zur Navigation springen

Eiserne Hochzeit: Es funkte beim Brombeerpflücken

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

von
erstellt am 03.Nov.2014 | 08:21 Uhr

Heute ist ein ganz besonderer Tag für die Eheleute Hedwig „Hedi“ und Ulrich Bünger aus Aventoft, denn sie feiern ihre eiserne Hochzeit. Kennen gelernt haben die beiden sich schon 1939 in Karlum beim Brombeerpflücken. „Wir haben geguckt – und mochten uns damals schon leiden,“ sagt Ulrich Bünger schmunzelnd.

Hedwig Bünger, geborene Christiansen, erblickte am 8. April 1926 als ältestes von vier Geschwistern in Wallsbüll das Licht der Welt. Ihr Vater war Forstwart und auch für den Karlumer Wald zuständig, deshalb erfolgte 1939 auch der Umzug dorthin. Nach der Schulzeit musste Hedwig Christiansen zunächst ein so genanntes Pflichtjahr in der Hauswirtschaft auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Schafflund leisten. Die tägliche Arbeitszeit begann morgens um viertel nach fünf bis abends, nur unterbrochen von einer Mittagsstunde. Danach hat sie in der Großküche der Diakonissenanstalt in Flensburg das Kochen gelernt. Weitere Arbeitsstationen waren der Westre Waldkrug und bei Förster Jessen. Da die Eltern nebenbei eine kleine Landwirtschaft hatten, musste sie auch dort mithelfen.

Ulrich Bünger wurde am 8. Mai 1926 in Golchen bei Brühl geboren und ist in Mentin (beides Mecklenburg-Vorpommern) mit sechs weiteren Geschwistern aufgewachsen. Der Vater war dort Gärtner auf einem Gut. 1935 verschlug es die Familie nach Leck, bevor drei Jahre später der Umzug nach Karlum erfolgte. Der junge Ulrich Bünger wollte eigentlich Bäcker werden, doch im Alter von 14 Jahren wurde er zur Wehrmachtsschule eingezogen. Nach einer schweren Verwundung im Krieg begann er 1946 seine Laufbahn beim Zoll.

Während des Krieges hatten Hedwig und Ulrich Bünger sich weiterhin immer geschrieben und so wurde am 5. November 1949 in der Karlumer Kirche geheiratet. Schon einen Monat später zog das junge Paar beruflich bedingt nach Gudow an die Zonengrenze. Dort hatten sie nur ein Zimmer als Wohnung, das 30 Mark Miete kostete. Weitere 20 Mark gingen an die Krankenkasse und das bei einem Gehalt von 140 Mark im Monat. Drei Jahre später ging es erstmals nach Aventoft in den Grenzaufsichtsdienst und von dort nach Burg auf Fehmarn (1956 bis 1966). Hier trafen sie auf so bekannte Schauspieler wie Mario Adorf und Horst Buchholz, die in dem dort gedrehten Film „Das Totenschiff“ mitwirkten.

Nach zweijährigem Dienst beim Zollamt in Böglum zog die Familie dann 1966 endgültig nach Aventoft. Dort wurde Ulrich Bünger Vorsteher des Zollamtes, bis zu seiner Pensionierung 1986. Die Grenze war täglich nur von acht Uhr morgens bis 22 Uhr geöffnet und durfte lediglich von deutschen und dänischen Bürgern passiert werden. Ulrich Bünger kann so manche Anekdote aus dieser, wie er sagte „für ihn sehr schönen Zeit“ erzählen.

Seit 1973 wohnt die Familie im Küsterweg, wo ein Haus mit großem Garten von Dide Matzen erworben und zu einem gemütlichen Domizil umgebaut wurde. Neben dem Garten war die Imkerei die große Leidenschaft der Eheleute Bünger, seit sie damals auf Fehmarn den ersten Bienenschwarm in einem Straßengraben eingefangen hatten. Neben dem Kochen hat Hedi Bünger früher auch gerne gestrickt. Dafür hat sie damals sogar die Wolle selbst gesponnen. Das Spinnrad steht noch heute in der gemütlichen Stube.

Ein großes Hobby von Ulrich Bünger war die Jagd, die er bis vor vier Jahren noch hin und wieder mit seinem Enkel Reinhardt ausüben konnte. Daneben war er sechs Jahre in der Aventofter Gemeindevertretung tätig und einige Jahre Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes. Von 1984 bis 1998 leitete Ulrich Bünger den SoVD-Ortsverband als Vorsitzender und auch seine Ehefrau war dort über 14 Jahre in verschiedenen Vorstandsämtern tätig. Wenn es die Gesundheit zulässt, nehmen die Eheleute noch gerne an den Veranstaltungen im Dorf teil. Denn trotz einiger gesundheitlicher Schicksalsschläge blicken beide immer optimistisch in die Zukunft.

„Wir freuen uns, in einem schönen Dorf mit einer guten Gemeinschaft zu leben“, so der Tenor der beiden. Auch wenn vieles nach 65 Ehejahren natürlich nicht mehr wie gewünscht von der Hand geht, sind die Eheleute Bünger dankbar, dass sie noch in ihren schmucken Häuschen wohnen können. Die Jubilare erfreuen sich an ihren beiden Töchtern und Schwiegersöhnen und insbesondere an den fünf Enkel- und neun Urenkelkindern, die alle in der Umgebung wohnen. Den Ehrentag feiern die Jubilare mit einer großen Gästeschar im Landgasthof Fegetasch in Neukirchen. Dort wird Pastorin Meike Mewes-Wagner auch die erneute Trauung des Jubel-Paares vornehmen, das sich vor 65 Jahren das Ja-Wort gegeben hat.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen