zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

22. Oktober 2017 | 05:20 Uhr

Ellhöfter stimmen für neue Windräder

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

34 von 40 anwesenden Bürgern ließen sich in einer Einwohnerversammlung für die Aufstellung von vier neuen Mühlen überzeugen

von
erstellt am 12.Aug.2015 | 12:24 Uhr

Das kleine Gemeindehaus an der Ellhöfter Dorfstraße drohte fast aus allen Nähten zu platzen, Blumen wurden beiseite geschoben und die Fensterbänke als Sitzgelegenheiten genutzt, denn von den 111 Bürger der Gemeinde waren 40 zur zweiten Einwohnerversammlung erschienen. Hinzu kamen noch Timm Kamke vom Amt Südtondern, Karen Hansen vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Horstedt sowie Oberamtsrat i. R. Erich Berg. Letzterer war von der Kommunalaufsicht als Beauftragter für die Gemeinde eingesetzt, denn wegen des Themas Windpark-Erweiterung waren von den sieben Ellhöftern Gemeindevertreter gleich sechs befangen.

Die Versammlungsleitung oblag somit dem einzigen verbliebenen Vertreter Mario Feldbusch. Er erklärte, dass die seit 2007 bestehende „Grenzstrom Vindtved GmbH & Co KG“, eine Gemeinschaft von Bürger aus Ellhöft, Westre und dem dänischen Lydersholm, die Erweiterung ihres Windparks plant. Dieses Vorhaben erläuterte der Ellhöfter Reinhard Christiansen, einer der drei Geschäftsführer. Nachdem die Einwohner der Gemeinde Westre bei ihrer Versammlung bereits mit überwältigender Mehrheit der Erweiterung um fünf Mühlen auf deren Gebiet zugestimmt hatten (wir berichteten), galt es nun auch die Ellhöfter Bürger für die Aufstellung von vier neuen Mühlen in deren Gemeinde zu überzeugen.

Alle geplanten Windräder sind als Lücken- und Randbebauung entlang der Landesgrenze nördlich des Windparks Ellhöft zwischen den bisherigen Vindtved-Mühlen angedacht. Obwohl derzeit eine zweijährige Veränderungssperre vom Land Schleswig-Holstein für die Errichtung von weiteren Windkraftanlagen besteht, wird es laut Christiansen weiter Vorrangsgebiete geben, wo in Ausnahmefällen Mühlen genehmigt werden können. Ab dem 1. Januar 2017 werde es nach dem EEG auch Veränderungen in den Ausschreibungsbestimmungen und der Vergütung geben, mahnte er zur Eile. Jede der neu geplanten getriebelosen Mühlen, deren Größe noch nicht ganz fest steht, wird einen Abstand von mindestens 850 Metern von den Häusern haben und obliegt einem sogenannten Bimsch-Antrag (Bundesimmissionsgesetz). Wenn es grünes Licht gibt, können sich nur die Einwohner der beteiligten Gemeinden sowie die bisherigen Vindtved-Anteilseigener an dem neuen Bürgerwindpark beteiligen. Das Eintrittsgeld für jede Beteiligung beträgt 1000 Euro und muss dann bei Verwirklichung entsprechend aufgestockt werden.

Zwei Einwohner beklagten sich über die Schattenwürfe der bisherigen Mühlen und kritisierten den „verkehrten Weg“, dass erst die Mühlen und dann die Netz-Trassen gebaut würden. Und zur Vergütung bei Stillstand über die „EisMan“-Regelung sagten sie: „Diese Kosten gehen zu Lasten der Bürger!“ Auch Reinhard Christiansen kritisierte den schleppenden Netzausbau, insbesondere auch durch die große Politik, der vergangenen Jahre, aber man habe vor Ort mit der Leitung bis Weesby diesen auch selbst voran getrieben. In Bezug auf die zahlreich entstandenen Arbeitsplätze und die hohen Gewerbesteuereinnahmen der beteiligten Kommunen stellte er aber insbesondere die große Wertschöpfung vor Ort heraus.

Nach Ende der Diskussionen gab es ein Meinungsbild durch eine schriftliche Abstimmung. Diese fiel mit 34 Stimmen für die Erweiterung gegen vier Nein-Stimmen (zwei Bürger hatten vorher den Saal verlassen) recht eindeutig aus. In der anschließenden Gemeindevertretersitzung, fiel es Erich Berg somit nicht schwer, den Aufstellungsbeschluss für die erste Änderung und Erweiterung des Bebauungsplanes Nr. 2 der Gemeinde Ellhöft zu beschließen, um den Bau der Mühlen zu planen. Dieses ist laut Karen Hansen erforderlich, da die geplanten Anlagen nur zum Teil im Geltungsbereich stehen.

„Wir können viel Geld in unserer Gemeinde investieren“, freute sich Bürgermeister Jörg Thomsen in seinem anschließenden Bericht. Hierzu gehöre insbesondere die vorzeitige Versorgung der Haushalte mit Breitband, die Erweiterung der Straßenbeleuchtung, der Ausbau der Gemeindewege sowie die Erneuerung des Spielplatzes.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen