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Nordfriesland Tageblatt

25. September 2017 | 01:03 Uhr

Gedenken : Ende eines Ehrenmals

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges soll das Ehrenmal in Deezbüll abgebaut werden

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2014 | 05:45 Uhr

Die Tage des Deezbüller Ehrenmals sind gezählt. Einer bereits vor zwei Jahren vom Ehrenmalsverein getroffenen Entscheidung zufolge soll die Denkmalsanlage auf dem Grund des früheren Pastoratsgartens aufgelöst werden. Doch der Toten aus den beiden Weltkriegen soll wie bisher weiter gedacht werden – und zwar künftig auf dem Friedhof an der Apostelkirche.

Diese Entscheidung des „Vereins zur Pflege des Deezbüller Ehrenmals“ reifte mit der Zeit heran. „Die Familienangehörigen der Gefallenen sind in die Jahre gekommen oder bereits verstorben, der zeitliche Abstand zu den tragischen Ereignissen gewachsen“, sagt der Vorsitzende des Ehrenmalsvereins Nommen Nommensen. Doch die in den Kriegen gebliebenen Väter und Söhne sind nicht vergessen.

Zur Erinnerung: Aus dem 1. Weltkrieg kehrten 35 Deezbüller nicht nach Hause zurück. 69 im 2. Weltkrieg Gefallene registriert ein in Privathand befindliches Album. Danach verloren 41 Familien je einen Angehörigen, weitere sieben je zwei Söhne oder Väter. Die Familien Ingwer S. Andersen, Emil Mommsen und Jürgen Sell trauerten um je drei Söhne. Die Familie Jacob Petersen traf es besonders hart. Von ihr fielen fünf Söhne. Im Verzeichnis sind weitere neun Namen nachgetragen, so dass sich die Zahl der Toten aus dem letzten Krieg auf 78 erhöht. Zum Vergleich: Die damals noch eigenständige Gemeinde Deezbüll zählte 600 Einwohner. Es gab kaum ein Haus, in dem nicht getrauert wurde.

In „Kiek an“, dem Niebüller Kirchenbrief von Oktober und November 2009 wird berichtet, dass die Ehrenmalsanlage zwischen 1952 und 1954 mit Zustimmung des Landeskirchenamts errichtet wurde. „Fast alle Deezbüller Familien haben ehrenamtlich mitgeholfen“, schrieb die pensionierte Lehrerin Ursula Weinmann im Kirchenbrief, in dem auch stolz vermerkt wurde, „dass keine Arbeitsstunde bezahlt werden musste“.

Seither wurde die Ehrenmalsanlage vom Verein gepflegt. Alljährlich zu Ostern war im Rahmen eines ehrenamtlichen Einsatzes Großreinmachen, dem rasenmähen und gärtnerische Pflege folgten. Besonders engagiert zeigte sich die Freiwillige Feuerwehr Deezbüll, die auch die örtlichen Volkstrauertage organisierte und das seit ihrer Auflösung durch die Traditionsgemeinschaft fortsetzt. Die Ehrenmalsanlage soll jetzt abgetragen – und „entsorgt“ werden. Die Einzelgedenksteine rund ums Ehrenmal mit dem Sockel und dem Kreuz können auf Wunsch von Angehörigen/Nachfahren der Gefallenen mitgenommen werden.

Auf dem Friedhof ist anstelle der bisherigen Anlage eine „Gedenk-Ecke“ vorgesehen. Gleich neben dem Westeingang von der Deezbüller Straße her soll in der zur früheren Tischlerei Dethlefsen gelegenen Ecke eine Stele errichtet werden, die durch ein Kreuz geteilt wird. Oben auf beiden Seiten der Stele werden die Jahreszahlen der beiden Kriege zu sehen sein. Auf der linken Hälfte erscheinen ein Spruch und die Namen der Toten aus Weltkrieg I, rechts die 78 Namen der Gefallenen aus Weltkrieg II.

Der Kirchengemeinderat signalisierte in seiner Sitzung am Dienstag grünes Licht für diese Lösung, der allerdings auch noch das Landeskirchenamt zustimmen muss. Die Apostelkirche steht bekanntlich unter Denkmalsschutz – der Umgebungsschutz inbegriffen. Wann das Plazet aus Kiel kommt, ist ungewiss. „Doch am Volkstrauertag 2014 möchten wir das neue Ehrenmal einweihen“, hofft Nommen Nommensen auf eine baldige Antwort aus der Landeshauptstadt.

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