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Nordfriesland Tageblatt

15. Dezember 2017 | 07:52 Uhr

Schliessung : Elternbeirat kämpft um Schulerhalt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Gemeindevertretung will während der Sitzung am 11. Februar das Aus für die Risumer Grundschule zum 31. Juli 2017 beschließen

von
erstellt am 30.Jan.2016 | 07:00 Uhr

Der Aufruhr in der Elternschaft Risum-Lindholms ist seit gestern groß: Die Gemeindevertretung plant, zum 31. Juli 2017 die Grundschule im Ortsteil Risum zu schließen. Gefasst werden soll der Beschluss während der nächsten Sitzung am Donnerstag, 11. Februar, 19.30 Uhr (Knopp). In einem Schreiben informierte gestern die Schulleiterin der Risumer Grundschule, Arngard Janiesch, die Eltern. Und auch darüber: „Zum 1. August 2017 werden dann alle Risumer Schüler und Lehrer gemeinsam in die Grundschule Lindholm (Nis-Albrecht-Johannsen-Schule) umziehen.“ Deren Schulleiter Gerd Vahder wird am Ende des Schuljahres 2016/2017 pensioniert, seine Nachfolgerin würde dann die Risumer Schulleiterin Janiesch.

„Wir fühlen uns schon irgendwie übergangen. Wir hätten uns einfach gewünscht, wenn man uns früher, beispielsweise beim Neujahrsempfang der Gemeinde, informiert hätte“, sagt Sylvie Rösch, Vorsitzende des Elternbeirats. Den Eltern habe man in der Vergangenheit versprochen, die Grundschule Risum bliebe in jedem Fall als Zweigstelle erhalten. „Nun ist es bis zu der Entscheidung der Gemeindevertretung am 11. Februar natürlich sehr knapp.“ Der Beirat möchte das nicht so einfach hinnehmen und gemeinsam mit Eltern, Interessierten und auch mit den Politikern nach Alternativen suchen. Deshalb wurden – zusätzlich zu den Briefen an die Eltern – im ganzen Dorf und den umliegenden Gemeinden Infozettel verteilt. „Der Schulelternbeirat möchte vor allem dafür kämpfen, die Risumer Schule zu erhalten. Ist das auch die Meinung der Eltern? Um dies zu klären, lädt der Schulelternbeirat alle betroffenen Eltern und Interessierten ein, am Mittwoch, 3. Februar, 20 Uhr, in die Turnhalle Risum zu kommen.“ Und weiter heißt es: „In der darauffolgenden Woche, am 10. Februar, 20 Uhr, im Risumer Pastorat, findet die Jahresversammlung des Freundeskreises statt. Der Bürgermeister Hauke Christiansen hat sein Kommen zugesichert. Daher bietet sich dort die Möglichkeit für einen Dialog. Über die Zukunft unserer Schule entscheidet auch eine rege Beteiligung von Euch an diesen Abenden.“

Die Situation in der Gemeinde Risum-Lindholm ist – historisch gewachsen – eine Besondere. Sie hat zwei Ortsteile mit zwei Ortswehren, zwei Kirchen (aber mittlerweile einer Kirchengemeinde) – und zwei Grundschulen. Die Nis-Albrecht-Johannsen-Schule in Lindholm ist nach dem Weggang der Hauptschule eine Grundschule geblieben. Ihr Konzept unterscheidet sich mit der bekannten Einteilung nach den Jahrgängen 1 bis 4 zu dem der Einrichtung in Risum, wo die Schüler der Stufen 1 und 2 sowie die der 3 und 4 gemeinsam unterrichtet werden. Das System in Risum habe viele Vorteile, sagt Sylvie Rösch. Es fördere das soziale Miteinander, fördere die Schwächeren, die, auch wenn sie die Versetzung nicht schaffen, trotzdem weiter mit ihren Freunden unterrichtet würden.

Bürgermeister Hauke Christiansen wundert sich, denn der Umzug der Risumer Schüler und Lehrer in die Lindholmer Schule nach der Pensionierung von Gerd Vahder sei länger bekannt gewesen und auch mit dem Schulamt, sprich der vorherigen Schulrätin Maike Jennert, abgesprochen. Er nennt die Gründe: „Die Lindholmer Schule hatte einst 350 Schüler. Nach dem Abzug der Hauptschule sind es aktuell 110. In Risum sind es gerade einmal 60 Kinder.“ Das sei zu wenig. Der Umzug der Kinder und Lehrer nach Lindholm komme allen zugute. „Unser Ziel ist eine super ausgestattete Schule. Wir haben die betreute Grundschule weiter ausgebaut, bieten einen Mittagstisch an. Das ist in Risum nicht möglich.“

Um eine Nachnutzung für das Schulgebäude in Risum macht er sich keine Sorgen. „Die Hardware ist super in Ordnung, die Turnhalle neu.“ Dort ist unter anderem der SV Frisia untergebracht. Geplant sei, die vier ebenerdigen Klassenräume herzurichten und sie für Krippen- und Kindergartenplätze zur Verfügung zu stellen. Denn: Der Bedarf steige. Risum-Lindholm habe im Neubaugebiet 32 Grundstücke verkauft, 22 weitere werden im neuen Bauabschnitt erschlossen. „Wir rechnen mit 50 bis 60 Elternpaaren“, hofft Hauke Christiansen. Der Bedarf an Ganztagskinderbetreuung sei ebenfalls groß. Christiansen: „Jetzt ist der Zeitpunkt, wo sich etwas ändern muss.“ Eine einhellige Zustimmung zu bekommen, sei schwer. „Das werden wir nicht erreichen. Nicht in einem Monat, nicht in einem Jahr.“

Sylvie Rösch will trotzdem versuchen, einen Ausweg zu finden. „In Risum haben wir sehr viel Potenzial. Wir haben einen Schulwald und sogar – was in Lindholm fehlt – ein eigenes Schwimmbad.“ Ihr ist klar, dass die Lindholmer Schüler aus Platzgründen nicht in die Risumer Schule umziehen können. In Lindholm sei durch die freigewordenen Räume der ehemaligen Hauptschule einfach mehr Platz. Aber der könne dann doch auch für Kinderkrippe und einer Ganztagsbetreuung genutzt werden, ebenso wie die freien Räume in Risum. Zum Thema Baugebiet „Steege“ erinnert sie, dass die 32 verkauften und noch 22 zu erschließenden Grundstücke allesamt auf Risumer Gebiet liegen, die hinzuziehenden Eltern sich also – auf Grund der räumlichen Nähe – wohl eher der Risumer Grundschule anschließen würden. Das würde die Schülerzahlen von derzeit 60 wieder in die Höhe treiben. „Niemand würde nach Lindholm gehen. Das ist kurzsichtig.“ Ob Arngard Janiesch ihr Konzept auch im Kollegium an der Grundschule Lindholm durchsetzen könne, sei nicht gewiss, so Rösch.

Ihre Hoffnung ruht nun auf den beiden anfangs erwähnten Veranstaltungen und einem vernünftigen Dialog aller mit mehr Transparenz. Sylvie Rösch: „Nicht das Schulamt entscheidet über die Schulgebäude und damit über die Zukunft der Risumer Schule, sondern es sind die Gemeindevertreter. Wir wollen einen gemeinsamen Weg gehen.“

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