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Nordfriesland Tageblatt

26. September 2017 | 07:49 Uhr

Glück : Eiserne Hochzeit im Doppelpack

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

65 Jahre Ehe: Heute feiern Emil und Marie Botte sowie Karl-Gerhard und Ida Margarethe Christine Andresen in Neukirchen ein seltenes Fest

von
erstellt am 17.Apr.2014 | 05:00 Uhr

Heute ist ein besonderer Tag für vier Südtonderaner: Der Friseurmeister Emil Botte und seine Ehefrau Marie Christine (immer nur Mariechen genannt) sowie der Bäckermeister Karl-Gerhard Andresen mit Ehefrau Ida Margarethe Christine feiern gemeinsam in Neukirchen das seltene Fest der Eisernen Hochzeit.

Es war kein Zufall, dass die beiden Ehepaare vor 65 Jahre am gleichen Tag geheiratet haben, denn die Ehefrauen sind Schwestern und Töchter des damaligen bekannten Ortsbriefträgers Bendix Ebsen (Benne Post). Den Zweitnamen Christine haben beide von deren Oma „geerbt“.

Der 17. April 1949 war der Ostersonntag, der einzige Tag, an dem Bäcker Karl-Gerhard frei hatte und auch Emil eigens aus seiner hessischen Heimat anreisen konnte. Die kirchliche Trauung vollzog Pastor Maschewski in der geschmückten Neukirchener Kirche. Auch die standesamtliche Trauung fand am gleich Tag statt. Nach der Goldenen und Diamantenen Hochzeit folgt heute nun bereits die vierte gemeinsame Trauung in der St-Johannes-Kirche zu Neukirchen.

Mariechen und Emil Botte haben sich in französischer Kriegsgefangenschaft kennen und lieben gelernt, wo sie als DRK-Schwester arbeitete. Da Mariechen aber Ende 1945 dort nach Hause entlassen wurde, Emil aber noch nicht, haben sie sich noch Weihnachten dort verlobt. „Um sie nicht zu verlieren“, wie Emil schmunzelnd anmerkt und dann wieder ganz ernst wird: „Ich habe es keine Stunde bereut!“

Großes Hobby von beiden war das Campen mit dem Wohnmobil, Radfahren und Handarbeiten. Wobei Mariechen im Handarbeitskreis mitwirkte und Emil sich zu Hause aufs Häkeln und Teppichknüpfen spezialisiert hatte. Emil Botte wurde am 18. Dezember 1922 als Sohn eines Stellmachers im hessischen Melsungen geboren und wuchs mit acht Geschwistern auf. Nach der Lehre des Friseurhandwerks wurde er 1940 zur Marine einberufen und geriet mit seiner U-Boot-Einheit nach Landung der Alliierten in Gefangenschaft.

Nach der Meisterprüfung eröffnete er 1953 in seiner neuen Heimat Neukirchen einen Damen- und Herrensalon, der noch heute von seinem Sohn Walter fortgeführt wird. Auch ehrenamtlich war Emil Botte sehr stark in seiner Wahlheimat engagiert: Im Elternbeirat und der Schulpflegschaft, als Kirchenvertreter, Mitbegründer des HGV, auch war er zwölf Jahre Vorsitzender des örtlichen Sportvereins. Bis vor knapp einem Jahr fuhr Emil Botte noch selbst täglich zum Schwimmen in die Halle nach Tondern.

Mariechen Botte wurde als ältestes von sechs Kindern am 15. März 1923 geboren. Nach dem Schulbesuch und anschließender Arbeit im Haushalt erfolgte eine Ausbildung zur DRK-Schwester im Krankenhaus Niebüll, um danach als Lazarettschwester einberufen zu werden. Bis zum 80. Geburtstag hat Mariechen Botte ein Tagebuch geführt und dann aufgehört: „Ich dachte, ich wurde nicht mehr älter.“ Sie brachte fünf Kinder zur Welt, die alle mit ihren Familien in der Nähe wohnen. Im Laufe der Jahre hat sich die Familie um zwölf Enkel und sechs Urenkel vergrößert, wobei das jüngste, Julius Emil (nach den Opas benannt) erst am 5. April geboren wurde.

Ida und Karl-Gerhard Andresen haben sich in Hesbüll auf Drees Wilhelmsens Pferde-Fenne kennen gelernt. Sie half ihm des öfteren, dort das Pferd für den Bäckerwagen für die „Über-Land-Tour“, ein störrisches und eigenwilliges Schleswiger Kaltblut, einzufangen. Hieraus sollte sich eine andauernde Liebe entwickeln.

Karl-Gerhard Andresen, früher „Bubi Bäcker“ genannt, wurde am 4. Mai 1924 in Niebüll als Sohn des Bäckermeisters Andreas Andresen geboren. 1929 zog er mit seinen Eltern nach Hesbüll, die dort eine Bäckerei gründeten. Da besuchte er auch die „höhere Schule“, wie er schmunzelnd anmerkt, denn das Gebäude lag auf einer Warft.

Nachdem auch er den Beruf des Bäckers erlernt hatte, wurde er 1942 eingezogen und diente an der Ostfront und in Italien. 1947 wurde er aus der amerikanischen Gefangenschaft entlassen und übernahm 1953 als Meister die Bäckerei seines Vaters, die er wiederum 1989 an den Sohn Reinhard übergab.

Karl-Gerhard Andresen liebt die Volks- und Schlagermusik, hat ein großes 35 Jahre altes Abspielgerät für seine umfangreiche CD-Sammlung von den Anfängen und hört auch heute noch gerne die Musik von Andrea Berg und Helene Fischer.

Ida Andresen kam am 5. Dezember 1929 zur Welt und ging nach Besuch der Schule am Osterdeich nach Hesbüll in Stellung, um dann durch die Liebe für immer in dem Ortsteil sesshaft zu werden. Auch ihre große Leidenschaft ist die Handarbeit. Die Eheleute Andresen haben einen Sohn, Schwiegertochter und zwei Enkelsöhne. Noch heute kocht Ida gerne fast täglich für alle sechs Personen. Das Reisen mit dem Wohnmobil durch Deutschland und Europa bis hin nach Marokko war bis vor fünf Jahren die große Leidenschaft der Andresens. Hier haben sich viele Bekanntschaften ergeben, von denen einige sogar zur Feier der Eisernen Hochzeit nach Neukirchen anreisen. Auch haben sie fast jede Tanzveranstaltung im Dorf besucht. Noch zur Diamantenen Hochzeit vor fünf Jahre haben sie „Be-Bop-A-Lula“ getanzt.

Alle vier Jubilare haben stets rege am Dorfleben teilgenommen und waren in allen örtlichen Vereinen vertreten. Erst zur Goldenen Hochzeit 1999 haben sie ihre Hochzeitsreise nachgeholt – gemeinsam ging es nach Lanzarote. Sie sind auch heute noch gesund – und falls es hier und dort mal zwickt, sprechen sie nur „von vorübergehenden Störungen“, so Mariechen Botte.

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