dort Unterkünfte gemietet oder sogar bauen lassen. "Außer Helgoland konnten noch nicht viele Häfen in Schleswig-Holstein von der Offshore-Windindustrie profitieren, aber wir arbeiten daran und setzen auch auf Kooperation mit unseren dänischen Nachbarn", sagt Dr. Matthias Hüppauff. Der "windcomm"-Projektkoordinator und Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland ist überzeugt, dass mittelständische Unternehmen aus der Region gute Chancen haben, sich bei den Offshore-Windparkbetreibern als Zulieferer und Dienstleister ins Gespräch zu bringen. Als Beispiel nennt er die Deutsche Windtechnik, die neben der Bremer Zentrale mehrere Standorte in Schleswig-Holstein unterhält. Das Unternehmen hat vom Betreiber des Windparks "DanTysk", einem Joint Venture aus Vattenfall und den Stadtwerken München, den Auftrag zur Montageüberwachung der Offshore-Windkraftanlagen erhalten. Hüppauff weiß aber auch: "Die Branche braucht verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen, sonst bleiben Aufträge aus. In den Bestandsschutz greifende Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz blockieren Investitionen, von denen besonders strukturschwache ländliche Regionen profitieren könnten."

Um Firmen mit den großen Betreibern in Kontakt zu bringen und erfolgreiche Logistik-Konzepte und Strategien vorzustellen, organisiert "windcomm" jährlich die "Offshore Business Meetings and Conference" (OBMC). In diesem Jahr findet sie am 24. und 25. September statt. Auf eine eintägige Fachkonferenz in Husum folgen eine Business-Kontaktbörse und Exkursionen zum Bildungszentrum Erneuerbare Energien sowie nach Rømø und Esbjerg. Von diesen Häfen wird die Versorgung des Baufeldes "DanTysk" organisiert. Anmeldungen und Details gibt es unter www.windcomm.de/obmc2013 im Internet.

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