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Nordfriesland Tageblatt

20. Oktober 2017 | 13:47 Uhr

Tierschutz : Einsatz für verirrte Stubentiger

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Tierschützerin Gesche Iben-Hebbel wünscht sich zu Weihnachten, dass jede Katze gechipt wird.

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2016 | 05:22 Uhr

„Wenn ich mir etwas, egal was, zu Weihnachten wünschen dürfte, dann, dass auch alle Katzen gechipt werden müssen“, sagt Gesche Iben-Hebbel (57) vom Tierschutz Niebüll und Umgebung. Während sie spricht, läuft die kleine, grau getigerte Katze Ottilie um die Beine der Tierschützerin und zupft mit den Krallen leicht an der Jeans. „Otti“ blickt aus großen, glänzenden Augen nach oben: Streichel mich! Iben-Hebbel lächelt sanft und nimmt den Stubentiger auf den Arm.

Ottilie ist wahrscheinlich Anfang August geboren. Ihr Name ist eine Anlehnung an den ihres Finders. „Das machen wir meistens so.“ Gefunden wurde sie pitschnass in der Nähe von Trollebüll. Sie war voller Flöhe und hatte Würmer. Die Tierschützerin ließ sie behandeln und in ihrem Quarantäneraum genesen.

Tiere, die lange umhergeirrt sind und von ihren Haltern verlassen wurden, fassen schnell Vertrauen zu Gesche Iben-Hebbel. „Es sind nicht immer ausgesetzte Katzen, die zu uns kommen. Einige verstecken sich im Auto und steigen an einem fremden Ort wieder aus.“

Auch wie „Old Ole“ verloren gegangen ist, bleibt ein Rätsel. Der Kater mit dem Knickohr wurde heruntergekommen in Humptrup gefunden. Er hat ein Flohhalsband und ist kastriert. „Nur sein Halter lässt sich nicht ausfindig machen. Wenn er gechipt wäre, dann hätten wir ihn längst nach Hause bringen können.“ Die Chips sind dünne Platten, die mit einer Kanüle ins Gewebe des Nackenfells implantiert werden. Auf dem Chip ist eine 15-stellige Identifikationsnummer gespeichert. „Für Hunde ist das Chippen schon Pflicht, für Katzen leider nicht.“

Was also tun, wenn einem ein Kätzchen zuläuft? Zuerst solle der Finder sich bei den Nachbarn umhören, vielleicht ist das Tier neu in der Gegend. Wenn sich niemand findet, ist der Anruf beim Tierschutz ein guter Anfang. „Wenn es der Katze gut geht und sie erstmal beim Finder bleiben darf, sorgen wir dafür, dass überprüft wird, ob das Tier gechipt ist.“ Dann suchen die Tierschützer den Halter via Facebook, der Homepage des Vereins oder auch Zetteln an Laternenmasten. „Wenn sich kein Halter meldet, vermitteln wir dem Tier ein neues Zuhause, und manchmal verliebt sich auch der Finder in seinen Stubentiger und behält ihn.“

Wenn die Katzen abgemagert, krank und scheu sind, greifen Gesche Iben-Hebbel und ihre Mitstreiter sofort ein. Sie fangen die Tiere, pflegen sie gesund und päppeln sie wieder auf. Währenddessen wird der Halter gesucht. Wenn sich niemand meldet, werden die Katzen vermittelt. „Aber erst, wenn sie wieder richtig fit sind.“

„Nicht nur Finder von Katzen wenden sich an uns. Im Sommer ist jemand mit einer Schildkröte gekommen. Die sind flinker, als man glaubt“, schildert die Tierschützerin. Innerhalb von zwei Stunden meldete sich der Besitzer. Auch Wildtiere werden zu ihnen gebracht: für die ist die Wildtierhilfe zuständig.

Zum Schutz der Tiere gehört auch die Kastration. Das klingt im ersten Moment abwegig, ist aber notwendig. „Wenn die Katzen sich pausenlos vermehren, etwa auf einem Bauernhof, überall dort, wo viele zusammenkommen, führt das zu Vermehrungsstress.“ Die Tiere sind quasi ständig rollig. Die Weibchen gehen von der einen in die nächste Schwangerschaft über. Sie haben bis zu drei Würfe in einem Jahr. „Das tut den Tieren nicht gut.“ Auf Höfen fühle sich häufig niemand zuständig, berichtet Iben-Hebbel. Die Tiere bekämen Futter, sollten die Mäuse in Schach halten, aber daran, sie kastrieren zu lassen, denke niemand. Das liegt sicher auch daran, dass die Kastration zwischen 60 und 90 Euro kostet. Bei vielen Tieren summiert sich das. Hier hilft der Verein ebenfalls. „Wir waren auf einem Hof mit über 30 Katzen. Die meisten davon sehr scheu.“ Iben-Hebbel und ihre Mitstreiter fingen sie etappenweise und brachten sie zum Tierarzt. „Jetzt haben die Tiere den Stress nicht mehr und sehen viel besser und gesünder aus.“ Im Amt Nordsee-Treene müssen Freigänger-Katzen ab 2017 kastriert werden. „Wir hoffen, dass andere Ämter nachziehen.“

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