Putten-Ladelund-Lauf : Einzigartiger Lauf mit Symbolkraft

Marsch gegen das Vergessen und für die Versöhnung: Am Sonnabend gesellten sich viele Südtonderaner zu den Läufern.
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Marsch gegen das Vergessen und für die Versöhnung: Am Sonnabend gesellten sich viele Südtonderaner zu den Läufern.

200 Menschen haben die Botschaft „Dankbarkeit für Versöhnung und Vergebung“ gemeinsam von Achtrup nach Ladelund getragen

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04. Mai 2015, 08:00 Uhr

Es ging nicht um Rekorde oder persönliche Bestzeiten beim „Putten-Ladelund-Lauf“. 70 Jahre nach Kriegsende ging es darum, die Botschaft „Dankbarkeit für Versöhnung und Vergebung“ in die Welt hinauszutragen – von Putten bis nach Ladelund. Die kleine niederländische Gemeinde Putten ist geprägt von der Geschichte: 111 Männer kamen Ende 1944 im KZ-Außenlager Ladelund um. Schon wenige Jahre nach Kriegsende wurden von beiden Gemeinden erste Kontakte geknüpft, inzwischen sind Freundschaften entstanden. Gerade das sollte der Lauf ausdrücken. Deshalb war den 72 Niederländern kein Weg zu weit, rund 700 Kilometer legten 25 Sportler im Staffellauf plus Versorgungstross zurück und passierten unter anderem Aurich, Neuengamme und Husum-Schwesing. Auf der letzten Etappe von Achtrup bis nach Ladelund begleiteten nahezu 200 Bürger den langen Versöhnungs-Zug und erinnerten damit an den Marsch der KZ-Häftlinge zur Nazi-Zeit.

Orangefarbene Schleifen, Fahnen, der Fanfarenzug Karrharde und ungezählte Menschen begrüßten die Ankömmlinge. Gemeinsam schritten alle zum stillen Gedenken zu den Gräbern und hielten Andacht in der Kirche. Pastor Hans-Joachim Stuck sprach von einem einzigartigen Lauf mit großer Symbolkraft, der die Türen öffne und die Herzen der Menschen erreiche. Diese Mission sei vollbracht und die Botschaft auch den nachwachsenden Generationen übermittelt worden, meinte Michel Kooij, Initiator des Laufes. Positive Bande verknüpften Menschen dieser zwei Gemeinden: „Wir sind alle Ladelunder und wir sind alle Puttener. Ladelund und Putten sind eine Gemeinde.“ Am Sonntag legten die Niederländer Kränze an den Gräbern nieder und machten sich noch einmal auf den Marsch: Zum Panzerabwehrgraben und zum Gelände des ehemaligen Lagers. Als überaus erfolgreich wertete schließlich Michel Kooij die Aktion: „Wir waren von Anfang an ein Team und sind überall herzlich aufgenommen worden. Es war eine Millionen Mal besser als wir gehofft hatten!“ Erschöpft aber glücklich zeigten sich die Nordfriesen Thorsten Hansen und Frank Lorenzen, die gemeinsam mit dem niederländischen Team den Putten-Ladelund-Lauf gemeistert haben: „Es war anstrengend – aber ein tolle Erfahrung, die wir nicht missen möchten.“

Die gemeinsame Geschichte der beiden Orte wurde mit einem neuen Kapitel weitergeschrieben. Begegnung und Besinnlichkeit, Tränen und Trauer, Fröhlichkeit und Lachen prägten die zwei Tage in Ladelund.

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