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Niebüll : Eltern-Initiative gegen Abitur im "Turbo-Zug"

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Eltern wollen Abitur nach neun Jahren noch in diesem Jahr durchsetzen. Mit Hilfe von 2000 Karten wollen sie ihr Ziel erreichen.

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erstellt am 23.Feb.2010 | 09:32 Uhr

Niebüll | Eine Postkartenflut soll es richten. 2000 Stück hat eine Niebüller Initiative drucken lassen. Die Eltern von Fünft- und Sechstklässlern des Friedrich-Paulsen-Gymnasiums hoffen, dass möglichst viele der Pamphlete das Bildungsministerium in Kiel erreichen werden. Mit der Aktion richten sie sich gegen "G8", das sogenannte Turbo-Abitur, wie Schulelternbeiratsvorsitzender Sönke Petersen sagt. Bei G8 werden die Sechstklässler und die nachfolgenden Schüler ihre Hochschulreife bereits nach acht Oberschuljahren ablegen.

Bildungsminister Dr. Ekkehard Klug plant zwar, G9 als Option wieder einzuführen. Doch dazu ist eine Gesetzesänderung nötig, die seiner Aussage nach erst im Herbst erfolgen kann und damit frühestens zu Schuljahrs-Beginn 2011/2012 angeboten werden wird. Das aber ist den Erziehungsberechtigten zu spät. Petersen sagt: "Von Klug fordern wir, schnell das Schulgesetz zu ändern, damit die Schulen bereits zum kommenden Schuljahresbeginn - und nicht, wie geplant erst 2011/2012 - die Möglichkeit haben, G9 allein oder als Optionsmodell wieder einzuführen."
Keine Rückkehr möglich?

Darüber hinaus geht es den Eltern darum, Rückkehrmöglichkeiten in G9 für diejenigen Schüler zu schaffen, die bereits im ersten oder zweiten Jahr das G8-Gymnasium durchlaufen. Bisher plane das Bildungsministerium, dass eine Rückkehr für die beiden ersten Jahrgänge nicht möglich sein werde und diese Schüler bis zum Abitur im "Turbo-Zug" bleiben müssten, sagen sie.

Was G8 in der Praxis bedeutet, berichtet Sönke Petersen, der selbst eine Tochter in der sechsten Klasse hat: "Die Kinder sind inzwischen einem sehr starken Lerndruck ausgeliefert." Sie müssten, wenn sie zusätzlich noch Förderunterricht hätten, als Elfjährige bereits bis zu 36 Stunden pro Woche in der Schule verbringen. Dazu kämen Hausaufgaben und das Vorbereiten von Klassenarbeiten und Referaten. "Das Familienleben ist davon erheblich beeinträchtigt, viele Kinder können unter der Woche keine Verabredungen mehr treffen und geben die Mitwirkung in Vereinen oder ihren Sport auf." Sönke und Britta Petersen haben drei Kinder, von denen jedes ein anderes Abitur ablegen wird beziehungsweise gemacht hat.
Mehrere Hundert Karten im Ministerium eingetroffen

Die Eltern, die erhebliche psychische und gesundheitliche Folgen für ihre Kinder befürchten, haben auch Grundschulen und den Kreiselternbeirat angesprochen, wie Petersen sagt. So habe der Elternbeirat des Nordseegymnasiums in St. Peter-Ording sofort Karten geordert. "Wir hoffen, dass der Minister die Bedenken der betroffenen Schüler und Eltern ernst nimmt und eine schnelle Lösung im Sinne der Kinder herbeiführt", sagt Petersen. Mehr als 660 Karten haben das Bildungsministerium nach Aussage seines Sprechers Thomas Schunck schon erreicht. Die Niebüller Gruppe plant bereits weitere Vorhaben.

Eltern von Schülern eines Lübecker Gymnasiums bieten ebenfalls eine solche Aktion an. Dort ist das Schreiben aus dem Internet herunterzuladen.

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